Kommentar

Weiterer Schuss vor den Bug der Prämien- und Steuerzahler

Blattmacher Balz Bruder über die Finanzierbarkeit des Gesundheitswesens.
17. April 2018, 08:14

Wenn die Kadenz der Fünf-vor-zwölf-Rufe zum Massstab genommen werden kann, wie gross die Sorge um die Finanzierbarkeit des Gesundheitswesens ist, steht es sehr ernst. Wie anders ist zu erklären, dass die Chefin des grössten Grundversicherers eine Erhöhung der Mindestfranchise auf bis zu 10'000 Franken vorschlägt?

An der Analyse von Philomena Colatrella ist nicht zu zweifeln: «Die Schmerzgrenze bei der Tragbarkeit der Prämien ist erreicht.» Allerdings ist im gleichen Atemzug anzufügen: Sie ist nicht nur für die Prämienzahler erreicht, sondern ebenso für die Steuerzahler – denn sie sind es, welche in Personalunion die wachsende Zahl der Bezüger von Prämienverbilligungen finanzieren. Was ist also von einem Vorschlag zu halten, der auf der einen Seite Prämienreduktionen verspricht, auf der anderen Seite aber neue Verbilligungsbezüger produziert? Kaum anzunehmen, dass auf diese Art und Weise jene Eigenverantwortung Raum greift, die für das System insgesamt so wichtig wäre.

Wenn der Vorschlag der CSS-CEO dennoch sein Gutes hat, dann dieses: Es muss dem Bundesrat auf Teufel komm raus gelingen, die Reformvorschläge der Expertengruppe, die er eingesetzt hat, durchzusetzen. Auch und gerade dort, wo es der Gesundheitsbranche wehtut. Sonst setzen sich am Ende tatsächlich Planspiele à la Mindestfranchise von 10 000 Franken durch.

Balz Bruder

balz.bruder@luzernerzeitung.ch


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