Der Posten des Ammanns ist heiss begehrt

WAHLEN ⋅ In Bettwil gibt es gleich zwei Anwärter auf das frei werdende Amt des Gemeindeoberhaupts. Gewinnt das langjährige Ratsmitglied oder der Neuling? Das Volk wird in einer Woche entscheiden.
16. September 2017, 04:40

Während man andernorts ein grösseres Angebot an frei werdenden Sitzen hat, als Nachfrage besteht, haben die Wähler in Bettwil am 24. September die Qual der Wahl. Es stellen sich mit dem bisherigen Gemeinderat Kurt Brunner (parteilos) und dem neuen Kandidaten Peter Keusch (SVP) gleich zwei Interessenten für das Amt des Gemeindeammanns zur Verfügung. Insgesamt stehen für die fünf Gemeinderatssitze sieben Kandidaten zur Wahl. Dass jemand direkt für den Posten als Ammann kandidiert, ist eher ungewöhnlich. «Der amtierende Ammann tritt nicht mehr zur Wahl an. Wer etwas ändern will, muss selber aktiv werden und anpacken. Mit den richtigen Leuten an der Seite ist vieles möglich», sagt Keusch dazu. Sein Kollege und Herausforderer Kurt Brunner hat damit kein Problem. «Ich sehe ein politisches Amt nicht als eine persönliche Sache, sondern als eine Sache im Dienst der Allgemeinheit.»

Der 63-jährige Sachbearbeiter Kurt Brunner ist Ortsbürger von Bettwil und seit sechs Jahren Mitglied des Gemeinderats. «Ich möchte die Interessen des ganzen Dorfes vertreten und zusammen mit den bisherigen und neu gewählten Gemeinderatskollegen und -kolleginnen aktiv die Zukunft gestalten», stellt er klar. Brunner rechnet sich gute Chancen aus, die Wahl zu gewinnen. «Ich denke, ich habe eine gute Ausgangsposition, da mich die meisten Einwohner persönlich kennen. Für mich sprechen zudem die sechsjährige Zugehörigkeit zum Gremium und die Erfahrung mit den Behörden in ­Aarau.» Er sei ein Zahlenmensch, sagt Brunner, weshalb er sich am liebsten um die Finanzen kümmere. «Auch das Ortsbürgerressort betreue ich sehr gerne und konnte da bereits einiges bewirken.»

Er hat sich zum Ziel gesetzt, weiterhin auf eine gesunde Entwicklung und ausgeglichene Finanzen in seiner Gemeinde zu achten. «Ich möchte Bettwil als Juwel auf dem Lindenberg mit seiner einmaligen und lebenswerten Umgebung für die nächsten Generationen erhalten.» Obwohl parteilos, sieht er sich als Angehöriger der Mitte. «Ich versuche eine Thematik aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und bin froh, ohne Parteizwang von Fall zu Fall entscheiden zu können.»

Ehrlichkeit und Respekt

«Als Unternehmer und Kenner der Baubranche möchte ich aktiv an der Gestaltung unseres Dorfes mitwirken», sagt der 53-jährige Hafner und Plattenleger Peter Keusch. «Die Kommunikation zwischen Behörden und Einwohnern möchte ich respektvoll und ehrlich führen. Der achtsame Umgang mit Natur und Tieren ist mir ein grosses Anliegen.»

Keusch ist Bürger von Boswil und lebt seit fünf Jahren in Bettwil. «Ich bin zur Kandidatur ermuntert worden und habe viele positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten. Das gibt mir das Gefühl, das Richtige zu tun und im Sinne der Bettwiler zu handeln», erklärt er. «Dank vertiefter praktischer Kenntnisse im Bauwesen wäre ich in diesem Ressort ein sicherer Wert. Grundsätzlich interessieren mich aber alle Belange der Gemeinde.» Politisch sieht sich der SVP-Kandidat Mitte-rechts. «Soziales Engagement ist in der heutigen Zeit unumgänglich, soll aber nicht übertrieben werden», findet er. «Ich unterstütze Hilfe zur Selbsthilfe, denn so behält der betroffene Mensch seine Würde und kann sein Schicksal selbst beeinflussen.»

Im höchstgelegenen Dorf des Aargaus solle man weiterhin sicher und in Frieden die eigene Zukunft möglichst selbst bestimmen können. «Dafür setze ich mich ein», betont Keusch. Offene Kommunikation mit allen Beteiligten ist ihm wichtig. «Leerläufe und zu grosse Bürokratie sollen durch pragmatische und unkomplizierte Lösungen vermieden werden. Die anstehenden Vorhaben betreffend Raumplanung sollten vernünftig und zügig bewältigt werden. Da ist schon viel gute Vorarbeit geleistet worden.» Die Attraktivität des Dorfes will Keusch mit guten ÖV-Verbindungen, mit dem Erhalt des Dorfladens und der Förderung der Kultur aufrechterhalten. «Alle Einwohner sollen stolz auf ihr schönes Dorf sein können und sich darin wohlfühlen.»

Cornelia Bisch

cornelia.bisch@zugerzeitung.ch


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