Zuger Kantonalbank mit soliden Zahlen im Jubiläumsjahr

BANKEN ⋅ In einem sonst guten ersten Halbjahr bleiben die Folgen der Negativzinsen auch der Zuger KB nicht erspart. Alarm schlagen will der Chef nicht. Die Entwicklungen seien erklärbar.
Aktualisiert: 
18.07.2017, 20:00
18. Juli 2017, 09:39

Livio Brandenberg

Bei der Zuger Kantonalbank (ZGKB) tönte es gestern ähnlich wie vor einem Jahr. Man habe ein gutes Resultat erzielt, hiess es anlässlich der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen 2017. In der Tat hat sich die ZGKB, die heuer ihr 125-jähriges Bestehen feiert, in der ersten Jahreshälfte 2017 wacker geschlagen. Der Geschäftsertrag ist um 1,5 Prozent auf 105,9 Millionen Franken gestiegen. Der Halbjahresgewinn blieb mit 31,2 Millionen Franken auf dem gleichen Level wie im Vorjahr (2016: 31,3 Millionen). «Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden, insbesondere mit dem Resultat im indifferenten Geschäft», sagt Pascal Niquille, Präsident der Geschäftsleitung der ZGKB. Zum indifferenten Geschäft zählen die Anlageberatung, Vermögensverwaltung und das Wertschriften- und Handelsgeschäft.

So entwickelte sich der Kommissionsertrag positiv, gegenüber der Vorjahresperiode stieg er um 21,5 Prozent auf 19,4 Millionen. Hier profitierte die ZGKB von der positiven Entwicklung der Aktienmärkte sowie vom wachsenden Vermögensverwaltungsgeschäft. Der Erfolg aus dem Handelsgeschäft lag mit 8,8 Millionen Franken auf den Niveau des Vorjahres.

Zahlreiche Amortisationen

Zu schaffen machen der ZGKB die anhaltend niedrigen Zinsen. «Das Tiefzinsumfeld beschäftigt uns natürlich», sagt Pascal Niquille. Der Ertrag aus dem Zinsengeschäft, dem Kernbusiness des Staatsinstituts, sank deutlich um 7,8 Prozent auf 101,3 Millionen Franken. Trotz tieferem Zinsaufwand fiel der Nettoerfolg aus diesem Geschäft um 4 Prozent auf 74,4 Millionen Franken.

Diese Entwicklung beunruhige ihn allerdings nicht, sagt Geschäftsleitungspräsident Niquille, denn die Gründe dafür seien erklärbar, beispielsweise der Rückgang der Bruttomarge bei Festhypotheken: «Diese wurden vor einigen Jahren noch zu höheren Zinsen abgeschlossen. Wenn auslaufende Hypotheken nun verlängert werden, können unsere Kunden dies zu tieferen Zinsen tun. Dadurch sinkt der Zins- und Diskontertrag der Bank.» Gleichzeitig erhöhte sich dadurch der Anteil der Festhypotheken per Mitte Jahr auf 98,1 Prozent, im Vorjahr waren es 97,6 Prozent. Zusätzlich ergeben sich aufgrund der tiefen Zinsen wenig Anlagealternativen, was dazu führte, dass viele Kunden ihre Hypotheken amortisieren. Die Amortisationen habe man aber durch neue Immobilienkredite kompensieren können, so Niquille.

Auch wenn das Zinsumfeld schwierig bleibt, will der ZGKB-Chef (noch) nicht Alarm schlagen: «Wenn die Zinsen noch zwei, drei Jahre so tief bleiben, dann können wir damit umgehen. Bei zehn Jahren wird es dann aber langsam problematisch.» Ein Problem für alle Banken ist die Weitergabe der Negativzinsen. «Einzelnen Kunden – Privatpersonen und auch Institutionen –, die sehr viel Liquidität bei uns haben, geben wir die Negativzinsen auf individueller Basis weiter», erklärt Niquille. Man spreche natürlich kontinuierlich mit den Kunden. So werde beispielsweise eine Freigrenze festgelegt. «Wird diese überschritten, kostet es.»

«Immobilienmarkt ist in guter Verfassung»

Den Umgang würden die Kunden mit Vertrauen honorieren. Dies zeigt sich im Wachstum der betreuten Depotvermögen: Die ZGKB betreut Depotwerte von über 11 Milliarden Franken. In den letzten zwölf Monaten sind 957 Millionen dazugekommen (+9,3 Prozent). Ein Teil sei Wertzuwachs, «101 Millionen davon sind neue Depotwerte – das ist für eine Bank von unserer Grösse eine sehr gute Zahl», sagt Niquille. Im Hinblick auf die zweite Jahreshälfte ist er überzeugt, dass die ZGKB im Finanzierungsgeschäft weiter wachsen kann: «Unser Wirtschaftsraum erweist sich als gefestigt und attraktiv. Der Immobilienmarkt in der Region ist in guter Verfassung.» Unter Druck bleibe das Zinsengeschäft.

Entscheidend sieht er die Entwicklungen an den Finanzmärkten und Börsen. «Sofern sich die Verhältnisse an den Geld- und Kapitalmärkten nicht wesentlich verändern, erwarten wir ein solides Gesamtresultat im Rahmen des letzten Jahres.» Die ZGKB-Aktie schloss gestern leicht im Minus bei 5475 Franken. Sie legte seit Jahresbeginn jedoch rund 10 Prozent zu.


Leserkommentare

Anzeige: