G20-Finanzminister für Zukunft optimistisch

IWF-FRÜHJAHRSTAGUNG ⋅ Die führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) sehen die Weltwirtschaft insgesamt auf Erholungskurs. "Die Risiken für den globalen Ausblick sind ausgewogener", heisst in einer Erklärung der Finanzminister und Notenbankchefs der G20-Gruppe.

"Wir begrüssen die stärkere ökonomische Aktivität in einigen wichtigen Volkswirtschaften, aber das Wachstum bleibt moderat", heisst es in der Erklärung, die am Freitag in Washington veröffentlicht wurde, weiter.

Die Gruppe bekräftigte am Rande der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank, durch Strukturreformen die Nachfrage und das potenzielle Wachstum in der Welt ankurbeln zu wollen. Dabei sollen gleichzeitig die Schulden in Zaum gehalten werden.

In der Abschlusserklärung nach dem Treffen werden auch aktuelle Gefahren für die globale Konjunktur genannt. Risiken seien etwa grosse Währungsschwankungen, eine langanhaltende geringe Inflation und geopolitische Krisen. Die G20 sprachen sich erneut dagegen aus, die Wechselkurse zu beeinflussen, um die Konjunktur anzukurbeln.

Die Notenbanken rief die Gruppe auf, bei ihrer Geldpolitik Vorsicht walten zu lassen, um Verwerfungen an den Märkten zu vermeiden. Vor allem eine mögliche bevorstehende Zinserhöhung der US-Zentralbank geriet dabei in den Blickpunkt.

"Die Federal Reserve kommuniziert viel besser als früher, was ihre künftige Politik sein könnte", sagte der türkische Wirtschaftsminister Ali Babacan.

Die Griechenland-Krise spielte in der G20-Sitzung laut Babacan keine Rolle. "Griechenland war nicht Teil der offiziellen Agenda", sagte er. Die Türkei hat in diesem Jahr den G20-Vorsitz.

Strittige Wechselkurse

Der für die Exportwirtschaft der Eurozone zuletzt rasant besser gewordene Wechselkurs im Vergleich zum US-Dollar sei bei dem Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs aus aller Welt in Washington bisher kein Thema gewesen. Er erwarte auch nicht, dass es noch zur Sprache komme, sagte der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble.

Die US-Exporteure leiden unter dem starken Dollar, weil ihre Waren im Ausland dadurch deutlich teurer geworden sind und sie weniger absetzen können. Die amerikanische Regierung hat Deutschland bereits mehrmals aufgefordert, durch Investitionen mehr für die heimische Nachfrage zu tun, statt sich zu sehr auf den schwachen Euro zu verlassen.

Grund für die Euro-Schwäche ist auch die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Auch der Franken hat sich in letzter Zeit wieder aufgewertet, die Situation bleibt kritisch insbesondere für Exporteure und den inländischen Tourismus.

Schweizer Delegation pocht auf Reformen

Die Schweizer Delegation mit den Bundesräten Eveline Widmer-Schlumpf und Johann Schneider-Ammann sowie Nationalbank-Präsident Thomas Jordan will bei der IWF-Frühjahrestagung darauf pochen, dass eine anhaltend expansive Geldpolitik den Druck für dringend notwendige Reformen nicht reduzieren dürfe. Denn zunehmend würden auch Fehlentwicklungen auf den Finanzmärkten begünstigt. (sda/dpa/reu/afp)


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