Bauern müssen ihre Gülle exportieren

KANTON ⋅ Die Luzerner Bauern haben zu viel Gülle. Um die Vorgaben dennoch zu erfüllen, gibt jeder dritte Landwirt seinen Hofdünger weiter – oft auch in Nachbarkantone.

Roseline Troxler

Luzern ist wohl der Kanton, welcher schweizweit am meisten Gülle exportiert. Denn ein Drittel aller Bauernbetriebe im Kanton Luzern führt Hofdünger weg, wie die «Bauernzeitung» schreibt. In Bezug auf die Menge werden 15 Prozent der Gülle abtransportiert. Das entspricht gegen 400 000 Kubikmetern Gülle oder zirka 20 000 grossen Tanklastwagen.

Hohe Tierbestände, viel Gülle

Stefan Heller, Geschäftsführer des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbands, sagt zu den Gründen für die Güllentransporte: «Die Luzerner Landwirtschaft hat einen hohen Anteil an Schweinen und Geflügel. Bei der Produktion fallen viel tierische Nährstoffe an.» Dennoch dürfen Bauern nur eine gewisse Menge an Gülle austragen – ansonsten ist die Nährstoffbilanz nicht mehr ausgeglichen. «Daher macht es Sinn, den Überbedarf an andere Betriebe abzugeben», führt Heller aus. «Dadurch wird der Kreislauf geschlossen, das Produkt gut verwertet.»

Ein weiterer Grund, dass es im Kanton Luzern mehr Güllentransporte gibt als anderswo, sieht Heller in strengeren Vorschriften. Bauern im Einzugsgebiet des Baldegger-, Hallwiler- und Sempachersees dürfen weniger Gülle ausbringen – nämlich nur 90 Prozent des Phosphorbedarfs der Kulturen – anderswo sind es 100 Prozent. Diese «Benachteiligung» hat der Luzerner Bauernverband harsch kritisiert. «Das strengere Regime hat natürlich zur Folge, dass die Grenze der Güllenmenge früher erreicht wird.»

Aargau ist grösster Abnehmer

Der grösste Teil der aus dem Kanton Luzern exportierten Gülle wird in die Kantone Aargau, gefolgt von Bern, Zürich und Solothurn transportiert. Nicht nur von Bauernhöfen, sondern auch von landwirtschaftlichen Biogasanlagen kann der Dünger dabei stammen. Laut Heller wird die Gülle allerdings nicht unbedingt über weite Strecken transportiert. «Oft kann der Dünger auch einem Nachbarbetrieb übergeben werden.» Demnach besteht entweder ein Vertrag zwischen dem Landwirt, der Gülle abgibt, und demjenigen, der diese bezieht. Oder aber das Geschäft wird über ein Transportunternehmen abgewickelt. Gülle auf andere Höfe zu transportieren, ist laut Stefan Heller für Bauern aber nicht etwa ein lukratives Geschäft. «Durch den Transport entstehen Kosten.» Der Landwirt profitiere allerdings dennoch. Denn dank der Güllentransporte könne er höhere Tierbestände führen. Was die Güllentransporte für die Luzerner Bauern finanziell bedeuten, kann Heller nicht abschätzen.

Viele Anfragen für Vermittlungen

Christoph Hofstetter ist Inhaber der Firma Hofstetter Ackerbauservice, welche unter anderem darauf spezialisiert ist, zwischen Landwirten Hofdünger zu vermitteln. Das Unternehmen befindet sich in Grosswangen. Laut Christoph Hofstetter gibt es sehr viele Vermittlungsanfragen betreffend Hofdünger. Das Unternehmen führt nebst der Vermittlung auch Güllentransporte durch. «Pro Woche finden mehrere solche Transporte statt», sagt Hofstetter. Die Kosten für die Vermittlung von Güllenverträgen beträgt laut Hofstetter rund 15 Franken pro Kubikmeter – abhängig von der Distanz. Der Firmeninhaber rechnet damit, dass die Güllenvermittlungen künftig nicht zunehmen. «Die Bauern in unserer Region bewirtschaften ihre Höfe immer weniger tierintensiv, wodurch weniger Gülle anfällt», vermutet er.

Mehr Landwirte güllen im Lohn

Im Zusammenhang mit dem Güllen beobachtet Stefan Heller eine Entwicklung: So lassen mehr Bauern im Lohn güllen. Dies bestätigt auch Christoph Hofstetter. «Wir haben sehr viele Aufträge.» Stefan Heller führt dies auf den Zeitfaktor und die zunehmende Mechanisierung zurück. «Heute, wo Besitz und Bewirtschaftung auf vielen Bauernhöfen getrennt sind, lohnt es sich oft nicht, eigene Maschinen anzuschaffen.»


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