«Der Bestatter» weckt Interesse am Bestatter

WILLISAU ⋅ Die TV-Krimiserie «Der Bestatter» hat ein grosses Echo ausgelöst – nicht nur bei Zuschauern, sondern auch bei echten Bestattern. So spürt auch der Bestatter Adrian Hauser aus Willisau das gestiegene Interesse an seinem Beruf.

Nicht nur das Schweizer Fernsehen (SRF) ist vom Erfolg des Dienstagabendkrimis «Der Bestatter» überwältigt. Auch Adrian Hauser, Bestatter mit eidgenössischem Fachausweis, hat wegen der beliebten Serie alle Hände voll zu tun.

Die Telefonleitungen seines Bestattungsinstituts in Willisau laufen seit Monaten heiss. «Journalisten, Studierende, Arbeitssuchende - alle wollen etwas von mir wissen», sagt er auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Hauser, der ehemalige Polizist, gründete im Herbst 2003 sein eigenes Bestattungsunternehmen.Seit Frühling 2011 ist er Vorstandsmitglied im Schweizerischen Verband der Bestattungsdienste. Seither verantwortet er die Ausbildung der Bestatter, welche die eidgenössische Berufsprüfung absolvieren möchten.

«Ich merke, dass seit der TV-Serie mehr Personen am Beruf interessiert sind», sagt er. «Es melden sich vor allem Frauen aus dem Gesundheitsbereich und aus Kirchenkreisen.» Die meisten Interessierten seien zwischen 20 und 50 Jahre alt.

«Vieles wird überspitzt dargestellt»

Für den erfahrenen Bestatter hat der Boom Licht- und Schattenseiten: «Wenn jemand keine Ahnung hat, um was es in unserem Beruf geht, ist das mühsam», sagt Hauser. Er habe ab und zu mit Personen zu tun, die mit falschen Erwartungen an ihn heranträten. «Vieles wird im Fernsehen überspitzt dargestellt.»

Gleichzeitig sei die grössere Nachfrage auch positiv: Es sei kein Tabu mehr, über den Tod zu sprechen. «Viele Studierende und auch Maturanden melden sich, weil sie eine Arbeit über den Bestatterberuf schreiben möchten.» Auch Praktikumsanfragen nähmen zu. «Wir versuchen dann, solche jungen Leute als Drittpersonen mitzunehmen.»

Die Schweizer Bischofskonferenz hob als Reaktion auf die SRF-Krimiserie hervor, wie selbstverständlich und würdevoll mit dem Thema Tod umgegangen werde. «Das ist sicherlich gut», sagt auch Hauser.

Hohes Anforderungsprofil

Trotz grossem Medienecho geht der Bestatter nicht davon aus, dass der Fernsehkrimi das Angebot an Bestattungsfirmen vergrössern wird. «Im Moment merkt man nicht, dass mehr Bestatter auf dem Markt sind.» Den Grund liefert er gleich mit: Der Beruf sei sehr anspruchsvoll.

Oft schwinde das Interesse, wenn den Interessierten gesagt werde, worauf es im Beruf wirklich ankomme. «Ein Bestatter muss sieben Tage lang voll am Drücker sein», sagt Hauser.

Gefragt seien auch eine grosse Lebenserfahrung, körperliche Fitness und ein stabiles Gemüt. «Man muss am Ende des Tages den Deckel draufmachen können, auch bei sich selbst.» Die Trauerarbeit dürfe einen nicht zu fest mitnehmen.

Alle zwei Jahre bildet Hauser 25 angehende Bestatter aus. «Wir suchen prioritär Leute, die schon im Beruf arbeiten.» Doch die fachliche Kompetenz alleine genüge nicht: «Menschliche Anteilnahme und Feingefühl für die Empfindungen und Wünsche der Hinterbliebenen sind uns ebenso wichtig.»

Krimi als Exportschlager

In der 2013 lancierten TV-Krimiserie «Der Bestatter» spielt die Trauerarbeit indes nur eine Nebenrolle. Im Fokus stehen jeweils die kriminaltechnischen Ermittlungen von Bestatter Luc Conrad (Mike Müller) und seinem Gothic-Praktikanten Fabio Testi (Reto Stalder). Die beiden treffen immer wieder auf aussergewöhnliche Todesfälle und schalten sich in die Polizeiarbeit ein.

Das SRF, welches den Krimi produziert, bezeichnet die Serie «als einmalige Erfolgsgeschichte». Anfang 2015 wurde bekannt, dass der Krimi künftig auch in Deutschland, Kanada und in den USA zu sehen sein wird. In der Westschweiz sind die ersten synchronisierten Folgen von «Le Croque-Mort» bereits angelaufen.

sda/zim


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