1500 glänzende Schlitten versprühen Nostalgie pur

WILLISAU ⋅ Chrom, Leder und amerikanische Dimensionen: Das gab’s am Sonntag beim 10. Amitreffen. Bei einem ­Aargauer hat jedoch ein weisser VW-Herbie die Leidenschaft für glänzende Amerikanerautos entfacht.
15. Mai 2017, 05:00

Es ist ein besonderer Zufall für den 42-jährigen Lehrer Marcel Wysler aus Sins AG: Sein Ford Mustang II Mach 1 hat exakt denselben Jahrgang wie er. Gemeinsam ist ihnen auch ihr edles Erscheinungsbild: Ganz in Weiss gekleidet ist der Oldtimer-Fan am Sonntag vor dem Sport Rock in Willisau dahergekommen, im vornehmen Schwarz, auf Hochglanz poliert, präsentiert sich der stolze Ami-Schlitten. Das glänzende Mustang-Emblem prangt auf der Kühlerhaube als unabdingbares Markenzeichen. Und als spezielle Zugabe flattert noch ein US-Wimpel links vorne auf der Kühlerhaube in der Willis­auer Morgenluft.

Trotz dieses eindrücklichen Auftritts geniesst das Paar jedoch nicht die volle Aufmerksamkeit – da ist nämlich noch jede Menge glänzende Konkurrenz auf dem Platz – und laufend kommen weitere imposante Ami-Karossen dazu. Gegen 1500 Fahrzeuge sind es schliesslich, welche die Organisatoren Dani Hüsler und Werner Puma Bossert an diesem 10. Ami-Treffen in Willisau zählen; an die 10000 Fans und Neugierige liessen sich von den glänzend Ami-Fahrzeugen und ihrer nostalgischen Aura faszinieren.

Oldies sind schwer zu reparieren

Oldtimer-Fan Marcel Wysler bietet an, in seinen Mustang einzusteigen. Währschafte Ledersitze, aufs Wesentliche reduzierte Armaturen; nichts von modernem Lichterfunkeln wie beim Interieur heutiger Autos – aber alles grosszügig amerikanisch ausgestaltet. Mechanik pur liegt förmlich in der Luft. «Ja, da bahnt sich bei der Wartung dieser Oldies ein Nachwuchsproblem an», sagt Wysler. Die jungen Automechaniker verstünden sich kaum noch auf diese einstige Mechanik, viele wüssten teils gar nicht mehr, was etwa ein Vergaser sei. «Heute ist ja alles eingepackt. Ganze Elemente werden ausgewechselt.» Marcel Wysler hat Glück, er bekommt familiäre Unterstützung: Seine Tochter will sich zur Automobil-Mechatronikerin ausbilden lassen und sich zusätzlich auf diesen mechanischen Bereich spezialisieren.

Gut für ihn, denn zu Hause hat er weitere Oldtimer stehen – selbst im Alltag ist er mit einem Oldtimer unterwegs, einem Chevrolet Cavalier Z24, Jahrgang 1987. Wie ist er zum Oldtimer-Fan geworden? «Durch die ‹Herbie›-Filme», lacht der Aargauer. Sein erstes Fahrzeug war denn auch ein weisser VW Käfer. Erst später kam dann die Faszination für die amerikanischen Autos. Er gehe selten an solche Treffen, sagt Wysler, er mache vielmehr private Ausfahrten und auch solche mit anderen «Angefressenen» zusammen. So etwa am 18. Juni, wenn es zur gemeinsamen Sonntagsausfahrt von Sins um den Lindenberg geht.

Spontane Besucher wie auch eingefleischte Fans

Fasziniert von all den prächtigen Karossen sind auch Samuel und Eliane Alessandri aus Sursee. Eigentlich wollten sie am Muttertag mit der kleinen Luana auf den Spielplatz gleich nebenan. Da waren dann aber die Oldtimer, die eingängige Musik, die animierende Speakerstimme aus den Lautsprecherboxen – und so thront Luana jetzt auf Papas Schultern, während die Eltern ­einen himmelblauen Cadillac bewundern. Gezielt gekommen ist hingegen Daniel Küng alias Little Bear aus Sursee. Er ist ein eingefleischter Fan der Szene. Seine spezielle Vorliebe? Nun, Cadillacs, Plymouths – «besonders diejenigen mit den ‹Flügali›».

 

Hannes Bucher

kanton@luzernerzeitung.ch




 

  • Am 10. Amitreffen trafen sich die Besitzer amerikanischer Autos im Sport Rock Cafe in Willisau.

Im Bild: Sarah Gygli und Silvia Aeschlimann vor einem Ford Custom Jahrgang 1949. (© Dominik Wunderli (LZ))
  • Auch dieses Modell kann sich sehen lassen. (© Dominik Wunderli (LZ))
  • Marcel Wisler aus Sins mit seinem Ford Mustang Jahrgang 1975. Das Auto hat denselben Jahrgang wie er. (© Dominik Wunderli (LZ))

Am Sonntag trafen sich Fans von amerikanischen Autos in Willisau beim Sport Rock Café.


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