Ein Programm zum Träumen und Lachen

WOHLEN ⋅ Der Circus Monti tritt mit einer fulminanten Premiere von «Dreambox» seine 32. Tournee an. Nach einer Auszeit stehen auch Johannes und Mario Muntwyler wieder in der Manege.
08. August 2017, 04:38

Sie sind zurück, und wie: Zirkusdirektor Johannes Muntwyler und sein Sohn Mario brillieren im neuen Monti-Programm, unterstützt vom gesamten Artisten­ensemble, mit einer derart rasanten und spektakulären Teller-Jonglage, dass den Zuschauern buchstäblich die Spucke wegbleibt. Man weiss nicht, wohin man ­gucken soll, so viele komische Nebenhandlungen und artistische Einlagen spielen sich gleichzeitig ab. Mario und Johannes Muntwyler versuchen verzweifelt, ein Gästepaar zu bewirten, während sie immer mehr auf Stäben kreisende Teller im Auge behalten müssen und wilde Artis­ten in ihrer vorlauten, unberechenbaren Art dazwischenfunken. Ein Brüller, der sich zu immer neuen Höhepunkten steigert, nach dessen Ende die Zuschauer beinahe erleichtert und etwas erschöpft tosend applaudieren.

Diese temporeiche, lebendige Artistik, die wortlose Verbindung der einzelnen Nummern durch Tanz, Musik, Klamauk und pantomimische Schauspielerei machen das Wesen des Circus ­Monti aus. Mit all den Kunstformen und Ausdrucksarten erzählen die Artisten eine Geschichte, die den roten Faden bildet. Für die äusserst anspruchsvolle, vielseitige und detailreiche Choreografie sowie die Regie sind die beiden Kanadier Marie-Josée Gauthier und Sylvain Lafortune verantwortlich. Sie sind im Circus Monti keine Unbekannten, bereits 2015 leiteten sie die Inszenierung.

Eine Kiste voller artistischer Träume

Diesmal geht es um den jungen Arthur, gespielt vom clownesken Leiterakrobaten Nicolas Provot aus Frankreich, der eine geheimnisvolle Traumkiste findet. Die Betrachtung von deren hell erleuchtetem Inhalt weckt bei seinen Freunden Erstaunen, Freude, Bewunderung, aber auch Begehrlichkeit und Neid. Arthur wird umschwärmt, gefeiert und schliesslich verlassen, bis er sich entschliesst, dem ganzen Wirbel ein Ende zu setzen und als ein­facher junger Mann zu seinen Freunden zurückzukehren. Den fantastischen Inhalt der «Dreambox» stellen die 14 Artisten aus der Schweiz, Frankreich, England, den USA und Kanada mit ihren verblüffenden, teils preisgekrönten Nummern dar, meist mit der wirbelnden Unterstützung des Artistenensembles.

Neben den erwähnten werden spektakuläre Kunststücke in den Disziplinen Russischer Barren, Hand auf Hand, Luftring, Rhönrad, Vertikalseil, Clownerei und clowneske Zauberei geboten. Mario Muntwyler tritt ein zweites Mal mit einer solistischen Keulen-Jonglage auf. Herausragend sind ausserdem der Clown ­Davide Romeo aus Brissago, der mit seiner Figur der ganz frühen Clownerei huldigt, indem er sich gefühlte hundert Mal auf die Rübe hauen lässt oder stolpernd auf die Nase fällt. Dies mit so herzerfrischender Unschuld, naivem Erstaunen und natürlich gänzlich schadlos, dass man ihn sofort ins Herz schliesst. Auch die Schlangenfrau Angela McIlroy-Wagar aus Kanada ist ein Ausnahmetalent. Ihre Beweglichkeit am Luftring nimmt schier unmenschliche Formen an, sodass man den zahlreichen Verknüpfungen ihrer Glieder kaum folgen kann. Was den meisten Darbietungen zu Grunde liegt, ist eine verspielte, humorvolle Nonchalance, welche die Wirkung der atemberaubenden Artistik noch unterstreicht und den Nummern viel Charme verleiht.

Auch das Drumherum muss stimmen

Beim Circus Monti gibt es keine typische Manege, sondern eher eine Bühne mit themenbezogener Kulisse. Diese besteht aus einem zweistöckigen Gerüst, auf dessen oberer Ebene die Musikkapelle spielt, bestückt mit sechs Musikern aus Polen, von denen viele bereits seit Jahren mit dem Monti auf Tournee gehen. Darunter und daneben gibt’s diverse Nischen, die Wohn-, Aufenthalts-, Schlafräume, Verstecke sowie Ein- und Ausgang bilden. Die zauberhafte, eindrücklich bildhafte Musik schrieb einmal mehr Lukas Stäger. Eine Augenweide sind die raffinierten Kostüme von Olivia Grandy, die mit den Farben Schwarz, Weiss, Grau und Rot sowie verspielten Streifen und Karos die Individualität eines jeden einzelnen Künstlers unterstreicht, aber dennoch dem gesamten Ensemble ein einheitliches Erscheinungsbild verleiht.

Cornelia Bisch

cornelia.bisch@zugerzeitung.ch


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