Jetzt überwacht eine Kamera das Geschehen

MERENSCHWAND ⋅ Um Fehlverhalten seitens der Benutzer rechtlich ahnden zu können, hat die Bauverwaltung die Videoüberwachung der Kadaversammelstelle legalisieren lassen. Ab Januar werden Vergehen polizeilich angezeigt und gebüsst.
14. Dezember 2017, 04:39

Was die Betreuer der Kadaversammelstelle Merenschwand bei ihren Kontrollen manchmal vorfinden, ist unbeschreiblich. «Es kommt vor, dass schwerverletzte, aber noch lebende Tiere in den Containern liegen», berichtet der stellvertretende Bauverwalter Anton Grob. Auch grosse Tiere, die vor Ort zerstückelt wurden, damit die Einzelteile in die Container passen, hat er schon angetroffen. «Bei der Hühnerzucht werden die männlichen Tiere vergast, weil man sie nicht brauchen kann. Immer wieder finden wir Küken vor, die überlebt haben.» Solche Bilder gehen den Mitarbeitern der Kadaversammelstelle Merenschwand sehr nahe.

«Das ist kein schöner Job», sagt Grob. «Manche Bauern haben keinen Bezug zu ihren Tieren. Sie betrachten sie nur als Ware.» Allerdings, räumt der Bauverwalter ein, hat es im letzten Jahr keine solch krassen Vorfälle mehr gegeben. Die Situation hat sich insgesamt verbessert. Jedoch kommt es immer wieder vor, dass das Eingangstor bei der Anlieferung toter Tiere beschädigt wird. «Wenn man die beiden Flügel des Tors nicht ordentlich arretiert, bewegen sie sich im Wind und werden so manchmal von den Traktoren beschädigt.» Solche Kollisionen verursachen schnell mal Kosten von zwei- bis dreitausend Franken.

Legalisierung dauerte vier Jahre

Aus diesen Gründen hat die Bauverwaltung Merenschwand schon vor zehn Jahren beschlossen, Kameras zu installieren, um das Fehlverhalten der Benutzer zu ahnden. Da jedoch eine gesetzliche Grundlage dafür fehlte, blieb es bisher lediglich bei Ermahnungen. Es dauerte vier Jahre, bis die Legalisierung beim Kanton erwirkt werden konnte. «Der Grund dafür war, dass die Besitzverhältnisse etwas kompliziert sind. Einen solchen Fall hatte man in Aarau bisher noch nicht», erklärt Grob. Grundeigentümer ist der Abwasserverband Reuss-Schachen mit den Gemeinden Merenschwand/Benzenschwil, Aristau und Beinwil. Das Gebäude der Kadaversammelstelle wurde zeitgleich mit der ARA vor 32 Jahren im Baurecht erstellt. «Der Sammelstelle sind neben Merenschwand auch die Gemeinden Aristau, Auw, Beinwil, Mühlau und Sins angeschlossen. Es handelt sich um die grösste Stelle im Kanton Aargau», so Grob. Besitzerin des Gebäudes ist die Gemeinde Merenschwand. Sie ist auch für den Unterhalt verantwortlich. Betreut wird die Sammelstelle jedoch von den Angestellten der ARA.

Mit Hilfe eines Rechtsbeistandes wurde die Legalisierung schliesslich erwirkt, was erhebliche Kosten verursachte. «Nun aber ist es durch. Benutzer der Sammelstelle, die sich ab Januar 2018 nicht an die Regeln halten, werden bei der Polizei angezeigt und gebüsst. Ausserdem werden ihnen die Kosten für Reparaturen in Rechnung gestellt», betont Grob. Sobald die Angestellten einen Missbrauch feststellen, sichten sie die Bilder der Kamera und stellen diese für die Beweisaufnahme sicher.

Keine Särge oder Säcke

Anton Grob berichtet auch von einer anderen, der besonders menschlichen Seite, die hin und wieder sichtbar wird. «Manche Tiere werden in Jutesäcken oder sogar in kleinen Särgen gebracht.» Das zeugt von grosser Tierliebe. «Leider ist auch das nicht regelkonform», erklärt der Fachmann. «Man muss die Tiere unverhüllt in die Container legen.» Grosse, schwere Tiere können mittels eines Krans hochgehoben werden. Ebenfalls stehen Putzutensilien, ein Waschtisch und ein Schlauch zur Reinigung des Vorplatzes beziehungsweise der benützten Werkzeuge zur Verfügung. «Wir haben es auch schon erlebt, dass jemand extra hergekommen ist, um mit den praktischen Gerätschaften sein Auto zu waschen», erzählt Grob. Das hingegen ist wiederum eine zwar vergleichsweise harmlose, aber ebenfalls nicht geduldete Zweckentfremdung der Einrichtung.

Die Kadaversammelstelle Merenschwand ist sieben Tage die Woche rund um die Uhr geöffnet. Einmal wöchentlich, jeweils mittwochs, werden die Kadaver aus dem Kühlraum geholt, in einen Lastwagen geladen und in die Tierverwertungsanlage transportiert. Dieses Jahr wurden gegen 200 000 Kilogramm Kadaver über die Sammelstelle Merenschwand entsorgt. Die Kosten für den Betrieb werden von den angeschlossenen Gemeinden anteilsmässig übernommen.

 

Cornelia Bisch

cornelia.bisch@zugerzeitung.ch


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