Der letzte Sprung ins kühle Nass

SAISONENDE ⋅ Ein schwacher Start, ein tolles Ende – so die Badi-Bilanz. Der warme Spätsommer konnte dennoch die Verluste des Frühjahres nicht wettmachen.

Yasmin Kunz

Nochmals hat sich gestern der Spätsommer von der schönsten Seite gezeigt: meist sonnig mit Temperaturen bis zu 27 Grad – für den September eher ungewöhnlich, wie Stephan Bader, Klimatologe bei Meteo Schweiz, sagt: «Der diesjährige Septemberbeginn schwingt in Luzern im Vergleich zu den Vorjahren bezüglich Schönwetter obenaus.»

Gefreut über das sommerliche Wetter haben sich insbesondere die Badis. «Dieser September bringt im Vergleich zu den Vorjahren erhebliche Mehreinnahmen.» Das ist das Fazit von Walter Wyss, Badmeister des Freibads Stämpfel in Nebikon.

Saisonstart ist ausschlaggebend

Nicht nur Wyss ist begeistert vom tollen Saisonende. Patrick Widmer, der seit zwölf Jahren die Rotsee-Badi führt, beschreibt den diesjährigen Spätsommer als «ausserordentlich». Von 14 Septembertagen seien 13 Sommertage gewesen. Dennoch räumt er ein, dass der sonnige Spätsommer die Verluste des Junis nicht wettmachen kann. «Das ist wie beim Skifahren: Im März sind auch nicht mehr so viele Leute auf den Pisten wie zu Beginn der Saison.» Die Rotsee-Badi wird erst Ende September schliessen. Zum Grund für die lange Saison sagt Widmer: «Wir profitieren davon, dass der Rotsee im Frühling schnell an Wärme gewinnt und demzufolge im Herbst nur langsam an Wärme verliert.»

Heute schlägt das Wetter um

Walter Wyss von Nebikon wollte die Türen eigentlich letzten Sonntag schliessen, «weil das Wetter aber nach wie vor so gut ist, verlängern wir, bis die Witterung umschlägt». Das dürfte heute der Fall sein: Gemäss Meteo Schweiz ist es mehrheitlich bewölkt, vereinzelt ist mit Schauern zu rechnen. Morgen sinkt die Temperatur gar auf 17 Grad.

Die Saisonverlängerung hat sich gemäss Wyss gelohnt: Am Sonntag zählte die Badi 500 Besucher, am Montag 350 und gestern waren es sogar 650. Der gute Spätsommer habe die Saison noch aufpolieren können, sagt Wyss, dessen letzte Saison als Badmeister heuer endet. Er geht davon aus, dass er insgesamt rund 10 Prozent weniger Einnahmen verzeichnet als im Rekordsommer 2015.

Über zehnmal mehr Einnahmen

Im Strandbad Lido in Luzern klingelte die Kasse im September ebenfalls noch rege, wie Marcel Wiesler, Geschäftsführer des Strandbads, sagt. Bis vorgestern verzeichnete das Strandbad Lido rund 6000 Eintritte im September. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum gerade mal rund 500 Eintritte. Auch Wiesler sagt, dass der Spätsommer den Verlust vom Monat Juni, der sehr regenreich war, nicht wettmachen kann. Es sei ein «sehr gutes Saisonende», bilanziert Wiesler. Der Lido-Betrieb schliesst am Sonntag. Ab dem 1. Oktober ist das Lido-Areal wieder täglich und kostenlos von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Ein Blick nach Kriens zeigt: Auch dort wird ab Sonntag die Parkanlage wieder frei zugänglich sein.

Aufwand für Verlängerung gross

Die Instandstellung des Parks in Kriens ist auch einer der Gründe, weshalb die Badi Kriens die Saison bereits letzten Sonntag beendet hat. Geschäftsführer René Bienz sagt: «Die externen Techniker müssen die komplexe Wasseraufbereitungsanlage ausser Betrieb nehmen, und die Termine müssen mehr als ein halbes Jahr vorher mit diesen reserviert werden.» Der zusätzliche logistische und finanzielle Aufwand würde die Verlängerung kaum rechtfertigen, so Bienz. «Ein Parkbad in unserer Grösse kann nicht so einfach von heute auf morgen entscheiden, die Saison zu verlängern.» Für den Geschäftsführer war der diesjährige Schlusstag der Badi-Saison, der schönste in seiner 13-jährigen Karriere: «Am vergangenen Sonntag waren nochmals über 800 Gäste hier. Wir konnten uns von fast allen persönlich verabschieden, was mich sehr gefreut hat.»

Wärmster September seit 1871

Laut Meteo Schweiz verzeichneten die Tage zwischen dem 1. und 14. September in Luzern eine Durchschnittstemperatur von 19,1 Grad. Seit Messbeginn 1871 waren die ersten zwei Septemberwochen noch nie so warm. Ähnlich warm war es letztmals in den ersten zwei Septemberwochen 2005. Auch punkto Sonnenstunden kamen die Luzerner auf ihre Kosten: Bis am 14. September zählte Meteo Schweiz schon 125 Sonnenstunden. In der gleichen Zeitperiode 2005 wurden 76 Sonnenstunden registriert.


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