Wird die S42 langsam abgeschafft?

FREIAMT ⋅ Grossrat Herbert Strebel will, dass Züge nicht nur durch die Region fahren, sondern dort auch Halt machen. Das betrifft vor allem die direkte Verbindung nach Zürich.
11. Oktober 2017, 08:06

Mit der S42 wird Muri direkt mit Zürich verbunden. In 50 Minuten ist man am Ziel, ohne Umsteigen. Dies aufgrund der Bestrebung, bessere Anschlüsse und direktere Verbindungen ins Wirtschaftszentrum Zürich zu schaffen. Eine erfreuliche Entwicklung für das Freiamt. Die Freude hat jedoch nicht lange angehalten. Laut SBB soll die Haltestelle Mellingen-Heitersberg von der S42 mit dem Fahrplanwechsel 2018 nicht mehr angefahren werden. Eine Entwicklung, die besonders Herbert Strebel, CVP-Grossrat aus Muri und Mitglied der ÖV-Gruppe der Freiämter Regionalplanungsverbände, ärgert. Er hat gemeinsam mit 13 Ratsmitgliedern beim Grossen Rat Ende September eine Interpellation betreffend die Aufhebung eingereicht.

«Wir haben den Eindruck, dass der Kanton Aargau sich gegenüber den SBB zu wenig für gute Schnellzugshalte einsetzt», erklärt Strebel. Grundsätzlich gehe es darum, dass die Strecke von Othmarsingen bis Heitersberg durch den Heitersbergtunnel führe. «Der Tunnel ist ein Nadelöhr. Mit der Aufhebung des Haltes in Mellingen-Heitersberg können mehr Schnellzüge in den Fahrplan aufgenommen werden.» Das heisst: Hält ein Zug in Mellingen-Heitersberg, blockiert das andere Züge. «Der Kanton Aargau ist als Durchfahrtskanton geduldet, mehr aber nicht», erklärt der CVP-Grossrat. Die Region Freiamt gilt zudem als Korridor für den Güterverkehr der Nord-Süd-Linie. «Alles wird dem Güterverkehr untergeordnet», sagt Strebel. Und er ergänzt: «Wir sind bereit, den Güterverkehr zu akzeptieren, aber nicht auf Kosten des Personalverkehrs.»

Wegfall des Haltes betrifft viele Pendler

Sechs konkrete Fragen stellen Strebel und seine Mitinitianten der Regierung. Diese sind dementsprechend deutlich: «Warum werden die Anliegen aus dem Freiamt für schnelle und direkte ÖV-Verbindungen kaum berücksichtigt?», ist etwa zu lesen, oder: «Wie steht der Regierungsrat zur Äusserung, dass auf Kosten des Freiamts die schnelle und direkte Verbindung Bern–Zürich priorisiert wird?» Die Belegungszahlen würden zeigen, dass die direkte Verbindung gefragt und beliebt sei und einem Bedürfnis entspreche, führt der Politiker aus. Die Verbindung werde aber auch von vielen Pendlern dazu genutzt, im Bahnhof Mellingen-Heitersberg auf den Bus umzusteigen, um in die Agglomeration Baden zu gelangen. Werde der Halt nun gestrichen, müssten diese Pendler in Othmarsingen umsteigen, nur um dann auch in Mellingen-Heitersberg wieder umzusteigen. So würden bestimmt einige Pendler gleich auf das Auto umsteigen, mutmasst er. Bis zu seiner Pensionierung vor einem halben Jahr war Herbert Strebel selber zehn Jahre lang auf dieser Strecke unterwegs.

Neben der grundsätzlichen Sorge, dass sich der Regierungsrat zu wenig um gute ÖV-Verbindungen im Freiamt kümmert, beschäftigt Strebel eine weitere Vermutung: Mit dem Wegfall des Haltes könnten die Belegungszahlen drastisch sinken, sodass schliesslich die ganze Linie S42 gefährdet ist und aufgrund des niedrigen Auslastungsgrads eingestellt wird. Der Regierungsrat hat drei Monate Zeit, die Fragen zu beantworten. Strebel: «In erster Linie geht es uns darum, dass die Thematik auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.»

 

Carmen Rogenmoser

carmen.rogenmoser@zugerzeitung.ch


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