Ein Schulbus, der nicht ständig streikt

PROJEKT ⋅ Im Kinderheim Maison des Anges in Port-au-Prince muss ein geländetauglicher Schulbus angeschafft werden. Spenden aus dem Freiamt sollen dies ermöglichen.
22. November 2017, 04:41

Gut, dass unter den 40 schulpflichtigen Bewohnern des Kinderheims Maison des Anges in Haiti auch ein paar kräftige Jungs sind. Denn nicht selten kommt es vor, dass die beiden klapprigen, hochbetagten Fahrzeuge, welche die Kinder zur Schule bringen sollten, morgens nicht recht auf Touren kommen und kräftig angeschoben werden müssen. Das Kinderheim liegt in Tabarre, einem Aussenbezirk von Port-au-Prince. Die Fahrt zur Schule dauert eine halbe Stunde, wenn alles rundläuft. «Aber oft kommen die Kinder zu spät, weil die beiden Fahrzeuge fast täglich Pannen haben und immer wieder angeschoben werden müssen», berichtet Miranda Bammert-Zahn aus Aettenschwil, Gründerin und Präsidentin des Fördervereins Kinderheim Maison des Anges. Die Reparaturkosten sind hoch, die Fahrzeuge nahezu schrottreif. Diesen Zustand will die engagierte Freiämterin nun ändern. «Wir haben vor Ort recherchiert», erklärt sie. «Ein Kleinbus kostet rund 30000 US-Dollar. Das wäre die richtige Wahl, um die Kinder sicher und zuverlässig zu transportieren.» Dafür sammelt Miranda Bammert-Zahn nun während der Weihnachtszeit Spendengelder. Ziel ist es, den Bus bereits zu Beginn des neuen Jahres in Betrieb zu nehmen.

Ein Schlafsaal für die Jugendlichen

Im vergangenen Sommer wurde bereits ein umfangreiches Spezialprojekt realisiert: Die jugendlichen Bewohner des Heims bauten sich mit Hilfe von Miranda Bammert-Zahn und ihrem Team ihren eigenen Schlafraum mit 20 Betten. Bis dahin mussten sie sich mit einer behelfsmässig ­abgetrennten Ecke im grossen Schlafsaal der 80 Kleinkinder begnügen. «Die Durchmischung beider Geschlechter und unterschiedlicher Altersgruppen im gleichen Schlafsaal führte immer wieder zu Problemen», erklärt Bammert-Zahn. «Mit dem neuen Schlafsaal hat sich die Situation verbessert.» Die knapp kalkulierten Kosten von 20000 Franken für den Ausbau des Raums wurden vollumfänglich durch Spendengelder des Fördervereins gedeckt. Zusammen mit einem kleinen Team überprüfte die Präsidentin im Oktober den Abschluss der Arbeiten vor Ort.

Das Kinderheim Maison des Anges ist mit einer hohen Mauer und Stacheldraht umgeben. Es bietet Schutz und Unterkunft für 120 Kinder. Neben der Umsetzung von Spezialprojekten wie dem Ausbau des Schlafsaals oder dem Bau eines Wasserbrunnens im Sommer 2016 liegt der Fokus des dreijährigen Fördervereins nach wie vor bei der Sicherstellung der Grundversorgung der Kinder. «Nahrung, Medikamente, Schulbesuch, Sicherheit etc. verschlingen jeden Monat 27000 US-Dollar», stellt Bammert-Zahn fest. Dies entspricht einem Betrag von sieben US-Dollar pro Kind und Tag. «In unserer Freizeit sind mein Team und ich jeden Tag ­ehrenamtlich für das Kinderheim im Freiamt unterwegs.» Zwei- bis dreimal pro Jahr besuchen die engagierten Helfer auf eigene Kosten das Kinderheim vor Ort, um die Umsetzung der Projekte zu überprüfen.

Cornelia Bisch

cornelia.bisch@zugerzeitung.ch

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