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Industrie will genügend Spielraum

INDUSTRIE ⋅ Die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) geht mit der Politik hart ins Gericht. Sie habe für den Werkplatz Schweiz zu wenig getan. Nach der Aufhebung der Euro-Untergrenze erwartet die Industrie nun Unterstützung.

Es brauche weniger Bürokratie und genügend Spielraum. Mit dem 15. Januar 2015 habe eine neue Zeitrechnung begonnen, sagte Swissmem-Präsident Hans Hess an der Jahresmedienkonferenz des Verbands am Mittwoch. An diesem Tag hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro aufgehoben.

Kurzzeitig war ein Euro nach der Aufhebung für weniger als 98 Rappen zu haben und schwankte nachher um die Paritätsgrenze. Für Unternehmen, die ihre Produkte in Europa in Euro verkaufen, ist diese Entwicklung negativ, denn die Umrechnung zum Franken frisst Gewinne weg. Innerhalb weniger Jahre hat der Euro ein Drittel an Wert verloren. "Die Produkte der MEM-Industrie sind dadurch rein währungsbedingt um einen Drittel teurer geworden", sagte Hess.

Planungsunsicherheit

Am Mittwochmorgen kostete der Euro immerhin wieder 1,07 Franken. Optimistisch stimmt das die MEM-Industrie aber nicht. Unternehmen würden wohl in nächster Zeit höchstens mit 1,05 Franken pro Euro kalkulieren.

"Die Schwierigkeit liegt in der Planungsunsicherheit", sagte der Präsident des Branchenverbands. Die SNB habe mit ihrer Rhetorik lange signalisiert, dass sie sich längerfristig gegen die Frankenaufwertung stemmen würde.

Die Kritik geht aber an die Adresse der Politik, die offenbar die Entwicklung habe kommen sehen und nichts für den Werkplatz Schweiz unternommen habe. Einschränkungen, Reglementierungen und Belastungen hätten sogar eher noch zugenommen.

Spielräume nutzen

Unternehmen reagieren auf die neuen Herausforderungen mit bekannten Mitteln: Sie erlassen Einstellungsstopps und überprüfen Investitionsprojekte. Einige erhöhen nun die Arbeitszeit. "Das ist nicht schön, aber auch keine Katastrophe", sagte Swissmem-Präsident.

Der Gesamtarbeitsvertrag GAV ermögliche Spielräume, sagte er an die Adressen der Gewerkschaften. Diese müssten genutzt werden können, denn es gehe um das Überleben der Betriebe. Von Lohnkürzungen oder Lohnzahlungen in Euro rät Hans Hess hingegen ab.

Trotz erneuter Frankenstärke ist die Situation heute gemäss Hess nicht zu vergleichen mit 2011, als die Kursuntergrenze eingeführt wurde. Viele Unternehmen hätten es geschafft, ihre Effizienz zu steigern. Diese Anstrengungen seien nicht verloren. Aber der Kampf beginne von vorne.

Bilaterale Verträge

Swissmem fordert darum die Politik auf, sich für den Werkplatz Schweiz stark zu machen. Vor allem müssten die Bilateralen Verträge mit der EU trotz Umsetzung der SVP-Zuwanderungsinitiative bestehen bleiben. Rund zwei Drittel der MEM-Exporte gehen nach Europa.

Die Schweiz benötige zu diesem Absatzmarkt einen "diskriminierungsfreien Zugang". Die vom Bundesrat in die Vernehmlassung geschickten Vorschläge zur Umsetzung stossen bei Swissmem auf Kritik. Das Kontigentsystem etwa sei zu rigide.

Zudem soll der Bundesrat ein Freihandelsabkommen mit den USA anstreben. Die USA ist mit einem Exportanteil von 11 Prozent der zweitwichtigste Absatzmarkt für die MEM-Industrie und entwickelte sich im vergangenen Jahr dynamischer als andere.

Im vierten Quartal beispielsweise legten die Exporte um mehr als ein Fünftel zu, im Gesamtjahr resultierte ein Plus von 7,8 Prozent. Die Ausfuhren in die EU hingegen stagnierten. Die Umsätze insgesamt wuchsen 2014 nur um 0,3 Prozent.

Für die nächsten 12 Monate sind die Unternehmen wegen der neuen Ausgangslage noch pessimistischer: Fast jeder zweite Betrieb rechnet mit weniger Aufträgen aus dem Ausland. Die negativen Einschätzung haben sich gegenüber dem Herbst damit verdreifacht. Die Stimmung in der Branche bezeichnet Swissmem als besorgt, aber nicht in Panik. (sda)

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