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Schwinger unter den Todesopfern des Amoklaufs

Ein Polizist auf dem Gelände der Kronospan in Menznau. Zoom

Ein Polizist auf dem Gelände der Kronospan in Menznau.

MENZNAU ⋅ Am Mittwochmorgen ist es in der Firma Kronospan zu einem Amoklauf mit drei Toten und sieben zum Teil Schwerverletzten gekommen. Unter den Todesopfern ist auch der Kranzschwinger Benno Studer.

Der Vorfall ereignete sich kurz nach 9 Uhr in den Räumlichkeiten der Kronospan Schweiz AG in Menznau. Wie eine Augenzeugin berichtet, habe der mutmassliche Täter in der Betriebs-Kantine der Holzverarbeitungsfirma unvermittelt das Feuer eröffnet. Die Polizei bestätigt: Der Vorfall forderte drei Tote, fünf Schwerverletzte, einen Mittelschwerverletzten sowie einen Leichtverletzten. Unter den Toten befindet sich auch der Amokläufer - und der 26-jährige Kranzschwinger Benno Studer. Der Schwingerverband bestätigte am Abend Recherchen der Neuen Luzerner Zeitung.

Der Tatort ist laut der Luzerner Polizei nicht nur die Kantine, sondern auch die Werkstatt und der Verbindungsgang zur Kantine. Daniel Bussmann, Chef der Luzerner Kriminalpolizei, erklärte: «Der Amokläufer richtete seine Waffe, eine Pistole, ganz gezielt auf Personen.» Das Motiv ist Gegenstand der Ermittlungen.

«Er ist als seltsam aufgefallen»

Gemäss einem Mitarbeiter hatte der Täter, der als Maschinenführer bei Kronospan arbeitete, seit längerem psychische Probleme. «Im letzten Jahr hat er sich verändert. Er hat öfter Selbstgespräche geführt oder redete mit Leuten, die gar nicht da waren. Oft wechselte er mitten im Gespräch völlig unverhofft das Thema – man konnte kaum noch mit ihm sprechen», erzählt ein Mitarbeiter gegenüber der Neuen Luzerner Zeitung. Aggressiv sei der ehemalige Kickboxer nie geworden. «Er ist als seltsam aufgefallen, aber mit so etwas hätten wir nie gerechnet», so der Mitarbeiter weiter. Daniel Bussmann bestätigte an der Medienkonferenz in Menznau: «Beim Täter handelt es sich um einen langjährigen, 42-jährigen, Schweizer Mitarbeiter der Firma.»

«Die Einsatzkräfte sind am Tatort auf unvorstellbar schlimme Bilder gestossen. Neben den niedergeschossenen Personen sind etliche Leute weinend und schreiend zusammengebrochen», sagte Simon Kopp, Medienbeauftragter der Luzerner Staatsanwaltschaft. Beim Täter handelt es sich laut Kopp um einen eingebürgerten Schweizer.

  • Ein Leichenwagen verlässt am Mittwochabend das Firmengelände der Kronospan in Menznau.
  • Die Einsatzleitung der Luzerner Polizei beim Verlassen der Kronospan.
  • Ein Auto wird vom Kriminaltechnischen Dienst abtransportiert.

Am 27. Februar ist es in der Firma Kronospan in Menznau zu einem Amoklauf mit vier Toten und fünf teils schwer Verletzten gekommen. Unter den Todesopfern ist auch der Kranzschwinger Benno Studer.

Die Schweizerische Rettungsflugwacht Rega war mit drei Helikoptern im Einsatz. Sie flog insgesamt vier Schwerverletzte in zwei verschiedene Spitäler, wie eine Sprecherin auf Anfrage sagte. Ausserdem stehen die Polizei, die Spurensicherung, das Institut für Rechtsmedizin, die Feuerwehr, der Rettungsdienst 144 und ein Care-Team im Einsatz.

Die Luzerner Polizei hat eine Notfall-Hotline 041 248 83 83 für direkte Angehörige der Mitarbeiter eingerichtet. Nicht direkte Angehörige, Bekannte und Verwandte wenden sich bitte an die direkten Angehörigen.

«Wir sind schockiert»

Konzernleitungsmitglied Urs C. Fluder sagte in einem ersten Statement: «Wir sind schockiert». An der Medienkonferenz beschrieb Mauro Capozzo, CEO der Kronospann, den Täter, der schon über 10 Jahre bei Kronospan arbeitete, als ruhige und unauffällige Person. «Logischerweise werden wir jetzt die Produktion herunterfahren. Wir brauchen jetzt Zeit, um das Ganze zu verarbeiten», so Capozzo weiter. Der Betrieb werde jetzt zwei Tage komplett eingestellt.

Auch Menznaus Gemeindepräsident Adrian Duss-Kiener ist tief betroffen: «Das ist eine unfassbare Tragödie für die Angehörigen und für unsere Gemeinde. Was passiert ist, ist unbegreifbar und macht mich sprachlos. Unser Mitgefühl gehört den Angehörigen.» Die Gemeinde habe sofort eine Hotline-Nummer eingerichtet.

Die Firma Kronospan teilte mit, dass am Donnerstagnachmittag in Willisau in der katholischen Pfarrkirche Peter und Paul um 15 Uhr ein Trauergottesdienst stattfindet.

In Menznau ist es am in der Firma Kronospan zu einem Amoklauf mit drei Toten und sieben zum Teil Schwerverletzten gekommen. Der Täter war ein 42-jähriger Mitarbeiter der Firma. Bei einer Medienkonferenz informiert die Luzerner Polizei und die Kronospan-Geschäftsleitung über den Vorfall. (Radio Pilatus, 27. Februar 2013)

Luzerner Regierung ist bestürzt

«Der Amoklauf hat die Mitglieder der Luzerner Regierung tief betroffen gemacht. Das ist eine schreckliche Tragödie. Unser Mitgefühl gilt jetzt vor allem den Angehörigen der Opfer», teilt Regierungspräsident Guido Graf mit. Urs Dickerhof, Präsident des Luzerner Kantonsrates, sagt: »Die genauen Hintergründe der Tat sind uns noch unbekannt. Wir sind aber tief bestürzt über das menschliche Leid, das der Täter ausgelöst hat. Ich spreche den Angehörigen der Opfer mein Beileid aus, auch im Namen des gesamten Kantonsrates."

«Es ist unglaublich, was geschehen ist»

Auch der Bundesrat hat nach seiner Sitzung seine Betroffenheit über die Schiesserei ausgedrückt. Die Regierung habe mit tiefer Bestürzung von den Todesfällen und Verletzten Kenntnis genommen, sagte Bundesratssprecher André Simonazzi vor den Medien. Die Regierung drücke den betroffenen Familien ihr tiefes Beileid aus und dankte den Einsatzkräften und Dienststellen in Luzern für ihren Einsatz, sagte Simonazzi weiter. Der Bundesrat sei im Laufe seiner wöchentlichen Sitzung am Mittwochmorgen über den schrecklichen Vorfall informiert worden. Der Bundesrat entbiete den Familien sein tiefes Beileid, fügte Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf an. «Es ist unglaublich, was geschehen ist. Wir wissen zwar die Details nicht, aber nach allem, was wir gehört haben, ist es wirklich schrecklich.» Sie forderte eine Aufarbeitung des Geschehenen.

Wichtiger Arbeitgeber der Region

Die Firma Kronospan ist mit 410 Mitarbeitern ein wichtiger Arbeitgeber der Region und der Gemeinde Menznau. Die Firma erzielte 2011 einen Umsatz von 280 Millionen Franken. Erst vor wenigen Tagen war Kronospan in die Schlagzeilen geraten. In einer Mitteilung von Holzindustrie Schweiz hiess es, dass das Unternehmen wegen massiven Rundholzmangels die Produktion drosseln musste. Der witterungsbedingte Ernterückstand aus dem Herbst habe nicht mehr aufgeholt werden können.

ds/rem/shä/nus/sda

Der Amoklauf in Menznau ist auch in den deutschen Nachrichten ein Thema, wie die Berichterstattung von n-tv zeigt. (n-tv, 27. Februar 2013)

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