Victorinox stattet US-Armee aus

ARMEEMESSER ⋅ Zum ersten Mal in der Geschichte von Victorinox gehört die US-Armee zu den offiziellen Kunden. Davon erhofft sich der Messerhersteller auch einen Schub für das zivile Geschäft.
10. Juli 2017, 05:00

Maurizio Minetti

Still und leise hat die Schwyzer Messerschmiede Victorinox vor kurzem einen Erfolg verbucht, der in der 133-jährigen Geschichte des Unternehmens als Meilenstein gilt: Die US-amerikanische Defense Logistics Agency (DLA) hat das Soldatenmesser von Victorinox in ihrer offiziellen Bestellliste aufgenommen.

Im Klartext bedeutet das, dass die Mitglieder der US-Armee das von der DLA empfohlene Messer bestellen können, aber nicht müssen. «Finanziell hält sich der Deal in Grenzen, aber es ist ein grosser Image-Gewinn», sagt Paul Camenzind, der bei Victorinox für die Abteilung Soldatenmesser zuständig ist.

Seltenheit für Nicht-Amerikaner

Es ist das erste Mal, dass ein Messer von Victorinox von der DLA empfohlen wird. Damit ist Victorinox auch erstmals offizieller Lieferant der US-Armee, obschon in der Vergangenheit jede US-Einheit für sich vereinzelt Victorinox-Messer ab Stange kaufen konnte. Doch das Listing der DLA katapultiert Victorinox in eine neue Liga: Für nicht-amerikanische Hersteller ist es nämlich äusserst schwierig, auf die Liste der DLA zu kommen. «Entsprechend hat man in der Branche das Listing des Messers mit Erstaunen zur Kenntnis genommen», verrät Camenzind.

Bereits letztes Jahr hat die DLA dem Victorinox-Messer eine sogenannte National Stock Number (NSN) vergeben – das ist die Voraussetzung dafür, dass das Messer von den US-Streitkräften bestellt werden kann. Die offizielle Bezeichnung des Messers lautet «Knife Combat Utility». Dem martialischen Namen zum Trotz: Es handelt sich nicht um ein Kampfmesser und auch nicht um ein sogenanntes Multitool. Das Mehrzweckmesser entspricht im Wesentlichen dem Soldatenmesser, das Schweizer Armeemitglieder als persönliche Ausrüstung bekommen und im Handel rund 50 Franken kostet. Zahlreiche andere Armeen nutzen das Messer bereits, darunter Deutschland, die Niederlande, Singapur und Norwegen. Das Messer, das in Ibach-Schwyz produziert wird, verfügt unter anderem über eine Holzsäge, diverse Schraubendreher und einen Dosenöffner. Die amerikanische Version des Messers unterscheidet sich nur darin, dass «U.S.» darauf steht und die Oberfläche aus ästhetischen Gründen brüniert ist. Wie viele Messer die US-amerikanische Armee seit dem Listing bestellt hat, verrät Victorinox nicht. Camenzind gibt aber zu verstehen, dass die bestellte Menge noch irrelevant ist. «Vom Listing zum flächendeckenden Einsatz kann es erfahrungsgemäss lange dauern», sagt Camenzind, der seit 25 Jahren bei Victorinox arbeitet.

Parallel prüft Victorinox zudem, ob das Messer in den sogenannten Exchange Stores der US-Armee angeboten werden soll. Dabei handelt es sich um Läden, in welchen US-Armeeangehörige teils zu vergünstigten Konditionen Alltagsgegenstände einkaufen können. In diesen Läden sind bereits die regulären «Swiss Army Knives» von Victorinox erhältlich.

Nicht im Handel erhältlich

Der kleine, aber prestigeträchtige Deal mit der DLA könnte nun in den USA für neuen Schwung im zivilen Geschäft von Victorinox sorgen. Paul Camenzind erklärt: «Das Geschäft mit Soldatenmessern macht nur einen sehr kleinen Anteil unseres Umsatzes aus, das zivile Geschäft ist viel grösser.» Wenn Armeeangehörige das Soldatenmesser zu Tausenden bestellen können, steigt in den Vereinigten Staaten damit möglicherweise das Bewusstsein für die Marke Victorinox – so hofft man in Ibach. Weil wegen des starken Frankens der europäische Markt immer schwieriger ist, käme ein Schub im US-amerikanischen Markt Victorinox durchaus gelegen.

Das Armeemesser selbst kann derzeit nur von US-Soldaten bestellt werden. Gemäss Paul Camenzind steht es noch in den Sternen, ob das «Knife Combat Utility» mit dem auffälligen «U.S.»-Aufdruck dereinst auch im US-amerikanischen Handel oder etwa auch in der Schweiz verkauft werden soll.


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