Nationalbank dreht kaum an Zinsschraube

GELDPOLITIK ⋅ Bei ihrer ersten Lagebeurteilung nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurs am heutigen Donnerstag dürfte das Direktorium der Schweizerische Nationalbank (SNB) kaum an der Zinsschraube drehen. Zumindest Ökonomen rechnen nicht mit einer weiteren Verschärfung der Politik.

Zusammen mit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses hatte die SNB am 15. Januar auch eine weitere Senkung des Leitzinses bekannt gegeben. Der Strafzinsen auf Bankguthaben auf den Girokonten der SNB wurde damals von 0,25 Prozent auf 0,75 Prozent erhöht. Ihr Zielband für den Referenzzins Dreimonats-Libor hatte sie damit auf minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent gesetzt.

Dass fast alle Experten der Meinung sind, daran werde die SNB bei ihrem regulären vierteljährlichen geldpolitischen Entscheid nichts ändern, hängt mit der Wirtschaftslage zusammen. Die Auswirkungen des Frankenschocks seien noch zu unklar, argumentieren sie.

Entspannte Lage

Zwar werden die Auswirkungen des stärkeren Frankens mittlerweile nicht mehr ganz so dramatisch ausgemalt wie noch unmittelbar nach dem Entscheid der SNB. Mit einem Euro-Kurs von derzeit knapp 1,06 Fr. hat sich die Lage inzwischen auch etwas entspannt.

Dennoch haben zahlreiche Unternehmen die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter verlängert und damit ihren Kostennachteil im Vergleich zum Ausland etwas abgefedert.

Gleichzeitig sind aber auch die Negativzinsen nicht ganz unproblematisch für die Finanzindustrie. Zahlreiche Banken reichen den Strafzins inzwischen zumindest teilweise an ihre Grosskunden weiter. Betroffen sind dabei etwa auch Pensionskassen. Sie kriegen Probleme, mit ihren Anlagen kurzfristig überhaupt noch Erträge zu erzielen.

Konjunkturforscher rechnen insgesamt denn auch mit einem deutlich schwächeren Wachstum des Bruttoinlandproduktes (BIP) als noch im letzten Jahr. Im einen oder anderen Quartal könnte das BIP sogar schrumpfen, heisst es etwa von Seiten der Ökonomen der Credit Suisse. Die Prognosen der Konjunkturauguren fürs ganze Jahr reichen derzeit von einem BIP-Rückgang bis zu einem Plus von 1,0 Prozent.

Wie die SNB selbst die Lage einschätzt, wird ihre neue Konjunkturprognose zeigen, die sie als Teil ihrer vierteljährlichen geldpolitischen Beurteilung ebenfalls vorlegt.

Erstmals eine Medienkonferenz im Frühling

Zur Erklärung ihres geldpolitischen Entscheids hält die SNB erstmals auch im Frühling eine Medienkonferenz ab. Bisher stellte sich das SNB-Direktorium nur im Juni und Dezember der Medienöffentlichkeit. Seinen Auftritt könnte SNB-Präsident Thomas Jordan denn auch dazu nutzen, zu politischen Fragen Stellung zu beziehen.

Zuletzt ist das SNB-Direktorium nämlich auch unter einigen politischen Druck geraten: So wurde dem Gremium etwa Machtfülle ohne eigentliche politische Kontrolle vorgeworfen. Jordan wurde zudem verschiedentlich aufgefordert, die Entscheide der SNB besser und öfter der Öffentlichkeit zu erklären.

Fed hebt Zinsen frühestens im Juni an

Am Abend vor dem SNB-Entscheid hat die US-Notenbank Fed ihrerseits Signale ausgesandt, dass die Zinswende näher kommt. Die Notenbank will die Rückkehr zur Normalität von einer weiteren Erholung des Arbeitsmarkts abhängig machen. Zugleich will sie einigermassen sicher sein, dass sich die derzeit sehr niedrige Inflation mittelfristig wieder ihrem Zielwert von zwei Prozent annähert.

Konkret strich sie am Mittwoch bei ihrer geldpolitischen Sitzung ein Signalwort, mit dem sie bislang ein "geduldiges" Vorgehen angekündigt hatte. Experten rechnen damit, dass die Fed im Juni oder September das historisch niedrige Zinsniveau von null bis 0,25 Prozent anheben wird und weitere Erhöhungen folgen werden. (sda)


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