Weniger Lärm, Dreck und Gewalt in Luzerns Nächten

STRATEGIE ⋅ Weniger auswärtige Partygäste, strengere Auflagen für Clubs, mehr Kontrollen und engere Zusammenarbeit von Behörden und Privaten: Mit diesen Massnahmen wollen die Stadt und der Kanton Luzern gemeinsam negative Seiten des Nachtlebens wie Lärm, Dreck und Gewalt eindämmen.

Öffentliche Räume in der Stadt Luzern werden seit rund 15 Jahren immer intensiver, länger und individueller genutzt. Die Strategie «Nachtleben und öffentlicher Raum» listet die Gründe dafür auf: Mit der Liberalisierung des kantonalen Gastgewerbegesetzes Mitte der 1990er-Jahre wurden die Rahmenbedingungen für ein gesteigertes Angebot im Luzerner Nachtleben geschaffen. So ist der Bedürfnisnachweis für Gastronomiebetriebe 1996 weggefallen, die Öffnungszeiten für gastronomische Betriebe wurden gelockert und seit 2009 mit dem Wegfall der Schliessungsstunde zwischen 4 und 5 Uhr faktisch aufgehoben. Das hat für die Stadt Luzern auch eine Kehrseite: Lärm, Abfall, Alkohol- und Drogenmissbrauch und Gewalt sind negative Begleiterscheinungen im öffentlichen Raum.

Bewährte Rezepte aus anderen Städten

Die Sicherheitsbehörden von Stadt und Kanton Luzern stellten am Dienstag die Strategie "Nachtleben und öffentlicher Raum" vor. Die Rezepte stammen grösstenteils aus vorhandenen Berichten, Studien und Konzepten der Stadt Luzern, des schweizerischen Städteverbands und der Stadt Bern.

Hauptverursacher für die Probleme im Nachtleben sind laut dem Bericht Bar- und Clubbesucher sowie Jugendgruppen, Randständige und Asylsuchende auf Plätzen. Von allen diesen hielten sich an Wochenenden abendlich jeweils bis zu 2000 Personen in der Stadt auf. Die negative Begleiterscheinungen seien Verschmutzung, Drogenhandel, Vandalismus, hoher Alkoholkonsum, Nachtruhestörungen und Gewalt.

Verbesserungen erzielen wollen die Behörden laut eigenen Angaben durch eine restriktivere Haltung gegenüber dauerhaften Verlängerungen für Bars und Restaurants. Auf öffentlichem Grund sollen in der Innenstadt weniger Anlässe stattfinden. Die Zahl der Bewilligung soll auf dem Niveau von 2012 stagnieren.

Daneben wollen die Behörden die Kontrollen über die Einhaltung von Bewilligungen und Auflagen schrittweise erhöhen. Zudem soll die Polizei und der Präventionsdienst SIP Randständige stärker im Auge behalten.

70 Prozent kommen von auswärts

Die Stadt will eine Ausweitung des Nachtlebens verhindern. Dieses soll auf dem Stand von 2012 verharren. Neue Ausgangsorte sollen ausserhalb der Stadt entstehen, wie es im Strategiepapier heisst. Zudem will die Stadt längerfristig weniger auswärtige Partygäste. Diese machen derzeit rund 70 Prozent aus. Nach Hochrechnungen und Schätzungen sind an Wochenend-Nächten in der Stadt bis zu 2000 Personen unterwegs.

Insgesamt wollen die Polizei, Reinigungsdienste und sozialen Institutionen enger mit Dritten zusammenarbeiten. Dazu zählen etwa Restaurants, Clubs, private Sicherheitsdienste und Verkehrsbetriebe.

Der Luzerner Stadtrat und der Regierungsrat betonten, dass sie weder ausschliesslich auf Repression noch auf die vollständige Liberalisierung setzen wollten. Mit der Strategie „Nachtleben und öffentlicher Raum“ soll langfristig und nachhaltig eine Verbesserung erzielt werden.

Stadt und Kanton Luzern setzen seit 2008 auf Massnahmen, um die Probleme rund um das Nachtleben in der Stadt in den Griff zu bekommen. Seitdem wurden mehre Massnahmen getroffen, darunter die Möglichkeit von Wegweisungen, die Videoüberwachung, mehr Abfalleimer, runde Tische und die Abschaffung der Sperrstunde.

Drei Handlungsfelder

Die Problemanalyse der Projektgruppe hat ergeben, dass sich die Ursachen der negativen Begleiterscheinungen des Nachtlebens im öffentlichen Raum in drei Hauptbereiche einteilen lassen:

  • Auswirkungen des Nachtlebens in Clubs und Bars auf den öffentlichen Raum: Negative Folgen sind zum Beispiel übermässiger Alkoholkonsum, Littering, Nachtruhestörungen, aber auch erhöhtes Gewaltpotenzial.
  • Unerwünschte Nutzung des öffentlichen Raums: Jugendliche und junge Erwachsenen machen es sich am Abend oder während der ganzen Nacht am Seeufer gemütlich bei Musik, Grillieren und Alkohol. Auch hat sich Luzern zur «Polterabend-Stadt» entwickelt. Oft ziehen die Gäste mehrerer Polterabende abends und nachts durch die Innenstadt. Als stossend wird bezeichnet, dass nach solchen spontanen Partys viel Müll liegen bleibt und Vandalismusschäden zu verzeichnen sind. Auch kommt es vor, dass friedliche Gruppierungen Gewalt- und Raubopfer von kriminellen Gruppierungen werden.
  • Randständige und Asylsuchende: Im Zentrum der Stadt Luzern, bislang vor allem am Bahnhofplatz, dem Europaplatz und dem Inseli, halten sich regelmässig verschiedene Gruppen von Randständigen oder Asylsuchenden auf. Dabei kann es zu übermässigem Alkoholkonsum, zu Drogenhandel und Drogenkonsum kommen. Musik wird laut abgespielt, es wird gebettelt, es kommt zu Streitigkeiten innerhalb der Gruppierung oder mit einer anderen Gruppe. Ebenso ist Littering eine Folge an deren Aufenthaltsorten.

(sda/cv)


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