Die Suche nach Roths Nachfolger hat bereits begonnen

LUZERNER STADTRAT ⋅ Nach Stefan Roths Rücktrittserklärung hat die CVP eine Findungskommission eingesetzt. Ganz oben auf deren Liste dürften zwei Frauen stehen.

Alexander von Däniken

Jetzt muss es schnell gehen. Schon am 15. September legt Stefan Roth (CVP) sein Amt als Luzerner Stadtrat nieder. Bis dahin will die CVP die Nachfolgerin oder den Nachfolger an einer ausserordentlichen Parteiversammlung nominieren (Ausgabe von gestern). Die Ersatzwahl für den freien Sitz in der fünfköpfigen Exekutive findet am 27. November statt. Es dürfte aber länger dauern, bis der Stadtrat wieder komplett ist und Sozialdirektor Martin Merki (FDP) seine Doppelfunktion abgeben kann (siehe Kasten).

Da der Zeitplan für die CVP so knapp ist, hat sie bereits eine Findungskommission für Roths Nachfolge eingesetzt. Die erste Kommissionssitzung hat gestern frühmorgens stattgefunden, wie unsere Zeitung aus Parteikreisen weiss. Der Gruppe gehören an: Parteipräsidentin Andrea Gmür-Schönenberger, Vizepräsidentin und Grossstadträtin Letizia Ineichen sowie der langjährige Kantonsrat Peter Zosso.

Fraktionschefin ist Kronfavoritin

Noch ist die Liste der möglichen Nachfolger freilich nicht fix. Trotzdem kursieren bereits erste Namen. Als Kronfavoritin gilt in CVP-Kreisen Franziska Bitzi Staub. Die 43-Jährige ist Fraktionschefin im Stadtparlament und Mitglied der gewichtigen Geschäftsprüfungskommission. Sie ist seit 2004 im Grossen Stadtrat und gilt als dossiersicher in verschiedensten Themen, lösungsorientiert und wird auch von anderen Parteien geschätzt.

Ein weiterer Trumpf ist Bitzis berufliche Erfahrung. Die Rechtsanwältin und Absolventin der Hochschule St. Gallen hat neun Jahre im Finanzdepartement des Kantons Luzern gearbeitet, davon sieben Jahre als Leiterin des Rechtsdienstes. Seit Herbst 2014 ist sie als Generalsekretärin der Direktion des Innern im Kanton Zug direkt Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard (Alternative-die Grünen) unterstellt.

Ist Kaderjob zu hohe Hürde?

«Ich werde eine allfällige Kandidatur ernsthaft prüfen», sagt Franziska Bitzi auf Anfrage. «Es wäre ein Traumjob in einer Traumstadt.» Das Timing hätte allerdings besser sein können: Bitzi hat sich dafür eingestellt, im Wahljahr 2020 bereit zu sein. Zudem gefalle ihr die jetzige Stelle in Zug sehr. «Es ist eine interessante Aufgabe mit einem tollen Team», schwärmt sie.

Zusätzlich erschwert würde ein Wechsel durch die sechsmonatige Kündigungsfrist, welche bei Führungspositionen üblich ist. «Andererseits bieten sich vor allem in der Politik nicht jeden Tag solche Chancen.» Sollte es zu einer allfälligen Kandidatur kommen, hoffe sie auf ein Entgegenkommen aus Zug.

Ehemalige Kantonsrätin: Verfügbar

Eine solche Hürde bestünde bei PiaMaria Brugger Kalfidis, der am zweitmeist genannten Anwärterin, nicht. Die 54-jährige Betriebsökonomin verfügt ebenfalls über einen grossen politischen und verwaltungsinternen Rucksack. Sie arbeitete in der Privatwirtschaft und in der städtischen Bildungsdirektion und sass für die CVP von 1999 bis 2010 im Luzerner Kantonsparlament. Nach ihrem abrupten Abgang als Geschäftsführerin der Gemeinde Ebikon – sie war nur zweieinhalb Monate im Amt – könnte sie ihrer Partei rasch unter die Arme greifen.

«Aufgrund meiner beruflichen und politischen Erfahrung bin ich für eine allfällige Kandidatur grundsätzlich offen», sagt Pia Maria Brugger gegenüber unserer Zeitung. Derzeit befinde sie sich in einer Neuorientierungsphase und prüfe verschiedene Optionen.

Hochschuldozent wäre enttäuscht

Während aus parteiinternen Kreisen keinerlei Vorbehalte zu Bitzi zu hören sind, könnte gegen Brugger sprechen, dass sie politisch längere Zeit nicht mehr in der Stadt Luzern aktiv war. Das wiederum wäre ein Vorteil von Roger Sonderegger. Der 38-jährige Dozent der Hochschule Luzern – Wirtschaft sitzt seit 2012 im Luzerner Stadtparlament und gilt als Verkehrs- und Bauexperte.

«Ich könnte mir eine Kandidatur als Stadtrat grundsätzlich vorstellen», sagt Sonderegger. Und er fügt auf entsprechende Nachfrage an: «Ich wäre enttäuscht, wenn ich von der Partei nicht angefragt würde.» Politisch Erfahrene unter 60 Jahren gebe es auch bei der CVP nicht viele. Was allerdings gegen Sonderegger sprechen würde: Gesucht wird ein Finanzdirektor, die CVP dürfte sich hüten, Sonderegger in einer Ersatzwahl zu verheizen. Die Findungskommission wird sich entsprechend mit weiteren Kandidaten befassen. Ins Gespräch dürften unter anderem der wirtschaftlich gut vernetzte Thomas Gmür (49, Grossstadtrat seit 2000) und der ehemalige Parteipräsident Michael ­Zeier-Rast (53, Grossstadtrat seit 2012) kommen.

CVP: «Phase des internen Prozesses»

Die jetzige Parteipräsidentin Andrea Gmür-Schönenberger will sich auf Anfrage noch nicht auf definitive Kandidaten festlegen. Bitzi, Brugger und Sonderegger seien alles valable Kandidaten. «Auch mit Mitgliedern der Parteileitung und Quereinsteigern werden Gespräche geführt. Momentan befinden wir uns in der Phase des internen Prozesses.» Sie selbst stehe nicht zur Verfügung.

Die CVP dürfte hoffen, dass ihr Kandidat in stiller Wahl gewählt wird. Ein erneuter Wahlkampf strapazierte Kasse und Nerven. Laut Gmür konzentriere sich die Partei primär darauf, gute, überzeugende Kandidaten zu portieren. «Ob es zu einer stillen Wahl kommt, wird sich im Verlaufe der laufenden Gespräche und der Nomination weisen.» Allerdings könnte sich die SP eine eigene Kandidatur überlegen – wegen des Wahlerfolgs im Frühling und guter Möglichkeiten zum Mobilisieren der Wähler. Zieht die CVP erneut einen bürgerlichen Schulterschluss in Betracht? Das würden die Gespräche mit den anderen Parteien weisen, so Gmür.


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