Grosse Kunst auf kleiner Bühne

MURI ⋅ Die Kleinkunstbühne Cabarena bestreitet ihre 20. Saison mit ganz besonderen Acts. Nächste Woche tritt der Illusionist Alex Porter auf. Die Leiter Ruth und Balz Käppeli erzählen von ihren Erlebnissen.
06. Januar 2018, 08:44

Massimo Rocchi, Ursus und Nadeschkin oder Michael Elsener waren bereits Gäste der Kleinkunstbühne Cabarena in der Aula der Bezirksschule Bachmatten, Muri. Seit 20 Jahren finden hier jährlich zwischen September und März vier Vorstellungen namhafter Künstler der Kleinkunstszene Europas statt. Für die Jubiläumssaison holten die Organisatoren Ruth und Balz Käppeli lauter bekannte und beliebte Stars nach Muri. Am nächsten Montag steht der Zauberkünstler Alex Porter auf der Bühne. Die beiden Clowns Ueli Bichsel und Silvana Gargiulo schliessen die Saison am 12. März ab. Bereits zwei ausverkaufte Abende fanden mit den Unterhaltungsensembles Bliss und MozART group statt. «Künstler wie diese entsprechen sonst eigentlich nicht unserem Budget», gesteht Ruth Käppeli. «Sie sind unglaublich gut und sehr beliebt.» Der Saisonstart fand im Rahmen der Murikultur-Tage statt.

Bereits ein Jahr im Voraus wählen die beiden Organisatoren die Künstler aus. «Oft müssen wir sie mit langen Gesprächen und viel Geschick für unser kleines Dorf gewinnen, denn viele von ihnen könnten vor viel grösserem Publikum spielen», erzählt Balz Käppeli. Die Aula bietet lediglich Platz für 230 Sitzplätze. Trotzdem stellt sie mit ihren mehrstufigen Sitzplatzreihen ein ideales Kleintheater mit Atmosphäre dar.

Rekrutierung über verschiedene Kanäle

Um sich auf dem Laufenden zu halten, besucht das Ehepaar Käppeli jeweils das Arosa Humorfestival, die Künstlerbörse Freiburg im Breisgau sowie die Vorstellungen anderer Kleintheater. «Es ist uns sehr wichtig, das volle Programm vor Vertragsabschluss gesehen zu haben.» Finanziell unterstützt wird die Kleinkunstbühne durch die Stiftung Murikultur. «Mittlerweile wird jedoch der Grossteil der Kosten durch die Besucher gedeckt respektive durch unsere Abonnenten, welche die Beträge für alle vier Vorstellungen vor Saisonbeginn einzahlen und sich auf diese Weise einen Platz sichern», stellt Ruth Käppeli fest.

Das Cabarena entstand aus der Tradition des Vereins ehemaliger Bezirksschüler unter der Leitung von Hans-Peter Strebel, für die Schüler und ihre Eltern einmal jährlich einen kulturellen Anlass zu organisieren. Später entwickelte es sich zu einem selbstständigen Zweig innerhalb der Kulturstiftung Murikultur, welcher der gesamten Bevölkerung offensteht. «Seit dem Start waren die Vorstellungen praktisch immer ausverkauft.»

Unterkunft im Hotel Käppeli

Ruth und Balz Käppeli leiten die Kleinkunstbühne seit fünf Jahren. «Bis auf weiteres bleiben wir mit vollem Elan dabei.» Die beiden engagieren die Künstler nicht nur, sondern betreuen, bekochen und beherbergen sie teilweise auch, was im Allgemeinen sehr geschätzt wird. «Viele Künstler sind privat auch sehr humorvoll. Oft kommt es bei uns zu Hause zu ernsten, sehr persönlichen und interessanten Gesprächen», erzählt Balz Käppeli. Auf der Liegeschaukel werden Texte gelernt, auf dem Trampolin im Garten artistische Kunststücke präsentiert, beim Essen Erlebnisse ausgetauscht. «Einige sind sehr nervös vor ihrem Auftritt, andere fragen nach aktuellen lokalpolitischen Themen und bauen diese spontan ins Programm ein.» Nur einmal kam es vor, dass sich ein Künstler eine andere Unterkunft suchte, weil das Hotel in Muri seinen Ansprüchen nicht entsprach.

«Es ist für uns eine Ehre, die Künstler in unserem Haus zu verwöhnen und mit ihnen Zeit zu verbringen», betont Ruth Käppeli. «Auch unsere drei Kinder finden die Mahlzeiten mit den lustigen Gästen sehr unterhaltsam.» Zu einigen von ihnen ist ein freundschaftliches Verhältnis geblieben. «Das bereichert unser Leben sehr und motiviert uns, weiterzumachen.» Der Aufwand der beiden Leiter ist beträchtlich. «Wir arbeiten ungefähr einen Tag pro Woche ehrenamtlich fürs Cabarena», so Balz Käppeli. Er und seine Frau werden unterstützt von einem grossen, ebenfalls ehrenamtlichen Helferteam sowie vor allem administrativ von den Angestellten der Stiftung Murikultur. «Manche der Helfer sind seit Anbeginn dabei.»

Cornelia Bisch

cornelia.bisch@zugerzeitung.ch

Hinweis

Programm, Infos und Tickets unter www.cabarena.ch


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