«Ein grosser Schritt nach 20 Jahren»

LUZERN ⋅ Die Chefs der «Luzerner Zeitung» haben gestern die erste Ausgabe im neuen Kleid an Passanten verteilt. Das Layout und der neue Name wurde mehrheitlich positiv aufgenommen. Aber es gibt auch Kritik.

Roger Rüegger

Wie zu vergangenen Zeiten, wo der Zeitungsjunge sein Extrablatt den Passanten feilbot, haben gestern am frühen Morgen Führungsleute der «Luzerner Zeitung» persönlich die erste Ausgabe mit dem neuen Titel und dem neuen Layout am Luzerner Bahnhof verteilt. Während zweier Stunden waren Chefs aus Redaktion und Verlag im Einsatz – unter ihnen auch Veit V. Dengler, CEO der NZZ-Mediengruppe, zu welcher die «Luzerner Zeitung» gehört. In Luzern wurden rund 3500 Stück verteilt, in der gesamten Zentralschweiz gar 5000.

Dass sich am Montagmorgen nicht jeder von einem Fremden eine Zeitung in die Hand drücken liess und sich noch dazu äussern wollte, war zu erwarten. Dennoch nahmen sich etliche Passanten einen Moment Zeit und blätterten durch die Zeitung. «Ist die ‹Luzerner Zeitung› qualitativ besser als diese da?», fragt Sandro Ritler aus Sursee und zeigt auf einen Zeitungsständer mit Gratistiteln. Der 36-jährige Ingenieur grinst. Er kennt unsere Zeitung und gibt gerne einen Kommentar ab. «Mit dem neuen Layout kommt die Zeitung besser daher, selbstbewusster und mit weniger Schnörke­leien. Die Zeitung wirkt auf mich angenehmer.» Er betont, dass er sich in dieser kurzen Zeit nur auf das Layout, nicht aber auf den Inhalt beziehe.

«Ist man in den alten Stil zurückgefallen?»

Einige Passanten sind überrascht. Zum Beispiel Daniel Müller aus Kriens: «Tatsächlich, ich dachte mir doch, dass da etwas anders ist.» Der 65-Jährige – seit Jahren Abonnent unserer Zeitung – überfliegt die Frontseite und meint: «Die Zeitung sieht fast aus wie ganz früher. Ist man etwa in den alten Stil zurückgefallen?» Doch das sei ja nicht verkehrt.

Eine Frau diskutiert am Bahnhof mit Pascal Hollenstein, dem publizistischen Leiter der NZZ-Regionalmedien. Als er der Frau eine Zeitung überreicht, fragt sie ihn erstaunt: «Bleibt das so? Auch morgen?» Er antwortet: «Ja, klar!»

Chefredaktor Jérôme Martinu, der auch an der Verteilaktion beteiligt ist, erhält verschiedene Reaktionen aus der Leserschaft: «Die ganze Bandbreite an Kritik ist zu hören. Mehrheitlich sind die Rückmeldungen positiv und sehr differenziert.» Einige meinten, die Zeitung sei aufgeräumt und wirke ruhiger, deshalb sei die Lesbarkeit besser. Jedoch monierten vorwiegend ältere Leser, dass sie die Zeitung schlechter lesen könnten, weil die Schrift kleiner sei. Martinu erklärt: «Das wirkt am Anfang vielleicht durch die schmaleren Spalten so, aber in Wirklichkeit ist die Schrift sogar leicht grösser.» (siehe Box)

Dass sich die «Luzerner Zeitung» nach 20 Jahren in einem neuen Kleid präsentiere, sei ein grosser Schritt. Marti­nu betont: «Rückmeldungen jeder Art sind extrem wichtig. Denn ein neues Layout bedeutet nicht, dass man starr darauf setzt. Nötige Anpassungen werden wir sicher vornehmen.»

«Ich werde die Zeitung weiterhin lesen»

«Sehr zufrieden» zeigt sich etwa Cecile Portmann (79) aus Luzern. Sie verkürzt sich die Wartezeit bis zur Zugsabfahrt mit unserer Zeitung. Sie findet, das Inhaltsverzeichnis auf der Frontseite sei zu klein. Meint aber: «Ich werde die Zeitung trotzdem weiterhin lesen.»

Vor dem Caffe Spettacolo ist Ricardo Bischof (63) in die Lektüre vertieft. Wir möchten die Meinung des Toggenburgers zur «Luzerner Zeitung», die er nicht kennt, erfahren. Er hat den «Tages-Anzeiger», die NZZ und das «St. Galler Tagblatt» abonniert. Über unsere Zeitung sagt er: «Für mich stimmt die Aufmachung, darum lese ich sie jetzt.» Die Berichterstattung über Churchills Zürich-Rede sei gut dargestellt. Über die grossen Bilder sei er in die Geschichte eingeführt worden. «Das finde ich ganz lässig. Mich hat die Sache überzeugt.»

Sabine Häfliger (47) aus Ebersecken ist langjährige Leserin: «Der blaue Schlirgg ist weg. Gut.» Auch das «Neue» im Namen vermisst sie nicht. «So neu war das ja nicht mehr.» Auch der frühere Journalistenkollege Stefan Roschi äussert sich: «Die Schrift finde ich cool. Die LZ sieht aus wie fast jede andere seriöse Zeitung. Sie ist diskreter als früher.» Er habe gar geträumt, dass er am Kiosk eine Zeitung mit dem neuen Layout kaufen wollte. «Aber sie war ausverkauft.»

Die neue Schrift gibt zu reden

Layout rgr. Etliche unserer Leser haben den Eindruck, dass die Schrift im neuen Auftritt kleiner ist. Das täuscht, sie ist sogar leicht grösser. Sämtliche Schriften wurden mit dem neuen Layout ersetzt – sowohl für Titel als auch für die Lauftexte.

Sven Gallinelli, visueller Blattmacher unserer Zeitung, erklärt: «Unsere neue Laufschrift ist eleganter als die bisherige; gleichzeitig haben wir sie eine Spur grösser gemacht und auch den Zeilenabstand leicht erhöht. Wir haben grossen Wert auf gute Lesbarkeit gelegt und entsprechende Schriften gewählt.» Als Titelschrift werde neu «Suisse Works» benutzt, als Laufschrift «Lyon Text». Klar ist, dass alle Leser eine gewisse Angewöhnungszeit brauchen.

  • Neue Luzerner Zeitung AG
  • Neue Luzerner Zeitung AG

Führungsleute der Luzerner Zeitung und den Regionalausgaben verteilten am Montagmorgen die erste Ausgabe im neuen Layout an Passanten.

Ein neuer Name, ein neues Layout: Die Luzerner Zeitung ist am 19. September erschienen. Veit V. Dengler zur «Luzerner Zeitung» und zum schwierigen Zeitungsmarkt. (Tele 1, 19.09.2016)

Nach 20 Jahren erhält die Luzerner Zeitung ein neues Kleid. Der Weg von der Idee bis zum neuen Layout war für alle Beteiligten aufregend und abenteuerlich. Am 19. September liegt die neue «Luzerner Zeitung» nun das erste Mal bei den Lesern im Briefkasten. (Sara Häusermann und Stefanie Nopper / Luzernerzeitung.ch, 19. September 2016)

Seit dem 19. September 2016 erscheint die «Luzerner Zeitung» in einem neuen Kleid. Chefredaktor Jérôme Martinu erklärt, wie es dazu kam und was sich durch das neue Erscheinungsbild für die Leser ändert. (Stefanie Nopper / Sara Häusermann, 19. September 2016)

 


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