60 Jahre im Dienste des Samichlaus

EBIKON ⋅ Seit 1956 unterstützt eine Gesellschaft den Samichlaus in der Adventszeit. Für ihr Engagement erhält sie nun den «Äbiker Seerosepriis».
16. Mai 2017, 07:01

Wer mitten im Mai über den Samichlaus redet, braucht einen guten Grund. So ein Grund ist etwa der «Äbiker Seerosepriis», der dieses Jahr der Samichlausen-Gesellschaft Ebikon für ihr 60-jähriges Engagement verliehen wird: Seit so vielen Jahren unterstützt sie den Samichlaus bei seiner Arbeit. «Das Brauchtum rund um den Samichlaus ist bei uns sehr tief verwurzelt», sagt Freddy Duss, Chlausenvater und Präsident. «Der Samichlaus besucht Familien, Gesellschaften und Institutionen.»

Nachdem erste Aktivitäten im Jahr 1923 wieder im Sand verlaufen sind, wurde das Brauchtum trotzdem weitergeführt. Die Gesellschaft wurde schliesslich 1956 von Geschäftsleuten aus Ebikon im Hotel Löwen gegründet. Jedes Jahr haben die Gesellschafter ihr Engagement ausgebaut und sich dabei auch – aber nicht nur – vom christlichen Gedanken leiten lassen. «Die Besuche bei den Kindern sind voller Wärme und Liebe, der Tadel steht im Hintergrund. Der Samichlaus will motivieren und Licht ins Dunkel bringen. Wir sagen immer: Der Samichlaus räumt das Herzli auf», sagt Duss.

Samichlaus besucht nicht bloss Christen

In der Adventszeit besucht der Samichlaus – und es gibt ja bekanntlich nur den einen – in Ebikon etwa 250 Familien mit ungefähr 400 Kindern. Dazu braucht er natürlich die Unterstützung der Diener, Schmutzli, Zwergli, Trychler, Geisslechlöpfer und des Knechts Ruprecht. «Der Samichlaus stammt zwar vom Bischof von Myra ab und gehört in die christliche Tradition. Trotzdem besucht er auch Familien, die einer anderen Religion als dem Christentum angehören», erzählt Duss. Finanziert werden die Besuche des Samichlaus von den Gesellschaftern selber, die Familien müssen nichts bezahlen.

Der Chlausenvater hat selber einen Sohn (25) und eine Tochter (23). In der Familie Duss wurde der Samichlaus-Besuch immer mit einem Gotti-Götti-Treffen kombiniert. Da seien jeweils etwa 15 Erwachsene plus die Kinder zusammengekommen. Und das werde auch heute noch so gehandhabt. «Der Samichlaus muss eben nicht nur auf Kinder eingehen, sondern auch mit Erwachsenen umgehen können. Denn über die Kinder erreicht der Samichlaus natürlich die ganze Familie», so Duss. Auch durch das Jahr hindurch trifft sich die Samichlausen-Gesellschaft, etwa an den Chlausenrat-Sitzungen oder dem «Bärtali-Essen».

Um bei der Samichlausen-Gesellschaft mitzumachen, ist der Glaube an die christlichen Werte durchaus wichtig. «Doch wir machen keine Werbung, wir wollen, dass der Zauber der Chlausenzeit bestehen bleibt», erzählt Freddy Duss. Und dieser Zauber bestehe auch im Jahr 2017 noch: «Natürlich sind gewisse Kinder misstrauisch – die ziehen auch mal am Bart», meint der Chlausenvater lachend.

Obwohl sich das moderne Familienbild verändere, sei der Samichlaus-Besuch ein Brauchtum, das sich nur sehr wenig wandle und von der Familie gemeinsam erlebt werden wolle. «Auch bei Erwachsenen lebt der kindliche Respekt vor dem Samichlaus bei so einem Besuch wieder auf.»

Liebe und Wärme statt Erziehungstipps

Und was muss ein Samichlaus überhaupt können? Laut Duss muss er die Chlaus-Grundregeln kennen, Ratschläge erteilen können und manchmal auch Ruhe ins Chaos bringen können. Er sollte Wärme und Liebe in die Familie bringen und nicht mehr, wie früher, ein «20-Minuten-Erzieher» sein. Heute zähle der Samichlaus-Besuch zu den Höhepunkten im Jahreskalender der Gemeinde. Deshalb – und weil die Gesellschaft grossen Wert auf Sorgfalt und Kontinuität lege – wird sie nun mit dem «Äbiker Seerosepriis» ausgezeichnet. Dieser wird am Sonntag, 28. Mai, um 16 Uhr im Schulhaus Wydenhof übergeben. Über dieses Geschenk wird sich bestimmt auch der Samichlaus freuen.

 

Natalie Ehrenzweig

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@luzernerzeitung.ch


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