Viktor Vekselberg bleibt in der Schusslinie

US-SANKTIONEN ⋅ Die Reduktion des Aktienanteils der Beteiligungsgesellschaft von Viktor Vekselberg an Sulzer ändert an der Sachlage vorerst nichts. Die Konti in den USA bleiben eingefroren, während die Sulzer-Aktien weiter an Wert verlieren.
12. April 2018, 05:00

Roman Schenkel

Der Schachzug von Sulzer scheint nicht aufzugehen. Mit einem Rückkauf eigener Aktien wollte sich das Winterthurer Unternehmen aus der Schusslinie nehmen. Am Montag kündigte Sulzer an, 5 Millionen eigene Aktien von Grossaktionär Renova des russischen Oligarchen Viktor Vekselberg zurückzukaufen.

Dessen Anteil am Unternehmen geht dadurch von zuletzt 63,4 Prozent auf 48,83 Prozent zurück. Damit wäre Sulzer – so die Hoffnung Anfang Woche – laut Definition nicht mehr von den Sanktionen der USA betroffen. Diese schliessen alle Unternehmen ein, an welchen die sanktionierten russischen Geschäftsleute mindestens 50 Prozent halten. Zu den Gelisteten gehört auch der in Zug wohnhafte Investor und Sulzer-Grossaktionär Viktor Vekselberg.

Wird Titel aus wichtigen Indices gestrichen?

Doch die Transaktion ist noch nicht in trockenen Tüchern. Der Rückkauf muss erst noch vom US-Finanzministerium aner­kannt werden, bevor die Transaktion vollzogen wird. Bis dahin behandeln die Banken Sulzer wie eine Firma, gegen die Sanktionen gelten. Und diese haben es in sich: Die Konten des Schweizer Industriekonzerns in den USA wurden am Dienstag eingefroren. Sulzer dürfe zwar weiterhin Löhne aus- und Lieferanten bezahlen, ansonsten aber keine Zahlungen in Dollar vornehmen und keine Neugeschäfte tätigen. Laut einem Sprecher kann der Industriebetrieb auch weiterhin die Kunden in den USA bedienen, jedoch nur, wenn entsprechende Verträge vor Freitag der vergangenen Woche abgeschlossen worden seien. Erschwerend kam am Mittwoch dazu, dass die Grossbanken UBS und Credit Suisse (CS) nicht mehr mit Sulzer-Aktien handeln. Dies bestätigten mehrere Händler am Börsenplatz Zürich tätiger Banken. «Bereits am Dienstag hat die UBS den Handel gestoppt, seit Donnerstag auch die CS», hiess es. Auch andere Banken würden ähnliche Schritte erwägen.

Die Sulzer-Aktien stürzten danach erneut ab. Am Mittwoch verloren die Titel über 8,5 Prozent. Seit vergangenem Freitag, als die Sanktionen ausgesprochen wurden, haben die Sulzer-Aktien einen Viertel ihres Werts eingebüsst. Und es könnte noch schlimmer kommen. Laut Reuters, erklärte MSCI, der wichtigste Indexanbieter weltweit, man werde, falls bis zum 16. April keine Klarheit bestehe, ob Sulzer Gegenstand von Sanktionen sei, das Schweizer Unternehmen aus ihren Aktienindices streichen. «Sollte dies geschehen, können wir uns auf eine weitere Verkaufswelle gefasst machen», sagte ein Aktienhändler. Viele Investoren richten ihre Anlagen nach Indices wie diejenigen von MSCI aus.

Zuversicht bei Sulzer

Die Hoffnung von Sulzer, im Verlauf der Woche von den Sanktionen befreit zu werden, ist laut einem Unternehmenssprecher intakt. «Wir sind zuversichtlich», bestätigte er Aussagen, die er bereits am Montag gemacht hatte. Mitarbeiter von Sulzer in den USA stünden in engem Kontakt mit der zuständigen Behörde OFAC (office of foreign assets control). Die Gesprächsatmosphäre dort sei dem Vernehmen nach konstruktiv. Bis konkrete Resultate vorlägen, müsse man aber abwarten.

Der Multimilliardär Vekselberg besitzt die Renova-Gruppe mit zahlreichen Beteiligungen. Neben Sulzer ist Renova an dem Luzerner Stahlkonzern Schmolz+ Bickenbach und dem Schwyzer Industrieunternehmen OC Oerlikon beteiligt. Während der Aktienkurs von Schmolz + Bickenbach sich am Donnerstag leicht erholte (+1,2 Prozent) und in den letzten Tagen nur 2,5 Prozent eingebüsst hat, traf es OC Oerlikon härter. Die Oerlikon-Aktien verloren seit letztem Freitag 12 Prozent, auch am Mittwoch büssten sie über 5,15 Prozent ein.


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