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Beschwerden nach Umsiedlung in Weggis

HORLAUI ⋅ Nach der vom Gemeinderat angeordneten Umsiedlung im Steinschlaggebiet Horlaui setzen sich Betroffene juristisch zur Wehr. Die Bewohner zweier von fünf Häusern haben beim Kantonsgericht Beschwerde gegen die Nutzungsverbote und Abbruchverfügungen eingelegt.

Die Einsprecher würden die Massnahmen als unverhältnismässig erachten und forderten teilweise höhere Entschädigungen, sagte der Weggisser Gemeindeammann Baptist Lottenbach auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Zu den konkreten Forderungen äusserte er sich nicht.

In einem Zwischenentscheid vom Montag stützte das Luzerner Kantonsgericht den Gemeinderat vorerst und bestätigte die Dringlichkeit des Betretungsverbots. Die Bewohner müssen ihre Häuser verlassen und dürfen sie ab Freitag nicht mehr betreten, wie Gerichtssprecherin Franziska Betschart Informationen von «20 Minuten» bestätigte.

  • 06.11.2014: Die ersten Häuser in der Horlaui werden abgerissen.

Nach der Umsiedlung von zwölf Personen in einem Steinschlaggebiet in Weggis hat am 3. November der Abbruch von vier Häusern begonnen. Ein Augenschein im Gebiet Horlaui an der Seeuferstrasse zwischen Weggis und Vitznau am Vierwaldstättersee.

Die Gemeinde darf die Häuser auf Anordnung des Gerichts allerdings bis mindestens am 31. Oktober nicht abreissen. Ein definitiver Entscheid über die Abbrüche sei noch nicht getroffen worden, sagte die Gerichtssprecherin. Ein Urteil werde erst im Hauptverfahren gefällt.

Anfang Juli kündigte der Gemeinderat von Weggis an, dass die zehn Bewohner von fünf Wohnhäusern im Gebiet Horlaui oberhalb des Vierwaldstättersees ihre Unterkunft bis Ende Monat verlassen müssen und sie danach nicht mehr betreten dürfen.

Kosten von sechs Millionen Franken

Die Häuser im Steilhang am Fuss der Rigi sind gemäss Behörden akut von Steinschlägen bedroht und sollen abgerissen werden. Der Gemeinderat erachtet die drastische Massnahme im Gebiet Horlaui als sicherste und günstigste Variante im Schutz vor Naturgefahren.

Die Umsiedlung, die Felssicherungen und der geplante Abbruch der Häuser kosten gemäss Schätzungen von Weggis rund sechs Millionen Franken. Rund die Hälfte davon seien für Entschädigungen der Hausbesitzer vorgesehen, wie Gemeindeammann Baptist Lottenbach sagte.

An den Kosten beteiligen würden sich die Gebäudeversicherung, der Bund, der Kanton Luzern und die Gemeinde Weggis. Im Gesamtbetrag enthalten sind auch Landerwerbe. Weggis will die Grundstücke den Besitzern abkaufen.

Am Donnerstag verlassen die letzten Horlaui-Bewohner ihre Häuser, sagte Gemeindeammann Baptist Lottenbach. Alle Betroffenen hätten im Dorf oder ausserhalb von Weggis eine Unterkunft für mindestens ein halbes Jahr gefunden. Die Gemeinde unterstütze die Betroffenen finanziell bei den Zügelkosten, Mieten und Möbeleinlagerungen.

Nach dem Auszug will die Gemeinde die Felssicherungsarbeiten in Angriff nehmen. Diese sollen im steilen Gelände teilweise per Helikopter durchgeführt werden. Einen möglichen Abbruch der Häuser plant die Gemeinde nicht vor dem 1. November, wie Lottenbach sagte. (sda)

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