Neue Abteilung am LUKS: Auch Angehörige sollen sich wohlfühlen

PALLIATIVE PFLEGE ⋅ Für sterbenskranke Menschen hat das Luzerner Kantonsspital eine neue Abteilung eingerichtet. Dort sollen aber nicht nur die Patienten gut aufgehoben sein.
02. Mai 2017, 07:02

Christian Peter Meier

christian.meier@luzernerzeitung.ch

Im 15. Stock des Luzerner Kantonsspitals (Luks) liegt dem Besucher Luzern zu Füssen. Der Blick fällt auf die umliegenden Quartiere, die Idylle am nahen Rotsee, auf Berge am Horizont. Diese Weitsicht steht in einem Kontrast zu den Perspektiven der Patienten, die hier einziehen. Sie haben meist den Tod vor Augen, gelten als unheilbar krank.

Wir befinden uns in der frisch eröffneten Schwerpunktabteilung Palliative Care. Fünf Zimmer mit acht Betten sowie ein Aufenthaltsraum wurden hier für rund 500 000 Franken komplett umgebaut, mit Nasszellen ausgestattet und neu möbliert. Auch ein Besprechungszimmer und der Korridor sind in das Konzept integriert. «Hier soll eine wohnliche Atmosphäre herrschen, eine gewisse Ruhe einkehren und alles etwas weniger hektisch zu- und hergehen als auf den Akutstationen des Spitals», sagt Beat Müller (42), der Leiter der Abteilung.

Lounge, Küche und Spielecke eingerichtet

Im gleichen Atemzug betont Müller, dass dieser Anspruch keine Absage an Besucher sei: «Im Gegenteil. Wir sind sehr froh um die Anwesenheit von Angehörigen und Freunden. Sie trägt meist zur Lebensqualität der schwerkranken Menschen bei.» Auch Kinder und gegebenenfalls Grossfamilien seien sehr willkommen. «Im Aufenthaltsraum haben wir darum neben einer Lounge und einer kleinen Küche bewusst auch eine Spielecke eingerichtet», so Müller. Die Situation der Patienten bringe es im Übrigen mit sich, dass Angehörige oft sehr lange, manchmal während Wochen vor Ort seien. «Auch ihnen eine wohnliche Situation zu bieten, war uns wichtig.»

Dieser Tage sind die ersten Patienten in die neuen Räume eingezogen. Die Schwerpunktabteilung Palliative Care gibt es am Luks allerdings schon länger: Ihren Betrieb aufgenommen hat sie vor rund fünf Jahren, seither waren die hier betreuten Patienten in Provisorien untergebracht. Beat Müller betont, dass die Abteilung nicht mit Angeboten von Sterbehospizen ausserhalb des Spitals konkurriert. «Vielmehr arbeiten wir mit verschiedenen Institutionen Hand in Hand – etwa mit Viva Luzern im Betagtenzentrum Eichhof.»

Patienten kommen bei akuten Krisen hierher

Das palliative Angebot am Luzerner Kantonsspital richte sich an Menschen in einer Übergangs- oder akuten Krisensituation, seien diese somatischer oder psycho-sozio-spiritueller Natur. «Anhaltende Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, aber auch die Überlastung des Betreuungsnetzes können Gründe für die Überweisung eines Patienten sein», erklärt Beat Müller. Als Beispiel erwähnt er einen Lungenkrebspatienten mit Atemnot, bei dem klar werde, dass die Krankheit nun nicht mehr heilbar sei. Es gelte dann, die akuten medizinischen Symptome zu lindern und gegebenenfalls Lösungen für die anderen Probleme zu finden – etwa indem das Netz zu Hause gestärkt werde.

Dafür stellt das Kantonsspital eine multiprofessionelle Betreuung sicher. Neben Ärzten wie Beat Müller und den Pflegepersonen arbeiten auf der Palliativabteilung Fachleute aus den Bereichen Seelsorge, Psychologie, Physiotherapie, Ergotherapie und Kunsttherapie, dem Schmerzdienst ebenso wie Ernährungs-, Sozial- und Austrittsberater. «Wöchentlich finden interdisziplinäre Besprechungen statt, in deren Rahmen wir nach den besten Behandlungsmöglichkeiten für die Patienten suchen.» Wobei der individuelle, autonome Entscheid am Ende stets beim Patienten liege: «Er definiert, was Würde, was Lebensqualität für ihn bedeutet und was dies mit Blick auf seine Therapie heisst.»

Für die Gestaltung der neuen Abteilung hat das Luks nicht nur einen Architekten und einen Wohnberater beigezogen, sondern auch das Pflegeteam involviert. «Es kennt die Bedürfnisse der Patienten gut und hatte darum bei der Einrichtung ein wichtiges Wort mitzureden.» Das Luks ging noch einen Schritt weiter und liess die Pfleger künstlerisch tätig werden. Unter der Anleitung des Sempacher Künstlers Urs Heinrich schufen sie eine Serie abstrakter, kleinformatiger Bilder, die nun in der ganzen Abteilung zu sehen sind – als farbiges und sehr persönliches Leitmotiv.


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