Krippenlandschaft im Alterswohnhaus: Selbst ein Bächlein darf nicht fehlen

SINS ⋅ Alice Villiger und Pamela Riniker stellen jedes Jahr eine prächtige Krippenlandschaft im Alterswohnhaus des Zentrums Aettenbühl auf. Bis Ende Januar werden laufend neue Szenen gezeigt.
09. Dezember 2017, 08:03

Cornelia Bisch

cornelia.bisch@zugerzeitung.ch

Vorsichtig stellt die 85-jährige ­Alice Villiger die Figuren von Maria und Josef auf den frisch gepflückten Moosteppich. Noch sind sie auf dem Weg nach Betlehem. Aus dem Stall, in dem sie dereinst ruhen werden, erwidern heute lediglich zwei Ochsen treuherzig den Blick des Betrachters. Die Wald- und Wiesenlandschaft, durch die sogar ein kleiner Bach plätschert, bevölkern Hirten, Schafe, Esel und Waldtiere. Reizvolle Requisiten wie Holzbeigen, Feuerstellen, Vogelnester, schöne Tannzapfen, Pilze und vieles mehr entdeckt man erst auf den zweiten Blick. Frische, mit einer Lichterkette beleuchtete Tannenzweige bilden den Hintergrund, und knorriges Wurzelwerk stellt Unterschlupfe und einfache Gebäude dar. Die Schwarzenberger Krippenfiguren hat Alice Villiger vor vielen Jahren selbst hergestellt, ihre feinen Kleider eigenhändig genäht. «Die Wurzeln habe ich mit einem Handkarren und einer Harke im Wald geholt, während tiefer Schnee lag», erinnert sich die rüstige Pensionärin. Auch dies ist viele Jahre her.

Das helle Treppenhaus des Aettenbühl-Anbaus mit den luftigen Galerien und behaglichen Nischen ist wie geschaffen für die mehrere Quadratmeter grosse Krippenlandschaft, die Alice Villiger und ihre Freundin Pamela Riniker jeweils zu Beginn des Advents in stundenlanger, liebevoller Kleinarbeit aufstellen und fantasievoll einrichten. Jedes Jahr kommen ein paar neue Figuren hinzu. Eine kleine Katze und eine Maus sind es diesmal. Alice Villiger legt die winzigen Figuren auf eine Holzbeige. «Meine Enkelkinder haben mir für Weihnachten selbst geschnitzte Tiere versprochen, eine Ziege und ein Kälblein», freut sich die fünf­fache Mutter und vierzehnfache Grossmutter. Sohn Josef lagert den leicht geneigten Unterbau der Landschaft auf seinem Hof in Reussegg und bringt ihn jedes Jahr rechtzeitig wieder her. Sohn Martin steuert die frischen Äste bei. «Ja, und dann trinken wir alle einen zusammen», wirft Nachbar Josef Stutz ein, der gerade um die Ecke kommt und das vollendete Werk bewundert. Er sponsert jeweils den Umtrunk für die Helfer.

Von Vollendung kann zwar eigentlich nicht die Rede sein. «Fast täglich verändern wir nun einige Kleinigkeiten», stellt Alice Villiger klar. Neue Figuren, zum Beispiel jene von Mutter und Kind oder die eines Mädchens in rotem Rock mit grossem, braunem Schultertuch, kommen hinzu. «Auch wir trugen als Kinder im Winter solche Tücher, da gab es noch keine gefütterten Windjacken», erinnert sich die ehemalige Bäuerin. Das kleine Mädchen könnte sie selbst in ihrer Jugend darstellen.

Das Christkind erscheint erst an Heiligabend

Minutiös wird die Geschichte der Heiligen Familie nachgestellt, ihre beschwerliche Reise, die Ankunft im Stall, der Stern, der den Hirten und Königen den Weg weist, und schliesslich die Geburt des kleinen, goldgelockten Jesuskindes, das natürlich erst an Heiligabend in die Krippe gelegt wird. Die Heiligen Drei Könige befinden sich bereits auf der Reise. Sie sind nebenan auf einer eigenen kleinen Konsole ausgestellt, drei prächtig gewandete und gekrönte Figuren mit ihren schillernden Schätzen sowie einem originellen Kamel samt eigenem Kameltreiber. «Nach Weihnachten stellen wir sie dann vor die Krippe», sagt Alice Villiger. Die Landschaft wird bis Ende Januar stehen bleiben.

Seit rund 20 Jahren ist der Aufbau der Krippe Alice Villigers grosse Leidenschaft. «Früher räumte meine Schwiegermutter jeweils fast die ganze Stube aus, damit sie Platz dafür fand», erzählt Schwiegertochter Edith Villiger. Die Idee dazu entstand ganz allmählich während einer schweren Trauerphase, die der Bäuerin lange Zeit den Schlaf raubte. «Irgendwie geisterte die Vorstellung einer richtigen Flusslandschaft in meinem Kopf herum und wurde immer klarer», erzählt sie. Sie bat ihren Sohn Josef um den Bau einer Grundlage dafür, und bereits im darauffolgenden Advent konnte sie erstmals zur Tat schreiten. Die ältere Dame ist fasziniert von Krippen aller Art. «Ich bin früher oft weit gefahren, um mir schöne Krippen anzusehen», erzählt sie. Und heute freut es sie, wenn viele Besucher herkommen und ihre eigene Ausstellung bewundern. Für Besichtigungen dürfen Interessierte bei Alice ­Villiger klingeln.


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