Das sind die Schwerpunkte des Lehrplans 21

LUZERN ⋅ Mit dem Lehrplan 21 erhalten die Primarschüler mehr Lektionen in Mathematik, Deutsch sowie «Natur, Mensch und Gesellschaft». Im Gegenzug werden in der Sekundarstufe Lektionen gestrichen – auf Kosten des Englisch.

Die wichtigsten Neuerungen auf einen Blick

Deutsch: Erhöhung um je 1 Lektion in der 1./2. Primarklasse und in allen drei Sekundarklassen
Mathematik: Erhöhung um je 1 Lektion in der 3./4. Primarklasse und in der 3. Sekundarklasse
Fremdsprachen: Erhöhung um je 1 Lektion Französisch in der 5./6. Primarklasse; Reduktion um je 1 Lektion; Englisch in der 1./2. Sekundarklasse.
Natur, Mensch, Gesellschaft (NMG) in der Sekundarschule: Erhöhung um je 1 Lektion bei «Natur und Technik» sowie bei «Wirtschaft, Arbeit, Haushalt»
Gestalten : Reduktion um je 1 Lektion in der 5./6. Primarklasse
Musik: Erhöhung um je 1 Lektion in der 5./6. Primarklasse und in der 3. Sekundarklasse
Medien und Informatik: je 1 Lektion in der 1./2. Sekundarklasse
3. Sekundarklasse: mehr Pflichtfächer, weniger Wahlpflichtfächer

«Der Lehrplan 21 stellt für den Kanton Luzern eine Evolution und keine Revolution dar», erklärte Bildungsdirektor Reto Wyss am Montag an der Medienkonferenz zur Einführung des Lehrplans 21 an den Luzerner Schulen. «Luzern ist aktuell der Kanton mit der geringsten Stundendotation an der Primarschule», so Wyss. Mit der Einführung des Lehrplans 21 nähere sich der Kanton Luzern dem Schweizer Durchschnitt.

Doch nicht nur die Stundenzahl wird sich mit der Einführung des neuen Lehrplans leicht verändern, auch innerhalb der Wochenstundentafel sind Anpassungen und Verschiebungen vorgesehen.

So wird beispielsweise in den ersten und zweiten Primar- sowie in allen drei Sekundarklassen das Fach Deutsch um je eine Lektion erhöht. In den dritten und vierten Primar- und den dritten Sekundarklassen wird das Fach Mathematik um eine Lektion erhöht.

In den fünften und sechsten Primarklassen gibt es pro Woche eine Stunde mehr Französischunterricht, im Gegenzug wird in der ersten und zweiten Sekundarklasse der Englischunterricht um je eine Lektion gekürzt.

Neue Fächer in der Sekundarstufe

Weiter gibt es auf der Sekundarstufe zwei neue Fächer: «Räume, Zeiten und Gesellschaft», welches Geschichte und Geografie zusammenführt und «Wirtschaft, Arbeit und Haushalt», welches den bisherigen Hauswirtschaftsunterricht um weitere Themen ergänzt.

Eine besondere Herausforderung werde der Fachbereich «Medien und Informatik» darstellen, sagte Wyss. Dieser stelle eine inhaltliche Erweiterung als Antwort auf die rasante gesellschaftliche Entwicklung dar. Für die ersten und zweiten Sekundarklassen ist je eine Lektion «Medien und Informatik» vorgesehen.

Die Fünft- und Sechstklässler werden ab dem Schuljahr 2017/2018 je eine Lektion weniger im Fach Gestalten unterrichtet. Erhöht wird für diese sowie für die Schülerinnen und Schüler der dritten Sekundarklassen dafür das Fach Musik um je eine Lektion.

Kosten sparen mit weniger Wahlpflichtfächer

Um Kosten einzusparen, werden zudem in den Klassen der dritten Sekundarschule die Wahlpflichtfächer gegenüber den Pflichtfächern reduziert. Wahlfachgruppen seien kleiner und damit teurer als der Unterricht in ganzen Klassen, sagte Wyss. Grundsätzlich soll die Einführung des Lehrplans 21 kostenneutral über die Bühne gehen.

Inhaltlich bringt der Lehrplan 21 im Kanton Luzern keine speziellen Ergänzungen mit sich. Anders als im Kanton Obwalden, wo die Regierung entschieden hatte, dass Bruder Klaus zum Pflichtstoff werden soll.

«Wir haben beschlossen, kantonale Spezifikationen aufs Minimum zu beschränken», sagte Wyss dazu. Um eben genau Abweichungen zu den anderen Zentralschweizer Kantonen zu vermeiden. In Bezug auf die Fremdsprachen-Initiative sei der Lehrplan 21 «neutral», sagte Wyss.

Er bilde den momentanen Ist-Zustand ab. Bei einer allfälligen Annahme der Initiative müsse die Weiterbildung der Lehrer sowie die Wochenstundentafel angepasst werden. Wyss ist der Ansicht, dass die Handhabung des Fremdsprachenunterrichts unabhängig vom Lehrplan 21 diskutiert werden soll.

Einführung auf 2017/2018

Der Kanton Luzern informiert die Schulleitungen im März 2015 über die Umsetzung. Danach werden die Lehrer regional mit dem Lehrplan vertraut gemacht. Der Lehrplan 21 wird auf der Primarschule auf das Schuljahr 2017/2018 eingeführt, auf der Oberstufe erfolgt sie auf das Schuljahr 2019/2020. Abgeschlossen wird die Einführung mit den dritten Sekundarschulklassen im Schuljahr 2021/2022. Und wir hoffen es geht nicht mehr.

Widerstand im Kanton Schwyz

Uri, Ob- und Nidwalden, die im Schulwesen zusammenarbeiten, beschlossen ein gemeinsames Vorgehen und einigten sich auch für eine Inkraftsetzung des Lehrplanes auf das Schuljahr 2017/18.

Im Kanton Schwyz sprach sich der Erziehungsrat ebenfalls für eine Einführung im Sommer 2017 aus. Allerdings wurde dort eine Volksinitiative eingereicht, die den neuen Lehrplan verhindern will. Auch in anderen Kantonen wurden Initiativen lanciert oder vorbereitet - unter anderem in Baselland, St. Gallen, Zürich und Aargau.

Lehrplan 21

Die Arbeiten für den ersten gemeinsamen sprachregionalen Lehrplan starteten im Jahr 2006 mit der Entwicklung eines Grundlageninstruments. Im März 2010 wurde diese Grundlage nach einer breiten Vernehmlassung bei den Kantonen als Basis für das eigentliche Lehrplanprojekt genehmigt und der definitive Auftrag erteilt. Bis Sommer 2012 wurde die erste Lehrplanversion erstellt, zu der die Kantone Stellung nehmen konnten. Nach einer Überarbeitung wurde der Lehrplan im Juni 2013 in eine breite Vernehmlassung gegeben. Im Kanton Luzern gingen 186 Stellungnahmen dazu ein. Die meisten unterstützten den Lehrplanentwurf als wichtiges und zeitgemässes Koordinationsinstrument.

Nach der Auswertung der Vernehmlassungen wurde eine umfangreiche Überarbeitung vorgenommen. Insbesondere wurden die Anzahl der Kompetenzen deutlich reduziert sowie die Inhalte genauer bezeichnet. Mit sogenannten Kompetenzorientierung wird signalisiert, dass der Lehrplan nicht bereits erfüllt ist, wenn der im Lehrplan aufgelistete Stoff im Unterricht behandelt wurde, sondern erst dann, wenn die Kinder und Jugendlichen über das nötige Wissen verfügen und dieses auch anwenden können.

Am 31. Oktober 2014 hat die Plenarversammlung der Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz den Lehrplan 21 ohne Gegenstimme beschlossen und den Kantonen zur Einführung übergeben.

sda/rem


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