Auf dem Gerlisberg schöpft Schwester Priska Kraft

OSTERN ⋅ Schwester Priska (88) lebt seit über 60 Jahren im Kloster. Ein Neubeginn, wie er am Sonntag mit der Auferstehung von Jesus gefeiert wird, hat die Biografie der Luzerner Kapuzinerin entscheidend geprägt.
13. April 2017, 06:46

Francisco Schnyder

kanton@luzernerzeitung.ch

Oberhalb von Luzern, am Waldrand gelegen, thront das St.-­Anna-Kloster Gerlisberg. Acht Kapuzinerinnen leben und wirken dort. Im Sprechzimmer empfängt mich Schwester Priska (88). Wir reden über Ostern, das grösste Fest im römisch-katholischen Kirchenjahr. «Ostern ist das grosse Fest der Christen vom Glauben an Jesus Christus, der gekreuzigt wurde und am dritten Tag auferstanden ist. Ostern ist eine Wirklichkeit, es ist bezeugt in den Evangelien von Lukas, Matthäus, Johannes und Markus», sagt sie. «Jesus ist nicht nur einem, sondern vielen Menschen an vielen Orten erschienen.» Zuerst seiner Mutter, davon sind die Schwestern überzeugt.

Ostern sei im Prinzip auch in jeder heiligen Messe, in jeder heiligen Eucharistiefeier. Denn in der Eucharistie werden der Tod und die Auferstehung von Jesus gefeiert. Da Jesus an einem Sonntag auferstanden sei, sei auch jeder Sonntag ein kleines Osterfest.

Ostern beginnt mit dem Entzünden des Feuers

Im Kloster Gerlisberg feiern die Schwestern Ostern bereits am Karsamstagabend. «Im Innenhof entzünden wir ein schönes, grosses Osterfeuer», sagt Schwester Priska. Die Osterkerze wird vom Pfarrer angezündet. Fünf Nägel, das Symbol für die fünf Wunden von Christus, werden von ihm an der Kerze angebracht. Das Licht wird an viele Besucher weitergegeben. Dann folge die Prozession durch den Kreuzgang im Inneren des Klosters. Der Priester halte die Osterkerze, singe «lumen christi» (Das Licht Christi). Die Schwestern und die Besucher singen «deo gratias» (Gott sei Dank). «Wir ziehen dann in die Kirche, in der es dunkel ist, bringen das Licht hinein», sagt Schwester Priska. Die Lampen würden eingeschaltet, von der Orgel erklinge wunderbarer Osterjubel.

Zum Kloster Gerlisberg gehört eine Hostienbäckerei. Bis zu 40 000 werden pro Tag gebacken. In der Osterzeit sind es mehr Hostien als sonst üblich – ein untrügliches Zeichen, dass mehr Leute die Gottesdienste besuchen. Die Hostien werden in weiten Teilen der Schweiz verkauft: im Tessin, im Wallis, in Basel, in Zürich, in der Zentralschweiz und im Aargau (Ausgabe vom 24. Dezember 2016).

Vater haderte mit ihrem Klostereintritt

1952 ist Schwester Priska ins Kloster Notkersegg in St. Gallen eingetreten – mit 24 Jahren. Sie fühlte sich berufen, doch sicher war sie sich nicht. Deshalb hat sie sich an einen Priester gewandt. Sie müsse es halt ausprobieren, riet er ihr. Für Schwester Priska war dies wie eine Befreiung. Ans Klosterleben hat sie sich schnell gewöhnt. Unterstützung fand sie in ihrer Mutter, die sie mehrmals besuchte, nicht aber von ihrem Vater. Er konnte die Entscheidung seiner Tochter nicht nachvollziehen. Später besuchte er sie dann doch, freute sich sehr und brachte ihr einen wunderschönen Apfelblütenstrauss mit.

Dass das Klosterleben nicht immer einfach ist, stellte Schwester Priska schnell fest. Sie musste in der Küche und im Garten arbeiten. Das Kaufmännische, ihr früherer Beruf, fehlte ihr, ebenso das Schreiben. Ihr Vater schickte ihr eine Schreibmaschine, die sie zu Hause noch hatten. So konnte sie ab und zu einen Text verfassen. In Bruno Scherrer vom Kloster Mariastein, einem Priester und Dichter, fand sie einen Lehrmeister. Später entstanden so unter anderem das Buch «Das Grösste ist die Liebe» und die Broschüre «Freude ist ein Gottesgeschenk».

Im Jahr 2000 ist Schwester Priska aus gesundheitlichen Gründen ins Kloster Gerlisberg übergetreten. Ein entscheidender Schritt. In Luzern erlebte sie, wie aus der Dunkelheit in ihrem Leben Licht wurde. Der Wechsel fiel ihr nicht leicht. Sie wusste nicht, ob sie im Kloster Gerlisberg aufgenommen würde. Ihre Skepsis war umsonst, gross die Erleichterung, dass sie willkommen war. «Es war für mich wie Ostern. Ich musste keine Angst mehr haben, hatte wieder eine Heimat, konnte wieder neu anfangen.»

Das Schönste am Kloster­leben sei, den Weg zu Jesus Christus zu finden, seine Gegenwart zu spüren, sagt sie. Das müsse man üben, mit Gebeten. Das führe zu einem inneren Gebet. Wenn man dieses erreicht habe, könne kommen, was wolle. «Wir Ordensfrauen sagen, Jesus ist unser Bräutigam. Jesus ist meine Liebe, aber auch meine Hoffnung.»

Rummel meidet sie

Materielle Sachen bedeuten ihr nichts. Als junges Mädchen hatte sie zwar schon Freude an Schmuck. Sie hatte einen Ring, eine Uhr, eine Kette sowie ein Velo. Doch heute kann sie gut darauf verzichten, genauso gut, wie sie den Rummel meidet. In der Stadt Luzern sieht man sie denn nicht oft. Sie freut sich vielmehr daran, vom Kloster aus den See und die Berge zu sehen. An ­Ostern bekommen Schwester Priska und ihre Mitschwestern ­jeweils von einem Luzerner ­Geschäft einen Osterhasen geschenkt. Ziemt sich das? «Es ist nicht die Hauptsache an Ostern», sagt sie, «aber man darf auch an kleinen Sachen Freude haben.»


HINWEIS

Ein Ostergedicht von Schwester Priska finden Sie unter luzernerzeitung.ch/bonus


Leserkommentare

Anzeige: