Diskussion um 16 Wohnwagen

MERENSCHWAND ⋅ Der Aufenthalt von Fahrenden gibt im Dorf erneut zu reden. Derweil zieht sich die Planung eines Durchgangsplatzes in Benzenschwil in die Länge.
24. August 2017, 07:49

Fahrende aus Frankreich haben sich Ende letzter Woche auf dem Hof Weyhölzli in Merenschwand einquartiert. Mit 16 Wohnwagen sei die Gruppe angereist, erzählt Josef Fischer, der den Pferdestall im Südwesten des Dorfes führt. Bereits im Frühjahr hat er Fahrenden einen Platz auf dem Feld vermietet. «Ein Teil der aktuellen Gruppe war damals schon hier. Die Fahrenden haben sich korrekt verhalten, weshalb ich nun wieder eingewilligt habe.»

Der Stallbesitzer ist nicht der Einzige im Dorf, der Fahrende aufnimmt. Auch Landwirt Karl Nietlispach vermietet auf seinem Hof Plätze. Den Aufenthalten steht Fritz Beck, Präsident der SVP Merenschwand-Benzenschwil, kritisch gegenüber. In einem Leserbrief im «Freiämter» schreibt er: «Diese ausländischen Fahrenden konkurrenzieren das einheimische Gewerbe, ohne sich an irgendwelche Auflagen hal­ten zu müssen, so werden zum ­Beispiel Fensterläden im offenen Feld abgelaugt.» Ausserdem müssten heimische Gewerbetreibende Steuern, Mehrwertsteuer und andere Abgaben leisten. «Es stellt sich auch die Frage, ob diese Fahrenden überhaupt ein Gewerbe betreiben dürfen, da sie wohl kaum über Arbeitsbewilligungen verfügen.» Beck störte sich bereits vor zwei Jahren daran, als Fahrende in der Gemeinde Halt machten (wir berichteten).

Die temporären Gäste im Weyhölzli sind auch einer Anwohnerin, die anonym bleiben möchte, aufgefallen. «Da ist ein regelrechtes Städtli entstanden», sagt sie. Es sei stossend, dass die Bevölkerung nicht informiert worden sei. «Ausserdem frage ich mich, wie das mit der Kanalisation wohl funktioniert bei so vielen Leuten», gibt die Merenschwanderin zu bedenken.

Landwirt ist zu Gesprächen bereit

Josef Fischer klärt auf: «Die Gruppe hat Baustellen-WCs aufgestellt, das war eine Bedingung.» Generell stelle er klare Anforderungen an die Mieter. «Halten sie sich nicht daran, mache ich kurzen Prozess.» So habe er bereits Leute weggewiesen, die die Regeln nicht eingehalten hätten. «Sie haben Abfall liegen gelassen und sind zu schnell gefahren», berichtet Fischer. Er sei sich bewusst, dass im Dorf über die Aufenthalte geredet werde und Vertreter der SVP die Besucher auf den Feldern nicht gerne sehen würden. Doch Fischer räumt ein: «Es ist jedem selber überlassen, was er mit seinem Grundstück macht und ob er Arbeit von Fahrenden in Anspruch nehmen will oder nicht.» Bei der Vermietung halte er sich an das Gesetz. «Falls sich jemand vor Ort ein Bild machen möchte, bin ich gerne zu einem Gespräch bereit.»

Wie äussert man sich bei der Gemeinde zum Aufenthalt? Der Merenschwander Gemeindeammann Hannes Küng sagt auf Anfrage nur so viel: «Die Halte finden auf privaten Arealen statt. Solange deren Eigentümer und die Fahrenden sich an die geltenden Gesetze und Vorschriften halten, besteht auf Seiten der Behörden weder Anlass noch Möglichkeit, Massnahmen irgendwelcher Art zu ergreifen.» Die Geschehnisse würden durch die zuständigen Stellen beobachtet.

Vorprüfung durch Kanton dauert an

Dass Fahrende überhaupt auf Bauernhöfen Halt machen, liegt daran, dass ihnen nicht genügend offizielle Durchgangsplätze zur Verfügung stehen. Einen solchen will der Kanton in Benzenschwil auf Merenschwander Gemeindegebiet einrichten. Im Jahr 2013 hat der Grosse Rat die Voraussetzungen dafür geschaffen, indem er den entsprechenden Richtplaneintrag genehmigte. Die Gesamtrevision Nutzungsplanung Siedlung und Kulturland, in welcher der Durchgangsplatz enthalten sei, befinde sich nach wie vor zur Vorprüfung beim Kanton, erläutert Gemeindeschreiber Urs J. Alt. «Das Verfahren zieht sich in die Länge, da es sich um ein sehr umfangreiches Dossier handelt.» Als nächster Schritt folge dann die öffentliche Auflage für Einwendungen, so Alt. Zu einem späteren Zeitpunkt wird schliesslich die Gemeindeversammlung über das Vorhaben entscheiden.

 

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch


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