Nach Vergewaltigung: Ermittlungen gegen Taxifahrer ausgeweitet

LUZERN ⋅ Ein Taxifahrer soll im März eine junge Austauschstudentin vergewaltigt haben. Jetzt zeigt sich: Sie ist nicht sein einziges Opfer.

Ein pakistanischer Taxifahrer hat mutmasslich in der Nacht vom 27. auf den 28. März eine 18-jährige, australische Austauschschülerin vergewaltigt. Der Vorfall ereignete sich auf der Heimfahrt von Luzern nach Kriens (Ausgabe vom 4. Mai). Seit dem 24. Mai sitzt der Mann, der ein eigenes Transport- und Taxiunternehmen führt, in Untersuchungshaft. Nun bestätigt die Luzerner Staatsanwaltschaft auf Anfrage unserer Zeitung, dass der Taxifahrer noch weitere vergleichbare Delikte begangen hat. «Dank intensiven Ermittlungen können wir ihm mindestens fünf weitere Fälle nachweisen», sagt Simon Kopp, Sprecher der Luzerner Staatsanwaltschaft.

Ereignet haben sich diese Vorfälle in den Jahren 2010, 2012 und 2016. In diesen Fällen ist es nach bisherigen Abklärungen nicht zu Vergewaltigungen gekommen, sondern zu anderen Übergriffen, wie sexuelle Nötigung und sexuelle Belästigung. Die Opfer sind junge Frauen, die während der Tatzeit in der Region lebten, fügt der Sprecher der Staatsanwaltschaft an.

Der Mann ist HIV-positiv

Bei den Ermittlungen stellte sich ferner heraus, dass der mutmassliche Vergewaltiger mit dem HI-Virus infiziert ist. Kopp: «Dadurch ist die Zahl der möglichen Opfer nochmals um weitere acht gestiegen. Ermittelt wird wegen versuchter schwerer Körperverletzung.» Bei der Staatsanwaltschaft geht man im Moment davon aus, dass der Beschuldigte gewusst hat, dass er an dem unheilbaren Virus erkrankt ist. Er hat weitere Personen also wissentlich der Ansteckungsgefahr ausgesetzt. Da greift gemäss Strafgesetzbuch der Tatbestand der versuchten schweren Körperverletzung. Dabei handelt es sich um ein Offizialdelikt. Heisst: Die Staatsanwaltschaft muss die Handlung von Amts wegen verfolgen. Alle Opfer haben gemäss Kopp den HIV-Test gemacht. «Das Resultat war zum Glück bei allen negativ.»

Gemäss Marco Rossi, Infektiologe am Luzerner Kantonsspitals, hängt das Ansteckungsrisiko davon ab, ob der Beschuldigte seine Infektion therapiert oder nicht. Dank einer Therapie sind keine Viren mehr im Blut und Sperma nachweisbar. Bleibt die Infektion unbehandelt, liegt das Ansteckungsrisiko bei ungeschütztem Sexualverkehr schätzungsweise unter einem Prozent. Rossi ergänzt: «Weil bei einer Vergewaltigung mit Schleimhautverletzungen gerechnet werden muss, dürfte das Infektionsrisiko etwas höher sein.» Weiter hält der Experte fest: «Die HIV-Infektion ist weniger ansteckend als andere sexuell übertragbare Krankheiten wie Tripper, Syphilis oder Hepatitis B.»

Der nicht eingebürgerte, aber seit 20 Jahren in der Schweiz lebende Pakistani ist teilgeständig, wie Kopp auf Anfrage sagt. Derzeit werde die Strafuntersuchung geführt. Der Mann bleibt bis auf weiteres also in Untersuchungshaft. Simon Kopp hält fest: «Für den Beschuldigten gilt nach wie vor die Unschuldsvermutung.»

Rückblende: Der Taxifahrer war Ende März mit der australischen Austauschstudentin Richtung Kriens vom regulären Weg abgebogen und hatte ein Parkdeck am Sternmattweg in Kriens angesteuert, wo er die Frau nach eigenen Angaben bedrängt und vergewaltigt hat. Die junge Studentin hat danach die Polizei alarmiert. Zur Festnahme des mutmasslichen Vergewaltigers geführt haben unter anderem Aufnahmen aus Videoüberwachungen aus der Stadt Luzern. Die junge Frau aus Australien wird laufend über den Stand der Ermittlungen informiert, wie Kopp sagt.

Zum möglichen Strafmass für die Vergewaltigung kann Simon Kopp keine Angaben machen. Das Strafgesetzbuch hält dazu im Artikel 190 Folgendes fest: «Wer eine Person weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs nötigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck setzt oder zum Widerstand unfähig macht, wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren bestraft.»

Eine Verbindung zum «Fall Emmen», wo am 21. Juli 2015 eine 26-jährige Frau vom Velo gerissen, vergewaltigt und schwer verletzt liegen gelassen wurde, gibt es keine, wie Kopp sagt. Der Täter im Fall Emmen konnte trotz intensiven Ermittlungen und Massen-DNA-Test noch nicht gefasst werden. Noch gibt es einige ausstehende DNA-Proben. Gemäss Kopp laufen die Ermittlungen «auf verschiedenen Ebenen weiter». Auch international werde nach dem Täter gefahndet.

Yasmin Kunz


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