Rekord-Rückruf von 34 Millionen Autos

DEFEKTE AIRBAGS ⋅ Defekte Airbags des japanischen Zulieferers Takata haben der amerikanischen Autobranche die grösste Rückrufaktion aller Zeiten eingebrockt. Unter dem Druck der Verkehrsaufsicht veranlasste Takata den Rückruf von insgesamt fast 34 Millionen Autos in den USA.

Das Unternehmen verdopple damit die Anzahl der in die Werkstätten beorderten Fahrzeuge, teilten die US-Behörden am Dienstag mit. Takata räumte demnach erstmals ein, dass die in elf Automarken eingebauten Airbags des Unternehmens fehlerhaft sind.

Von der Rekord-Rückrufaktion in den USA sind laut US-Verkehrsminister Anthony Foxx elf Hersteller betroffen: BMW, Fiat, Chrysler, General Motors, Ford, Mazda, Mitsubishi, Nissan, Subaru, Toyota und vor allem Honda.

Sechs Todesfälle und über 100 Verletzte

"In den USA waren die defekten Airbags unseren Erkenntnissen zufolge für mindestens fünf Todesfälle verantwortlich", sagte Foxx. Hinzu kämen zahlreiche Verletzte. Weltweit werden insgesamt sechs Todesfälle und 105 Verletzte mit den defekten Airbags in Verbindung gebracht.

Honda allein musste weltweit bisher schon 19,6 Millionen Autos zurückrufen, Toyota acht Millionen und Nissan vier Millionen. Betroffen waren auch Autos in der Schweiz. In der Schweiz werden rund 20'700 Toyota-Modelle zurückgerufen, wie eine Sprecherin von Toyota Schweiz in der vergangenen Woche erklärte. Honda ruft in der Schweiz 21'700 Fahrzeuge zurück, wie ein Sprecher am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda erklärte.

Wie viele Autos weltweit insgesamt wegen der defekten Airbags zurückgerufen werden müssen, konnte ein Takata-Sprecher in Tokio am Mittwoch nicht sagen. Das Unternehmen versuche die Zahl in Rücksprache mit den verschiedenen Autoherstellern zu ermitteln.

Feuchtigkeit ist ein Problem

Die Luftkissen können bei Unfällen wegen eines Fehlers im Gasgenerator in Sekundenbruchteilen platzen und durch heisse Metallteile Fahrer und Beifahrer verletzen oder gar töten. Takata erklärt das Problem damit, dass die Leistung einiger Airbag-Gasgeneratoren beeinträchtigt werden könne, wenn die Autos über viele Jahre einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit ausgesetzt seien. Hinzu könnten Herstellungsprobleme kommen.

"Unter bestimmten Umständen können diese Faktoren mit der Zeit dazu führen, dass einige Generatoren zu heftig auslösen, was ein Bersten des Gasgenerator-Gehäuses zur Folge haben kann", teilte der Konzern mit. Takata habe der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA daher vorgeschlagen, zunächst die Generatoren älterer Autos und von Wagen aus Gebieten mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit auszutauschen.

Austausch dauert Jahre

"Dieses Problem muss sofort gelöst werden", forderte Bill Nelson, demokratischer Senator des Bundesstaates Florida, der aus klimatischen Gründen besonders von dem Airbag-Skandal betroffen ist. Den US-Behörden zufolge könnte ein kompletter Austausch der Takata-Airbags allerdings Jahre dauern.

Foxx erklärte, sein Ministerium arbeite unter Hochdruck daran, "die grössten Risiken zuerst" anzugehen und einen Austausch fehlerhafter Geräte sicherzustellen. "Wir werden unsere Arbeit erst beenden, wenn jeder Airbag ersetzt worden ist", fügte er hinzu. Da Takata nun mit der US-Verkehrssicherheitsbehörde zusammenarbeitet, setzten die US-Behörden jetzt eine im Februar angeordnete Geldstrafe von 14'000 Dollar pro Tag aus.

Probleme ignoriert

Takata ist einer der weltweit grössten Airbag-Hersteller. Das Unternehmen hat 36'000 Mitarbeiter und dutzende Standorte in 20 Ländern. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, die Probleme mit seinem Airbag jahrelang ignoriert und dann zu spät gehandelt zu haben.

Der Kurs der Takata-Aktie stürzte am Mittwoch zwischenzeitlich um zwölf Prozent ab. Sie hat seit Anfang 2014 mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren. (sda/afp)


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