Geteilte Meinungen zur Syngenta-Übernahme

AGRARCHEMIE ⋅ Die Reaktionen auf die Übernahme von Syngenta durch ChemChina fallen geteilt aus: Einerseits gilt der chinesische Staatsbetrieb als seriöser Investor. Andererseits sorgen sich die Gewerkschaften und die Basler Regierung um die Arbeitsplätze.

Das Gerücht bestätigt sich: Die chinesische ChemChina kauft den Basler Agrochemie Syngenta für 43,7 Milliarden Franken. Der Verwaltungsrat von Syngenta empfiehlt den Aktionären einstimmig, das Angebot anzunehmen, wie Syngenta am Mittwoch mitteilte (AWP, 03.02.2016)

Als durchwegs positiv beurteilt Bundespräsident Johann Schneider-Ammann die Übernahme. Er bezeichnet diese als "guten Deal". Die Übernahmefirma sei "grundsolide und strategisch gut aufgestellt", sagte er am Mittwoch vor den Medien. Syngenta hatte am Morgen bekanntgegeben, dass ChemChina das Unternehmen für insgesamt 43 Milliarden Dollar übernehmen will.

Der hohe Preis ist für den Wirtschaftsminister ein gutes Zeichen. Da werde in etwas investiert, was Zukunft haben müsse, stellte er fest. Die Arbeitsplätze hält Schneider-Ammann für gesichert. Das Syngenta-Management habe ihm bestätigt, dass Syngenta grundsätzlich weiterbetrieben werde. Die Arbeitsplätze blieben erhalten.

Skepsis nach Arbeitsplatzabbau bei GE

Misstrauischer zeigen sich die Gewerkschaften Unia und Syna. Als General Motors (GE) um Alstom geworben habe, habe es genauso getönt, schreibt Syna in einer Mitteilung. "Doch was ist von den grossmundig gemachten Versprechungen übriggeblieben?"

Der US-Konzern GE hatte im Januar angekündigt, im Zusammenhang mit der Übernahme von Alstom in der Schweiz etwa 1300 Jobs abzubauen. Umgekehrt werden in Frankreich aber Stellen geschaffen, denn die französische Regierung hatte vor der Fusion entsprechende Zugeständnisse verlangt.

Syna und Unia fordern deshalb, der Erhalt sämtlicher Arbeitsplätze in der Schweiz müsse Vorrang haben. Zwar nimmt auch die Unia in einer Mitteilung befriedigend zur Kenntnis, dass ChemChina offenbar keinen Arbeitsplatzabbau plant. Doch ob dies auch mittelfristig so bleibe, sei nicht sicher. Die Chinesen sollen per sofort ihre längerfristige Strategie bezüglich der Schweizer Standorte offenlegen, verlangt die Unia.

Positive Zeichen von früheren Übernahmen

Tendenziell wird ChemChina aber als die bessere Lösung als eine Übernahme durch den US-Konzern Monsanto beurteilt. Monsanto hatte sich ebenfalls um Syngenta bemüht. Die Angestellten Schweiz weisen in einer Mitteilung darauf hin, dass die bisherige Historie der Übernahmen durch ChemChina im Ausland grundsätzlich zuversichtlich stimme.

Beispiele unter anderem aus Frankreich zeigten, dass man durchaus gewillt sei, in örtliche Strukturen und Arbeitsplätze zu investieren. "Wir erwarten, dass dies in Zukunft auch so bleibt", lässt sich Stefan Studer, Geschäftsführer des Arbeitnehmerverbandes, zitieren. Zudem zeigen sich die Angestellten Schweiz erleichtert, dass das Hickhack um die Zukunft von Syngenta ein Ende habe. Das beruhige auch die Mitarbeitenden.

Auch die Basler Regierung beurteilt die Übernahme durch ChemChina von jenen Möglichkeiten, die sich für Syngenta abgezeichnet haben, als "eine der positiveren". Das sagte Regierungsrat Christoph Brutschin gegenüber Radio SRF. Am liebsten wäre der Basler Regierung aber eine unabhängige Syngenta gewesen, wie Brutschin der Nachrichtenagentur sda sagte. Auch für die Basler Regierung steht der Erhalt der Arbeitsplätze im Vordergrund.

Bei einer Fusion mit dem Konkurrenten Monsanto wäre nach Einschätzung Brutschins aber die Gefahr eines Stellenabbaus viel grösser gewesen. Auch er schätzt ChemChina aufgrund der bisherigen Übernahmen in Europa als langfristigen Investor ein. Zudem erschliesse sich für Syngenta durch die geplante Transaktion China als Absatzmarkt. (sda)


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