Batterie-Busse für Luzern?

VERKEHR ⋅ Eine neue Technologie fasst in der Schweiz Fuss. Mit ihr würden die Fahrleitungen aus dem Ortsbild verschwinden. Zum Einsatz kommen könnten sie auf der neuen Linie 3.

08. Oktober 2016, 05:00

Wie ein Spinnennetz ziehen sie sich durch die Stadt: die Fahrleitungen der Trolleybusse. Immer wieder sorgen sie aber bei einer Neuinstallation für Diskussionen bei den Anwohnern. Bäume müssen weichen, und der Vorwurf, die Stromleitungen würden das Ortsbild verschandeln, kommt oft zum Zuge: dies 2013 bei der Einweihung der Verlängerung der Linie 6 bis zur Büttenenhalde und momentan bei der Verlängerung der Linie 1 bis zum neuen Einkaufszentrum Mall of Switzerland in Ebikon. Dort soll die Strecke von 4,65 Kilometern für die Verlängerung der Buslinie mit Fahrleitungen ausgestattet werden. Insgesamt 250 Fahrleitungsmasten werden dafür benötigt (Ausgabe vom 23. August).

Anwohner können dem Projekt wenig abgewinnen, weil es das Ortsbild störe. In einem offenen Brief an den Ebikoner Gemeinderat setzte sich die CVP für die Prüfung von Alternativen zu den Trolleybussen ein (Ausgabe 30. März).

Eine Alternative hat in Genf die Testphase bereits bestanden. Ab März 2018 sollen zwölf sogenannte Tosa-Busse auf der Linie 23, welche die Genfer Vororte mit dem Flughafen verbindet, verkehren. Das Tosa-System funktioniert so: Die Elektrobusse werden mittels einer Vorrichtung auf dem Dach bei jeder Haltestelle während 15 Sekunden aufgeladen. An der Endhaltestelle erhält die Batterie in rund 5 Minuten ihre volle Ladung. In Genf ersetzen diese batteriebetriebenen Busse die alten Dieselbusse.

Diese Umstellung könnte in der Stadt Luzern auf fruchtbaren Boden stossen: «Aus unserer Sicht könnten batteriebetriebene Busse durchaus eine Lösung sein. Allerdings ist immer die Frage zu klären, in welchem Gesamtzusammenhang eine solche Lösung zu sehen ist», sagt Christian Bertschi, Mediensprecher der Verkehrsbetriebe Luzern (VBL). Heute sind Doppelgelenktrolleybusse mit Energiespeichern anstelle eines Hilfsmotors im Einsatz, wie Pascal Süess, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Luzern (VVL), bestätigt. «Ähnlich der Notfahrt mit Dieselaggregaten kann mit einem Trolleybus damit ein reduzierter Betrieb, beispielsweise bei Umleitungen, elektrisch angeboten werden», erklärt er. Laut dem Konzept zur Weiterentwicklung des öffentlichen Verkehrs in der Stadt und Agglomeration Luzern «Agglomobil tre» wird die R-Bus-Flotte mit solchen Bussen weiter ausgebaut.

Noch nicht betriebserprobt

Der Nachteil der batteriebetriebenen Systeme ist laut Süess folgender: «Für den öffentlichen Verkehr in Luzern wäre es ein grosses Risiko, ein nicht bewährtes und nicht serienreifes System mit unbekannten Kostenfolgen einzuführen.» Das gilt auch für die Linie 1. «Für die Verlängerung von bestehenden Trolleybuslinien, wie es in Luzern aktuell bei der Linie 1 vorgesehen ist, ist die bewährte Technologie vorzuziehen», so Süess. Die VBL betonen, dass neue Systeme stets mit dem bisherigen kompatibel sein müssen. «Wenn die Busse nur für eine einzige Linie beschafft werden müssen, ist dies sehr teuer, und der Einsatz der Fahrzeuge ist nicht flexibel», so Bertschi.

Eine Möglichkeit für eine alternative Lösung sieht der VVL bei der Linie 3, die vom Würzenbach nach Littau führen wird. Zwischen Kreuzstutz und Littau existieren noch keine Fahrleitungen. «Aktuell untersuchen die Dienststelle Verkehr und Infrastruktur, der VVL und die VBL zusammen mit der Hochschule Luzern, ob dieses Projekt partiell fahrleitungslos realisiert werden kann», sagt Süess. Dieser Ausbau des Busnetzes ist Bestandteil von «Agglomobil tre» und soll bis 2022 realisiert werden.

Andrea Muffandrea.muff@zugerzeitung.ch


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