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Transocean: Milliardenverlust – Rest des Goodwills abgeschrieben

ÖLFÖRDERUNG/ZUG ⋅ Transocean versucht den Neustart: Der texanisch-schweizerische Ölbohrdienstleister, der sich kürzlich von Konzernchef Steven Newman getrennt hat, nahm zum Jahresende weitere Wertberichtigungen in Milliardenhöhe vor. Der Gesamtverlust 2014 beläuft sich auf 1,91 Milliarden Dollar.

Das hart vom Fall der Ölpreise getroffene Unternehmen weist nun in der Bilanz keine immateriellen Vermögensposten (Goodwill) mehr aus. Zudem fiel das in der Nacht auf Donnerstag publizierte Ergebnis weniger schlecht aus als erwartet. Unter Ausklammerung der unerwartet hohen Sonderbelastungen resultierte laut den Angaben ein Reingewinn von 1,8 Mrd. Dollar.

An der Schweizer Börse legte die Transocean-Aktie anfänglich um bis zu 8,3 Prozent an Wert zu. Am Nachmittag betrug der Kursgewinn aber bloss noch 1,3 Prozent auf 15,58 Franken. 2014 hatte sich der Aktienkurs mehr als halbiert.

In der ersten Jahreshälfte verbuchte Transocean zwar einen Gewinn von fast 1 Mrd. Dollar. Die Verluste im zweiten Semester drückten das Unternehmen aber wieder tief in die roten Zahlen. Transocean leidet darunter, dass Mineralölkonzerne wegen des Ölpreiszerfalls ihre Investitionen in die Erschliessung neuer Vorkommen stark reduziert haben.

Für das vierte Quartal meldete Transocean einen Verlust von 739 Mio. Dollar. Hauptgrund dafür sind erneute Wertberichtigungen von total 1,1 Mrd. Dollar. Abgeschrieben wurde vor allem Goodwill. Für das Gesamtjahr weist Transocean nicht-cash-wirksame Wertberichtigungen auf den Deepwater-Bohrplattformen und auf zum Verkauf bestimmten Vermögenswerten von rund 3,8 Mrd. Dollar aus.

Umsatz fast gehalten

Umsatzmässig hat Transocean 2014 nur wenig gegenüber dem Vorjahr eingebüsst: Die Erlöse erreichten 9,17 Mrd. Dollar ein, nach 9,25 Mrd. Dollar im vergangenen Jahr. Sie übertrafen damit der Erwartungen von Analysten. Auch der Gewinn vor den Abschreibern überraschte positiv. Transocean habe auf den Markteinbruch rasch mit Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen reagiert, sagten Analysten.

Das auf die Ölförderung auf hoher See spezialisierte Unternehmen wird die Folgen des Ölpreiszerfalls aber erst noch zu spüren bekommen, warnten Experten. Für die Aktienkursentwicklung werde der künftige Ölpreis zentral sein. In dieses Bild passe auch die Rückstufung des Schuldnerratings durch Moody's, hiess es. Für die Ratingagentur sind Unternehmensanleihen von Transocean neu «Junk».

Transocean hat den Sitz 2008 in den Kanton Zug verlegt, und die Aktie des Konzerns wird seit 20. April 2010 an der Schweizer Börse gehandelt. Der Titel erreichte knapp 100 Franken, ehe noch am gleichen Tag ein Brand auf der Bohrplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko ausbrach und eine Ölkatastrophe auslöste.

Newman war 1994 zu Transocean gestossen und hatte die Leitung seit April 2010 inne. Zusammen mit seinem Abgang wurde Mitte Monat bereits angekündigt, dass die Dividende von 3 Dollar pro Aktie im Vorjahr auf 0,60 Dollar gestutzt werden soll.

sda

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