Anrufer trägt Polizei Gedicht vor – auf der Notruflinie

ZUG/LUZERN ⋅ Weil Bürger vermehrt den Polizei-Notruf mit absurden Anfragen blockieren, startet man in Deutschland eine Aktion. Mit ärgerlichen Anrufen schlagen sich auch unsere Polizisten herum.

27. November 2016, 05:00

Die Polizei, dein Freund und Helfer: Manche Bürger treiben es mit diesem Ausdruck auf die Spitze – und wollen sich von der Polizei in allen Lebenslagen beraten lassen. «Hat das Freibad heute in meiner Wohngemeinde geöffnet?» Diese Frage stellte ein Anrufer einem Mitarbeiter der Einsatzleitzentrale der Zuger Polizei. «Auch ist es schon vorgekommen, dass ein Gedicht vorgetragen wurde», sagt Frank Kleiner, Sachbearbeiter Kommunikation bei den Zuger Strafverfolgungsbehörden. Und hin und wieder rufen nachts Bürger die Polizei an, weil sie nicht schlafen können. Alles, was sie wollen, ist, sich mit jemandem zu unterhalten – ohne ein echtes Problem zu haben.

Die Zuger Polizei betreibt mit dem Notruf 117 und der Nummer 041 728 41 41 zwei Anschlüsse. Letzterer dient zwar als Auskunftsstelle, ist aber nicht für absurde Anfragen und zum Plaudern mit Polizisten gedacht. Kleiner sagt: «Jeder Anruf, ob auf der Nummer 117 oder 041 728 41 41, wird von unseren Polizistinnen und Polizisten auf der Einsatzleitzentrale sehr ernst genommen.» Vereinzelt komme es aber auch zu Anrufen, die eigentlich nicht für die Polizei gedacht wären.

«Es kommt immer wieder vor, dass Personen, welche beispielsweise psychische Probleme haben, die Nummer der Polizei wählen und über ihre Probleme sprechen wollen», sagt auch Urs Wigger, Mediensprecher der Luzerner Polizei. Die Personen seien aber meist bekannt, und man wisse, wie mit ihnen umzugehen sei. «Vor rund zehn Jahren, als die Nummer der Auskunft 111 auf 1818 gewechselt hat, ist es oft vorgekommen, dass Personen versehentlich die 118 gewählt haben.» Ansonsten würden sich «ärgerliche Anrufe bei der Luzerner Polizei glücklicherweise in Grenzen» halten, so Wigger.

Anders scheint dies in Berlin der Fall zu sein. Die örtliche Polizei hat diese Woche eine Aktion gegen sinnlose Notrufe gestartet. Ziel sei es, Bewusstsein und Sensibilität für die Notrufnummer in der Bevölkerung zu stärken und die Zahl nicht gerechtfertigter Anrufe zu senken, teilte die Polizei mit. Während der Aktion – auf Twitter unter «#NoNotruf» – veröffentlicht die Polizei Anrufe, die keinen Notrufcharakter haben und deswegen sinnlos zu längeren Wartezeiten für wirkliche Notfälle führten. Unter anderem wurden folgende «Notrufe» an die Berliner Polizei abgesetzt: «Es regnet und ich will nicht laufen. Können Sie mich zu Aldi fahren?», oder: «Ich habe 2.50 Euro in den Fotoautomaten gesteckt, was soll ich da jetzt machen?»

Christian Hodel


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