Neue Luzerner Zeitung Online

Felssturz: Steine flogen bis zu 200 Meter weit

WOLHUSEN ⋅ Ein wuchtiger Felssturz in die Kleine Emme hat am Montagmorgen bei Wolhusen eine Überschwemmung verursacht und erhebliche Gebäudeschäden verursacht. Steine und Gehölz wurden bis zu 200 Meter weit geschleudert.

In Wolhusen ist es am 11. Januar zu einem Felssturz gekommen. Die Kleine Emme trat über die Ufer. Das Schadensausmass beläuft sich auf über eine Million Franken.

In der Nacht auf Montag um rund 3 Uhr löste sich in der Badfluh auf 50 Metern Höhe ein rund 5000 Kubikmeter grosses, überhängendes Felsband und stürzte in die Kleine Emme. Der aufgebotene Geologe Klaus Louis sagte, der Fels sei in eine Kiesbank eingeschlagen. Die Wirkung sei wie bei einem Meteoriten gewesen.

Durch die Wucht wurden Steine und Bäume 200 Meter weit in und über das dortige Gewerbe- und Wohngebiet auf die parallel zum Fluss führende Kantonsstrasse und ins dahinterliegende Wiesland geschleudert. Das Material schlug bei einem mehrstöckigen Wohnhaus Ziegeln vom Dach. Die Fassade und die Fenster eines nahe beim Fluss stehenden Gewerbegebäudes wurden beschädigt. Personen kamen dabei keine zu Schaden.

«Glück im Unglück»

Der Felssturz hatte sich links der Kleinen Emme auf dem Gebiet von Wolhusen ereignet, der Schaden betrifft aber vor allem das rechtsufrig gelegene Werthenstein. Die Behörden sprachen von Glück, dass sich der Felssturz in der Nacht ereignet und sich niemand auf der Kantonsstrasse oder im Gewerbegebiet aufgehalten habe. Die Feuerwehr musste 20 Personen vorübergehend aus ihren Häusern evakuieren. Seit Montagabend ist die Strasse zwischen Wolhusen und dem Entlebuch wieder offen.

Wasser strömt durchs Industrieareal

Der Steinschlag staute die Kleine Emme. Deshalb gelangten die Wassermassen und das Geschiebe auf die Hauptstrasse Ausgangs Wolhusen Richtung Entlebuch. Betroffen von der Überschwemmung sind vor allem Industriegebäude aber auch einige Wohnhäuser, eine Schule blieb am Montag geschlossen.

«Das Wasser strömte durch das gesamte Areal unserer Firma», so Geschäftsführerin Brigitte Imbach vom Kies- und Betonwerk Imbach AG. Bürogebäude, Einstellhalle und das gesamte Kies- und Betonwerk standen gemäss Imbach unter Wasser. «Das Wasser hatte einen ziemlichen Zug drauf. Der Schaden kann noch nicht beziffert werden», so Imbach weiter.

Das Industriegebiet gleich unterhalb des Felsabbruchs wurde von herabstürzendem Gestein und der Wucht von Wassermassen arg in Mitleidenschaft gezogen. Es kamen zum Glück keine Personen zu schaden. (U./W. Imbach, 11.Januar 2016)

Hochwasserschutzmauer zerstört

Auf einer Länge von 50 Metern füllte das Gestein das Flussbett 25 Meter breit und fünf Meter hoch. Der Durchfluss wurde stark reduziert. Zudem zerstörten die Gesteinsmasse eine nach dem Hochwasser von 2005 errichtete Hochwasserschutzmauer auf einer Länge von über zehn Meter.

Die Kleine Emme trat über die Ufer und überschwemmte eine grössere Fläche, wenn auch nicht sehr hoch. Die Feuerwehr, die mit 80 Personen ausgerückt war, errichtete noch am frühen Morgen quer über die Strasse einen 25 Meter langen und einen Meter hohen Erdwall und spitzte eine Mauer am Fluss ab, damit das Wasser zurück in das Bett fliessen konnte.

Bis am Mittag hatte sich das Wasser flächenmässig weit zurückgezogen. Noch immer stand ein Teil des Gewerbegebietes unter Wasser. Aus Sicherheitsgründen durfte mit der Räumung des Flussbettes erst am Nachmittag begonnen werden.

Aufräumarbeiten stehen an

Damit die Felsbrocken aus dem Fluss abtransportiert werden können, müssen sie kleingesprengt werden. Feuerwehrkommandant Beat Zihlmann sagte, dass nun Unterführungen und Keller ausgepumpt würden. Bis dies gemacht sei, könnten keine Angaben zu den Schäden gemacht werden.

Geologe Louis Klaus geht nicht davon aus, dass sich weitere Felsbrocken lösen könnten. Ein aussergewöhnliches Ereignis, das den Felssturz ausgelöste, habe es nicht gegeben. Der Molassefels sei einfach zum Absturz bereit gewesen.

Stromausfall von drei Trafostationen

Das Ereignis führte um 7.47 Uhr zum Ausfall von drei Trafostationen in Werthenstein, wie die CKW mitteilten. Eine Trafostation im Sandmätteli stand im Wasser. In mehreren Haushaltungen fiel vorübergehend der Strom aus.

pd/zim/nop/sda/rem

Aufnahmen aus der Luft der Zivilschutzorganisation Emme (ZSO Emme, 11.01.2016)

Auf der Höhe des Kieswerks der Imbach AG in Wolhusen ist es am Montagmorgen zu einer Überschwemmung gekommen. Unser Video zeigt das Ausmass der Zerstörung und erste Räumungsarbeiten. (Keystone, 11. Januar 2016)

Login


 
Leserkommentare
  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 11.01.2016 15:34

    Die Emme hat heute grosse Mengen an Oel mitgeführt. Liegt der Grund bei diesem Schadenereignis? Wird dieses Oel ohne Abpumpen an den Kanton Aargau weitergeleitet?

Diskutieren Sie mit
Die Redaktion sichtet die Leserkommentare und schaltet sie zwischen 7 und 19 Uhr frei. Sie behält sich vor, Beiträge, die die Spielregeln zur Kommentarfunktion verletzen, nicht zu publizieren oder zu kürzen. Am meisten Chancen haben Kommentare, die direkt auf einen Artikel eingehen. Beiträge mit ehrverletzenden, rassistischen oder unsachlichen Äusserungen publizieren wir nicht. Der Korrespondenzweg ist ausgeschlossen. Leserkommentare können vollständig oder auszugsweise in der Neuen Luzerner Zeitung und ihrer Regionalausgaben publiziert werden.


Die Kommentarfunktion steht für diesen Artikel nicht mehr zur Verfügung. Entweder ist der Diskussionszeitraum abgelaufen oder die Diskussion zu diesem Thema wird in einem separaten Forum weitergeführt. Siehe www.luzernerzeitung.ch/forum

Anzeige:

Anzeige:

Webcam

Luzern Luzern

Anzeige:

Newsletter zur Region? Hier bestellen

Newsletter

zugerpresse.ch Jeden Mittwoch Neu

Zugerpresse