Lebensdauer von fünf Brücken im Freiamt soll verlängert werden

BAUPROJEKTE ⋅ Zwischen Mühlau und Oberrüti stehen bis zirka ins Jahr 2020 mehrere Brückensanierungen an. Eine der betroffenen Strassenüberführungen ist laut SBB in einem alarmierenden Zustand.
02. Dezember 2017, 07:46

Die Freiamtlinie 653 hat insbesondere für den Güterverkehr höchste Priorität und stellt einen Teil der Nord-Süd-Achse vom Rangierbahnhof Basel durch den Gotthard nach Italien sicher. Gebaut wurde die Strecke bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts durch die damalige «Aargauische Südbahn» als einspurige Verbindung zwischen Lenzburg und Rotkreuz. Der Ausbau auf Doppelspur erfolgte nach dem Bau der Heiterberglinie Ende des letzten Jahrhunderts.

Im oberen Freiamt zwischen Mühlau und Rotkreuz müssen nun fünf Brückenobjekte saniert werden, was eine Inspektion der SBB ergab. Es handelt sich dabei um Erneuerungs- und Instandsetzungsarbeiten an der Strassenüberführung Mühlau, dem Durchlass Sinserbach, der Wegunterführung Scheckenbach, der Beuggerbrücke sowie der Strassenunterführung mit Hochwasserentlastung. Bis 12. Dezember liegen die Projektunterlagen auf den Gemeindekanzleien Mühlau und Oberrüti sowie dem Bauamt Sins auf. Sollten keine Einsprachen erfolgen, ist der Baustart im Sommer 2019 vorgesehen. Abgeschlossen werden die Arbeiten im Umfang von rund 7 Millionen Franken bis zum Jahr 2020.

Natursteine verwittert, Bachsohle unterspült

Ziel der geplanten Massnahmen ist die Wiederherstellung der Bauwerke und damit verbunden die Verlängerung der Lebensdauer der gesamten Anlage um weitere 50 bis 100 Jahre. «Die konzentrierte, gemeinsame Projektierung und Ausführung wird die betrieblichen Einschränkungen auf ein Minimum reduzieren», heisst es im Bericht der SBB. Ausserdem erhoffen sich die Bundesbahnen Synergieeffekte in der Planung und Ausführung. Umfangreichstes Teilprojekt stellt die Strassenüberführung Mühlau dar. «Die Brücke befindet sich in einem alarmierenden Zustand», wird im Bericht festgehalten. «Die Natursteine ­weisen grossflächige Verwit­terungserscheinungen auf, die bestehende Bachsohle ist teilweise unterspült.» Aufgrund der fortgeschrittenen Schädigung bestehe für die Brückenplatte keine ausreichende Tragfähigkeit mehr. Sie wird durch eine Stahlbetonplatte ersetzt, die als ganzes Element hergestellt und eingehoben wird. Die Perronzugänge bleiben analog zur heutigen Situation in Form zweier Treppen­abgänge bestehen. Sie werden ­jedoch der erhöhten Lage angepasst. Zur Überquerung der Gleise wird während des Umbaus eine provisorische Passerelle mit Treppentürmen erstellt. Während des Abbruchs der bestehenden Brückenplatte sowie der Ausführung sämtlicher Hebearbeiten ist die Durchfahrt gesperrt.

Zugang über den Krähenbühlweg

Der Bau eines behindertengerechten Zugangs zum bergseitigen Perron wurde im Rahmen einer Studie geprüft, ist jedoch nicht Bestandteil des Projekts. «Möglich wäre der Bau einer Rampe», wird im Bericht informiert. Der dafür erforderliche Aufwand wurde jedoch als unverhältnismässig beurteilt. Eine weitere Variante wäre der Zugang über den Krähenbühlweg. «Die SBB haben uns zugesagt, über diesen Weg ein rollstuhlgängiges Provisorium zum bergseitigen Perron zu erstellen», berichtet Gemeindeammann Martin Heller. «Diese Variante würden wir auch als Endlösung begrüssen.» Die SBB hätten der Gemeinde in Aussicht gestellt, nach Abschluss der Sanierungsarbeiten das Provisorium so lange stehen zu lassen, bis eine definitive Lösung realisiert werde. «Wir hoffen, dass dieser Vorschlag so umgesetzt wird.»

Die übrigen Bauten saniert man unter anderem mit Stahlbetonkonstruktionen sowie teil­weise neuen Brückenplatten. Der Sinserbach wird während der Bauarbeiten in Rohren geführt. Aus Platzgründen verbreitert man die Zufahrt zum Installationsplatz. Bei der Beuggerbrücke wird der Bachlauf in einen provisorischen Graben geleitet, der nach Erstellung abgedeckt wird. Dadurch ist die Nutzung als Landwirtschaftsweg minimal beeinträchtigt.

«Wir haben im Vorfeld der Projektierung Kontakte zwischen den betroffenen Grundstückseigentümern und den SBB hergestellt», erklärt Devid Abächerli, Bereichsleiter Tiefbau des Bauamts Sins. Es müssen vor allem Zufahrten über diverse Parzellen sowie Installationsplätze geschaffen werden.

Cornelia Bisch

cornelia.bisch@zugerzeitung.ch


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