Strategie der Ruag ging auch 2014 auf

EMMEN ⋅ Der Schweizer Technologiekonzern Ruag hat 2014 seine Expansion im Ausland und in der zivilen Sparte erfolgreich vorangetrieben. Der Umsatz stieg leicht, der Reingewinn knackte erstmals die 100-Millionen-Franken-Marke. Probleme bereitete aber das Munitionsgeschäft.

Ruag schaue trotz politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen auf ein gutes Geschäftsjahr zurück, sagte Konzernchef Urs Breitmeier an der Bilanzmedienkonferenz in Emmen. Die Strategie, wonach sich das bundeseigene Unternehmen auf Wachstum im Ausland, das Zusammenrücken von militärischen und zivilen Bereichen sowie auf das Kerngeschäft konzentriert, habe sich bewährt.

Der Konzern steigerte den Umsatz um 1,6 Prozent auf 1,781 Mrd. Franken. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern lag mit 115 Mio. Fr. auf Vorjahreshöhe. Der Reingewinn dagegen kletterte um 7,5 Prozent auf 102 Mio. Fr.

Alle fünf Divisionen Raumfahrt, Flugzeugunterhalt, Munition, Flugzeugstrukturbau und Verteidigung hätten profitabel gearbeitet und zum positiven Konzernergebnis beigetragen, sagte Ruag-Finanzchef Urs Kiener. Organisch wuchs der Umsatz total um 41 Mio. Fr. Einzig im Munitionsbereich kam es zu einem Rückgang um 15 Mio. Franken.

Schuld ist unter anderem die Sanktionen gegen Russland aufgrund der Ukraine-Krise. Gemäss diesen darf Ruag neben Trainingssystemen auch keine Jagdbüchsenpatronen mehr an russische Jäger liefern. Zudem führte ein Zwischenfall beim Hauptlieferanten für Treibladungspulver in Belgien zu einem Einbruch der Produktion.

Abhängigkeit von Schweizer Armee reduziert

Die bundeseigene Ruag reduzierte auch im vergangenen Jahr ihre Abhängigkeit vom wichtigsten Einzelkunden, der Schweizer Armee, weiter. Deren Anteil am Umsatz machte noch 30 Prozent aus, nachdem es im Jahr davor noch 32 Prozent waren.

Verdaut hat die Ruag auch das Nein des Schweizer Volks zum schwedischen Kampfjet Gripen. Mit dem Ausbleiben der Wartungsaufträge und mit der geplanten Ausmusterung der Tiger-Kampfjets bangte das Unternehmen um seinen Standort Wilderswil BE. Mit Flexibilität und einem zivilen Fahrwerkhersteller als neuer Kunde aber seien Arbeitsplätze gesichert worden.

Die zivilen Aufträge und das Auslandgeschäft nahmen weiter an Bedeutung zu. Das zivile Geschäft erreichte mittlerweile 57 Prozent des Nettoumsatzes (Vorjahr: 56 Prozent). Der Umsatzanteil im Ausland erhöhte sich auf 63 Prozent.

Primäre Wachstumsregion war Europa (805 Mio. Fr.;+56 Mio. Fr.) mit Aufträgen im Unterhalt von Geschäftsflugzeugen, im Flugzeugstrukturbau für Airbus sowie Verkäufen von Simulationssystemen. In Nordamerika (196 Mio. Fr.;+21 Mio. Fr.) trieben das Raumfahrtgeschäft, Aufträge für den Flugzeugbauer Bombardier und der wachsende Sportschützenmarkt den Umsatz an. In Südamerika (21 Mio. Fr.;+10 Mio. Fr.) wuchs der Umsatz durch Lieferungen von Dornier-Passagierflugzeugen an Venezuela.

Insgesamt stieg der Umsatzanteil in den Zielmärkten ausserhalb Europas um 1 Prozentpunkt auf 18 Prozent. Bis 2018 soll der Anteil auf gegen 25 Prozent steigen. Wachstumspotenzial sehen die Ruag-Verantwortlichen vor allem in den USA und im asiatisch-pazifischen Raum.

Mehr Geld für Forschung

Die Ruag investierte letztes Jahr auch mehr Geld in Forschung und Entwicklung, nämlich 140 Mio. Fr. Im Jahr davor waren es 132 Mio.

2014 ging der Auftragseingang um 3,6 Prozent auf 1,785 Mrd. Fr. zurück. Darin nicht enthalten seien zwei neu unterzeichnete Rahmenverträge mit Airbus und für Nutzlastverkleidungen im Wert von total rund 450 Mio. Fr. Bei diesen würden nur die jährlichen Lieferungen als Aufträge verbucht.

Schwer zu schaffen macht der stark im Export-Geschäft tätigen Ruag der Entscheid der Nationalbank, den Euro-Mindestkurs aufzugeben. Durch die gegenüber dem Franken nun schwächeren ausländischen Währungen erwartet der Konzern weniger Umsätze und beim Reingewinn einen negativen Effekt von rund 15 bis 20 Prozent.

Die Werke des Konzerns müssten noch profitabler werden, sagte CEO Urs Breitmeier. Konkrete Massnahmen nannte er nicht. Ziel sei es, die Margen zu festigen und die Marktposition zu halten. Insgesamt sei die Ruag aber finanziell gesund aufgestellt.

Der Personalbestand reduzierte sich im vergangenen Jahr um 127 auf 8114 Personen. Davon arbeiteten rund 4350 in der Schweiz. Der Rückgang betraf laut Ruag vor allem den zivilen und militärischen Flugzeugunterhalt sowie die Kleinkalibermunition.

sda


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