Murianer sind zufrieden mit dem Status quo

ORTSENTWICKLUNG ⋅ Die Gemeinde hat zur «Denkwerkstatt» geladen. Ziel war es, Inputs für das neue Leitbild zu sammeln. Es zeigt sich: Die Einwohner wünschen sich eine dörfliche Entwicklung.
12. September 2017, 04:39

Wohin soll die Gemeinde Muri steuern? Soll sich das Dorf in näherer Zukunft in eine moderne, urbane Stadt mit einem aktiven Nachtleben und vielen Einkaufsmöglichkeiten entwickeln, oder sollen die beschaulichen, dörflichen Strukturen erhalten bleiben, wo man einen beim Traditionsbäcker mit Namen kennt und zusammen mit dem Fleisch auch noch entsprechende Kochtipps erhält? Darüber und über viele weitere Themen haben sich die Murianer am vergangenen Samstag Gedanken gemacht. Der Gemeinderat hat im Rahmen eines Begegnungstags zur «Denkwerkstatt» eingeladen. Hintergrund dafür ist ein neues Leitbild für die Gemeinde.

An vorderster Front dabei war Gemeindepräsident Hans-Peter Budmiger. «Die Interessierten, die der Einladung gefolgt sind, haben sehr aktiv mitgemacht», freut er sich. Einen Wermutstropfen gibt es trotzdem: Nur rund 40 Einwohner fanden den Weg in die Turnhalle Rösslimatt. «Ein paar Teilnehmer mehr wären schon schön gewesen», sagt er. Denn er ist davon überzeugt, dass es wichtig ist, die Bevölkerung in einen solchen Prozess einzubinden. «Ich habe von vielen gehört, dass das sehr geschätzt wird, aber nicht alle hatten halt Zeit.»

Eine urbane Entwicklung ist nicht erwünscht

Der Austausch sei trotzdem sehr spannend gewesen, so Budmiger. «Es ist immer interessant, herauszuarbeiten, was die grössten Anliegen sind.» So wurde etwa deutlich, dass die Murianer nicht in einer Stadt, sondern weiterhin in einem Dorf leben möchten. «Da geht es um mehr als die absolute Zahl von 10 000 Einwohnern, die eine Stadt markiert», führt der Gemeindepräsident aus und ergänzt: «Eine Rolle spielt das Gefühl der Anonymität, eine urbane Erscheinung und die Verdichtung, was Bauprojekte angeht.» Auch Begleiterscheinungen wie etwa weniger Grünflächen oder mehr Verkehr wurden angesprochen. Momentan zählt das Dorf rund 7800 Einwohner. «Die wichtige Stossrichtung für uns ist folglich, dass das Wachstum nicht beschleunigt werden soll.» Genauso deutlich habe sich während der Diskussion herauskristallisiert, dass die Gemeinde die Durchmischung behalten soll. «Wir wollen ein Muri für alle», sagt Budmiger dazu. «Das bedeutet, dass das Dorf offen für alle ­Altersgruppen, für alle Interessengruppen und für alle Einkommensschichten sein soll.» Seine eigenen Wünsche für die Zukunft des Dorfes decken sich mit jenen aus dem Plenum. «Zudem lege ich viel Wert auf den Langsamverkehr.» Dieser könnte ausgebaut werden. Zusammenfassend bedeutet das, dass Muri möglichst das Muri bleiben soll, das es ist. «Es hat mich nicht überrascht, dass die neuen Ideen sich nicht total vom bestehenden Zustand unterscheiden, aber es gab wertvolle Hinweise», so Budmiger.

Nun liegt es an der Arbeitsgruppe – fünfzehn Personen, bestehend aus Gemeinderat, Kader der Gemeindeverwaltung und Delegationen der Ortsparteien –, die Hinweise in das neue Leitbild einzuarbeiten. Mitte Dezember ziehen sie sich dafür in eine zweitägige Klausur zurück. «Die Zusammenarbeit mit den lokalen Parteien ist uns sehr wichtig», erklärt der Gemeindepräsident. Das Projekt, das Ende Jahr abgeschlossen werden soll, bedinge einen besonderen zeitlichen ­Effort. «An der Bereitschaft der Teilnehmer erkennt man, wie wichtig es ist, viele verschiedene Interessenvertreter ins Boot zu holen.» Das Leitbild wird anschliessend vom Gemeinderat verabschiedet und das bestehende, 15 Jahre alte, ablösen. Vom Strategiepapier werden dann die neuen Legislatur- und Jahresziele des Gemeinderates und der Verwaltung abgeleitet. Es soll der Bevölkerung zugänglich sein und als Infobroschüre erscheinen.

Carmen Rogenmoser

carmen.rogenmoser@zugerzeitung.ch


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