Neuer Tunnel durch die Alpen

BAHNVERKEHR ⋅ Ein neuer Schmalspurbahntunnel durch die Grimsel soll in zehn Jahren das Berner Oberland mit dem Wallis verbinden. Diese Idee verfolgen die Kantone Bern und Wallis. Mit an Bord ist auch die Stromnetzbetreiberin Swissgrid.

Diese würde Starkstromleitungen durch den Tunnel ziehen. Das Projekt sei eine "intelligente Bündelung von Infrastrukturen", betonte die Berner Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer am Donnerstag vor den Medien in Bern.

Die Schmalspurbahn soll von Meiringen im Berner Oberland bis nach Oberwald im Wallis führen. Kernstück der Strecke ist ein rund 22 Kilometer langer Tunnel ab Innertkirchen durch die Grimsel, wie die Kantone Bern und Wallis, Swissgrid und die Grimselbahn AG am Donnerstag im Berner Rathaus bekannt gaben.

Ein 22 Kilometer langer Tunnel soll das östliche Berner Oberland mit dem Oberwallis verbinden. Im Tunnel soll ausserdem eine neue Starkstromleitung untergebarcht werden. Im Video wird das Projekt vorgestellt. (EG Grimsel-Tunnel / vb-visual, 04.02.2016)

Synergien nutzen

Die Kantone Bern und Wallis sehen in dem Projekt einen touristischen Nutzen. Die Grimselbahn würde das Schmalspurnetz nördlich und südlich der Alpen verbinden. Das 850 Kilometer lange Streckennetz wäre dann eines der grössten weltweit und würde Tourismusregionen wie Montreux, Interlaken, Luzern, Andermatt und St. Moritz verbinden.

Die Projektverantwortlichen rechnen mit rund 400'000 Passagieren pro Jahr und einer Wertschöpfung für die Region von rund fünf Millionen Franken.

Eggers Walliser Amtskollege, Staatsrat Jean-Michel Cina, sprach am Donnerstag von einem "Leuchtturmprojekt", vergleichbar mit Pionierleistungen wie dem Bau der Jungfraubahn oder der Gornergratbahn.

Die Netzbetreiberin Swissgrid auf der anderen Seite muss bis 2025 ihr Übertragungsnetz ausbauen, um dem steigenden Stromkonsum, dem Anschluss neuer Grosskraftwerke, der Versorgungssicherheit im Land und der angestrebten Energiewende Rechnung zu tragen.

Für Swissgrid ist die Leitung durch die Grimsel ein wichtiges Element in ihren Ausbauplänen. Mit dem Tunnel könnten insgesamt 121 Strommasten und 22 Kilometer Stromleitungen im Grimselgebiet abgebaut werden.

Sowohl die Bahn wie auch die Netzbetreiberin könnten mit dem Tunnel durch die Grimsel ihre Bedürfnisse mit der gleichen Infrastruktur abdecken, betonten die Verantwortlichen. Und dies zu markant tieferen Kosten als bei einem Alleingang, wie die Verantwortlichen betonten.

Eine Machbarkeitsstudie im Auftrag der Kantone Bern, Wallis und Uri sowie weiterer Partner ergab, dass das Projekt realisierbar ist. Der Fels im Grimselgebiet sei durch die zahlreichen Kraftwerksbauten gut erforscht. Die kristallinen Gesteine des Aarmassivs eigneten sich für den Tunnelbau, führte der Verwaltungsratspräsident der Grimselbahn AG, Peter Teuscher, aus.

Konzessionsgesuch in zwei Jahren

2018 wollen die Bahnverantwortlichen ein Konzessionsgesuch beim Bund einreichen. Die Projektierungskosten werden mit rund sechs Millionen Franken veranschlagt. Die Kosten für den Tunnelbau belaufen sich nach einer ersten groben Schätzung auf rund 580 Millionen Franken. Die Finanzierung des Bahntunnels soll über den Bahninfrastrukturfonds (FABI) erfolgen.

Wie die Kantone und Swissgrid die Kosten aufteilen wollen, ist noch nicht bekannt. Die Verantwortlichen betonten jedoch, dass es keine Quersubventionierung zwischen Bahn und Stromnetz geben werde. (sda)


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