Trickreicher Millionenbetrüger verurteilt

KRIMINALITÄT ⋅ Ein Betrüger, der sich als Bankchef oder Firmenboss ausgab und so Millionenbeträge von Unternehmen erschwindelte, ist am Mittwoch von einem Gericht in Paris in Abwesenheit zu sieben Jahren Gefängnis und einer Busse von einer Million Euro verurteilt worden.

Der 49-jährige Gilbert Chikli, der nach Israel geflüchtet ist und per internationalem Haftbefehl gesucht wird, gilt als Erfinder einer ausgeklügelten Betrugsmasche, die vielfach nachgeahmt wurde.

Während des Gerichtsverfahrens hatte eine frühere Direktorin einer Niederlassung der Bank Crédit Lyonnais Chiklis Methode detailliert beschrieben, der sie dazu gebracht hatte, einer völlig fremden Person in der Toilette einer Pariser Bar fast eine Million Euro zu übergeben.

Zunächst erhielt sie einen Anruf von einem Mann, der sich als Vorstandschef der Crédit Lyonnais vorstellte und sie darüber informierte, dass sich demnächst ein Geheimdienstmitarbeiter bei ihr melden würde. Sie solle alles tun, was dieser ihr sage. Der angebliche Agent erklärte ihr dann später, dass er an einem Fall zu Geldwäsche und Terrorismus arbeite und dafür einen Millionenbetrag brauche.

Insgesamt nahm Chikli zusammen mit Komplizen in den Jahren 2005 und 2006 insgesamt 33 Banken und Unternehmen ins Visier, darunter die Beratungsfirma Accenture, die HSBC-Bank, das Rüstungsunternehmen Dassault, den Alstom-Konzern und das Nobel-Kaufhaus Galeries Lafayette. Mit seinem Trick erschwindelte er von führenden Mitarbeitern oder Buchhaltern 60,5 Millionen Euro in bar oder als Überweisung, von denen 52,6 Millionen später sichergestellt werden konnten.

Anerkennung und Isolierung

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft nutzte Chikli Manipulation und Drohung zugleich, um seine sorgfältig ausgewählten Opfer mürbe zu machen. Die Technik habe "Anerkennung: 'Ich habe Sie für diese Mission ausgewählt' - mit Isolierung: 'Erzählen Sie weder Kollegen noch Ihrer Familie davon' - miteinander verknüpft". Die meisten der 52 Angestellten, die betrogen wurden, wurden von den Firmen später gefeuert.

Chiklis Geschichte wird derzeit verfilmt. Er selbst sagte 2010 im Fernsehen, für ihn sei das Ganze ein "Spiel": "Wir nehmen Kontakt zu Unternehmen, Banken auf, geben vor, ihr Vorstandschef zu sein. Und mit einer ziemlich aussergewöhnlichen Redegabe bekommen wir grosse Geldbeträge."

Seine Betrugsmasche wird inzwischen oft nachgeahmt, seit 2010 entstand so in Frankreich laut Staatsanwaltschaft bei 710 Fällen ein Schaden von insgesamt 365 Millionen Euro. Fast 1000 weitere Fälle konnten vereitelt werden. (sda/afp)


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