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Die SBB schaffen ihre Minibars ab

BAHN ⋅ «Kaffee, Sandwich, Mineral!» - der altbekannte Spruch in Zügen soll nach rund 70 Jahren verstummen. Denn die SBB schafft ihre Minibars ab.

Erst Anfang April 2014 stellten die SBB ihre neue Minibar vor. Technisch war der neue Wagen damals ausgereift, preislich aber auf hohem Niveau. Das Video zeigt die Minibar, wie sie im Jahr 2014 vorgestellt wurde, als sie neu lanciert wurde. Nun steht diese aber vor dem Aus. (Keystone (Archiv), 8. Januar 2016)

Die SBB begründete die Änderung namentlich mit dem schnell wachsenden Verpflegungsangebot in Bahnhöfen. Weil immer mehr Getränke und Esswaren vor der Fahrt gekauft werden können, gehen die Umsätze im Bahncatering zurück, wie die SBB in einem Communiqué schrieb. Besonders betroffen sei die Minibar.

In den vergangenen Jahren gingen die Umsätze aus dem Verkauf von den «Wägeli» um rund 40 Prozent zurück, wie die SBB schrieb. Verpflegen kann man sich in den Zügen aber weiterhin: Reisende in der ersten Klasse werden weiterhin am Sitzplatz bedient.

Self-Service für zweite Klasse

Wer zweite Klasse reist, kann im Speisewagen vom Take-away einkaufen. Die SBB schrieb dazu, dass mit der Beschaffung von neuen Doppelstock- und Gotthard-Zügen (Giruno) die Zahl der Speisewagen erhöht werde. Derzeit hat die SBB 90 Speisewagen. Im Jahr 2021 sollen es 120 sein.

Gastronomie will die SBB künftig in allen EuroCity- und InterCity-Zügen anbieten. Die Verpflegung selber mitnehmen muss dagegen, wer einen Interregio-Zug besteigt. Auf diesen Linien wird wegen mangelnder Nachfrage kein Gastronomieangebot mehr zur Verfügung stehen.

Die SBB konzentriert sich zudem künftig auf die Gastronomie in den Zügen: Sie will die Flächen der «Segafredo»-Stände in den Bahnhöfen per Mitte 2016 neu vermieten. Diese Stände werden derzeit von der SBB-Tochtergesellschaft Elvetino als Franchisingpartner betrieben. Für betroffene Mitarbeitende werde eine sozialverträgliche Lösung gesucht.

Gewerkschaft besorgt

Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) kritisierte in einem Communiqué «Folgen von reinem Profitdenken» und verlangte, die betroffenen Angestellten weiterzubeschäftigen. Die Minibars böten 300 Personen Arbeit. Für den SEV ist ein völliger Ausstieg aus dem Minibar-Angebot «undenkbar». Solle Minibar-Personal in Speisewagen eingesetzt werden, müsse es von Elvetino dafür geschult werden.

Die SBB spricht von rund 200 beschäftigten Personen, die mit der Minibar unterwegs sind. Diese würden - wenn immer möglich - umgeschult und weiterhin beschäftigt.

Kaffee am Morgen

Etwas versöhnlicher zeigt sich die Bahnkunden-Organisation Pro Bahn Schweiz. Den Ausbau der Speisewagen begrüsst sie. Den Abbau der Minibar bedauert sie für jene Zeitspannen, in denen grosse Nachfrage besteht.

Dies sei morgens zwischen 6 und 8 Uhr der Fall, heisst es in der Medienmitteilung, denn dann bestellten viele Fahrgäste Kaffee. Pro Bahn Schweiz wünscht deshalb, dass der Minibar-Service für diese Tageszeit weiterhin aufrechterhalten wird.

Seit 10 Jahren rückläufig

Der Minibar-Service wurde 1949 eingeführt, wie der Internetseite von Elvetino zu entnehmen ist. Heute sind sie laut SBB zwischen 6.30 Uhr und 19.00 Uhr an Bord der InterCity-Züge unterwegs, sowie je nach Strecke auch in den Interregio-Zügen.

Ihre Zahl wurde in den vergangenen Jahren schrittweise kleiner: Bereits 2005 wurde die Zahl der Wägelchen reduziert. 2011 waren noch 198 Minibars im Einsatz. Derzeit bewirtschaftet Elvetino 121 Minibars. (sda)

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Leserkommentare
  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 09.01.2016 11:14

    Die Minibar gehört zu einem Gesamt-Service-Konzept für das Reisen mit der Bahn. Wenn für die SBB immer mehr jeder Deut in sich selber rentieren soll, dann könnte man auch noch gleich das Licht dimmen oder löschen, da ja eh fast jeder Fahrgast ins Smartphone starrt. Dieser Entscheid bestätigt einmal mehr: je mehr Privatisierung, desto weniger Service und Komfort. Was durch diesen Trend in den USA oder in England gelernt wurde, wird in der Schweiz völlig ignoriert.

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