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Saurer Jahresabschluss für Emmi

LUZERN ⋅ Die Bereinigung eines defizitären Engagements in Italien hat 2014 den Gewinn von Emmi deutlich geschmälert. Der grösste Schweizer Milchverarbeiter sieht sich aber durch diesen Abschreiber gestärkt und auf gutem Weg, die schwierige Währungssituation zu meistern.

Emmi erzielte 2014 einen Betriebsgewinn (EBIT) von 136,2 Mio. Franken. Dies entspricht einem Rückgang von 19,2 Prozent gegenüber dem Jahr zuvor. Der Reingewinn sank sogar um 24,6 Prozent und betrug noch 78,9 Mio. Franken.

Konrad Graber, Verwaltungsratspräsident von Emmi, bezeichnete am Dienstag in Luzern das letzte Jahr trotzdem als «sehr erfolgreich». Die Strategie stimme. Wermutstropfen sei einzig der Abschreiber bei der italienischen Joghurtproduzentin Trentinalatte.

Emmi musste dort 2014 Wertberichtigungen von 38,5 Mio. Fr. und beim Verkauf des Unternehmens einen Verlust von 4,2 Mio. Fr. verbuchen. Um sämtliche positiven und negativen Sondereffekte bereinigt, beläuft sich der EBIT auf 170,7 Mio. Fr. und der Gewinn auf 109,4 Mio. Franken. Damit wäre Emmi um 6,7 Prozent respektive 12,1 Prozent gewachsen. Die Profitabilität konnte also gesteigert werden.

Emmi hatte Trentinalatte, das erste Auslandengagement der Luzerner, 2006 gekauft. Der italienische Joghurtmarkt entwickelte sich indes nicht wie erwartet. Es sei gut, dass dieses Engagement bereinigt sei, denn seit der Aufgabe des Euromindestkurses gebe es neue Herausforderungen, sagte Emmi-Direktor Urs Riedener.

Exportorientierter Milchverarbeiter

Das Unternehmen erzielt fast die Hälfte seines Umsatzes im Ausland. Wegen des starken Frankens wird in diesem Jahr mit einem Umsatzrückgang von 2 bis 3 Prozent sowie Einbussen beim Ertrag gerechnet.

Riedener gab zu bedenken, dass sich der tiefere Wert des Euro auch indirekt auf das Geschäft auswirken werde. Als Sekundäreffekte nannte er Volumenverluste - im Ausland durch Preiserhöhungen, in der Schweiz durch den Einkaufstourismus und die rückläufige Tourismusindustrie - sowie der Importdruck.

Emmi hatte mit Preisanpassungen und Sparprogrammen auf den Währungsentscheid der Nationalbank reagiert. Diese Massnahmen würden greifen, sagte Graber. Er sei optimistisch, dass sich 2015 positiv werde abwickeln lassen.

Wie im Februar mitgeteilt, konnte Emmi im vergangenen Jahr den Umsatz um 3,2 Prozent auf 3,4 Mrd. Fr. steigern. Das organische Wachstum betrug 3,0 Prozent. Der Schweizer Umsatzanteil betrug 1,9 Mrd. Fr. oder 55 Prozent. Das organische Wachstum belief sich auf 1,2 Prozent.

Erfolg mit Marken- und Nischenprodukten

Der Umsatz im Heimmarkt entwickelte sich damit besser als erwartet. Gründe dafür waren der höhere Milchpreis, aber auch das Wachstum bei den Markenprodukten, etwa Caffè Latte. Auch im Ausland war Emmi mit solchen Schlüsselprodukten erfolgreich. Spanien entwickelte sich zum zweitgrössten Caffè-Latte-Markt, dort verbuchte Emmi nach eigenen Angaben auch mit der Nische «laktosefrei» einen Erfolg.

Einen Viertel des Konzernumsatzes machte Emmi in der Division Americas (USA, Kanada, Chile, Spanien, Frankreich, Tunesien). Diese Division erzielte ein hohes organisches Wachstum von 7,1 Prozent. Auf die Division Europa entfielen 15 Prozent des Umsatzes. Organisch trat Emmi hier auf der Stelle. Riedener begründete das Nullwachstum damit, dass im Interesse der Marge bewusst auf Volumen verzichtet worden sei.

Aktionäre spüren teuren Franken

Auswirkungen hat die Frankenstärke auch auf die Dividende. Diese wird unverändert bei 3,8 Franken belassen. Die Ausschüttungsquote beträgt damit nur 18,6 Prozent und liegt unter der Zielgrösse von 20 bis 25 Prozent.

Emmi verarbeitete im vergangenen Jahr 1,7 Mio. Tonnen Milch und Rahm. Davon entfielen 1 Mio. Tonnen auf Schweizer Milch und Rahm. Mehr als die Hälfte der ausländischen Milchmenge wurde von der spanischen Tochtergesellschaft Kaiku in Spanien und Südamerika verarbeitet.

sda

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Leserkommentare
  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 24.03.2015 18:38

    Braucht Emmi einen Verwaltungsratspräsidenten, der kein Gehör hat für die Bauern, der bei Abstimmungen im Ständerat, zu 90 % mit der SP stimmt, sich aber von der CVP wählen lässt. Brauchen wir Politiker, welche einfach jede Menge Verwaltungsratsmandate sammeln und keinen Überblick über die tatsächlichen Bedürfnisse und Wünsche der Bevölkerung haben.Kann die CVP solche Politiker in ihren Reihen noch akzeptieren oder ist es einfach so, dass die CVP immer mehr ein Anhängsel der SP wird.

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