Die bekannte Metzgerei Balmer schliesst

ABTWIL ⋅ Die weit herum bekannte Metzgerei Balmer schliesst per Ende September mangels geeigneter Nachfolge. Die Besitzer Pius und Ruth Balmer lassen sich nach 36 Jahren Geschäftstätigkeit frühpensionieren.
13. September 2017, 07:12

Die Türklingel der Metzgerei Balmer in Abtwil schellt auch am frühen Nachmittag eines gewöhnlichen Werktags in einem fort, und das Ladenpersonal hat alle Hände voll zu tun, die Wünsche der zahlreich hereinströmenden Kunden zu erfüllen. Das Angebot ist vielfältig, der Ruf der Metzgerei ausgezeichnet. «Wir haben Kunden aus der Region, aber auch aus den Nachbarkantonen», erzählt Ruth Balmer.

Der Geschäftsgang im Laden hat in den vergangenen zehn Jahren stark zugenommen. An Samstagen betreten rund 200 Kunden das geschmackvoll dekorierte Geschäft, an Werktagen 80 bis 100, in der Vorweihnachtszeit bis zu 600. Hochgerechnet ergibt das die gigantische Zahl von fast 33000 Kunden pro Jahr. «Nach all den negativen Schlagzeilen ist der Fleischkauf zur Vertrauenssache geworden», ist Pius Balmer überzeugt. Als einer der wenigen seiner Gilde schlachtet er noch selbst. Auch profitiert das Geschäft in Abtwil vom Umstand, dass in vielen Gemeinden des grenznahen Kantons Luzern keine Metzgereien mehr betrieben werden. Sehr zum Kummer seiner Kundschaft wird auch das Ehepaar Balmer Ende September seine Ladentür für immer schliessen. Die beiden 61-Jährigen lassen sich frühpensionieren und frönen künftig ihren lange vernachlässigten Hobbys, dem Kochen, Turnen und der Jagd. «Wir hören oft bedauernde Worte, stossen aber auch auf viel Verständnis.» Denn die beiden betreiben ihr Unternehmen seit 36 Jahren mit Leidenschaft und grossem Einsatz. Trotz intensiver Bemühungen fanden sie keine geeigneten Nachfolger. «Das Hauptproblem ist wohl, dass die selbstständige Geschäftstätigkeit an Stellenwert verloren hat», mutmasst Pius Balmer. «Früher ist man stolz darauf gewesen, heute sind Freizeit und Sicherheit wichtiger.» Das Restaurant im selben Gebäudekomplex, das seit 17 Jahren vom Wirtepaar Nicole und Kurt Mieschbühler geführt wird, setzt seinen Betrieb fort.

Junge, risikobereite Unternehmer

Erst 26 Jahre alt waren Ruth und Pius Balmer, als sie 1982 den Betrieb von Vater August Balmer und dessen Bruder Alois übernahmen, die ausser einem Lehrling keinerlei Angestellte beschäftigten. In den Händen der Familie ist die Metzgerei bereits seit dem 17. Jahrhundert, als sich die Balmers aus dem luzernischen Schüpfheim in Abtwil niedergelassen hatten. Mit der Schliessung geht also auch eine jahrhundertealte Familientradition zu Ende. «Für mich war immer klar, dass ich ein eigenes Geschäft führen wollte», sagt der Unternehmer. Seine Frau erlernte den Beruf des Kochs, was sich vor allem beim Aufbau des Partyservice als Segen erwies. «Anfangs führten wir auch noch das Restaurant weiter, übergaben es aber nach kurzer Zeit einem Pächter.» Das junge Ehepaar konzentrierte sich auf den Ausbau der Metzgerei mit Liefer- und Partyservice. «Am Anfang war es hart, wir riskierten viel. Partyservice gab es damals kaum, doch schon nach kurzer Zeit wurde unser Angebot sehr geschätzt», erzählt Ruth Balmer. Sie erinnert sich noch an Zeiten, in denen sie mit dem Korb am Arm der Kundschaft die hausgemachten Produkte an die Tür brachte. Oft musste nach Ladenschluss noch an Restaurants und Private geliefert werden. Als der gute Ruf desgeschäftstüchtigen Paars die Runde machte, gingen immer mehr Aufträge ein. «Manchmal mussten wir zwei oder drei Kunden abweisen, die alle gleichzeitig unseren Partyservice buchen wollten.» Aus diesem Grund sucht man auch vergebens nach einem Auftritt im Netz. «Eine Homepage einzurichten war einfach nicht nötig. Die Mund-zu-Mund-Propaganda funktionierte bestens», sagt die jugendlich wirkende Geschäftsfrau lachend.

Heute beschäftigen die beiden Unternehmer 25 Angestellte mit insgesamt 20 Vollpensen. Die Fachleute der Metzgerei Balmer stellen zahlreiche Produkte wie Wurstwaren oder Trockenfleischspezialitäten selber her, was allgemein sehr geschätzt wird. «Wir pflegen gute Kontakte zur Kundschaft, und auch das Angestelltenteam ist wie eine Familie», stellt Ruth Balmer fest. «Wir haben viel Schönes erlebt und wertvolle Beziehungen aufgebaut. Nun freuen wir uns darauf, diese auch zu pflegen.»

 

Cornelia Bisch

cornelia.bisch@zugerzeitung.ch


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