Bauern wollen Hof als Ganzes erhalten

HORW ⋅ Die geplante Aufteilung des Grämlis-Hofs stellt die Landwirte auf der Horwer Halbinsel vor einen Interessenkonflikt. Auch die Politik schaltet sich in die Diskussion ein.

18. März 2017, 07:47

Beatrice Vogel und Stefan Dähler

region@luzernerzeitung.ch

Die Pläne des Horwer Gemeinderats sorgen für Diskussionen. Er will die 17 Hektaren Land des gemeindeeigenen Bauernhofs Grämlis an drei bis fünf Landwirte auf der Horwer Halbinsel verteilen, statt den Hof als Ganzes zu verpachten. Der Betrieb könne ohne zusätzliches Einkommen nicht kostendeckend bewirtschaftet werden. Der Gemeinderat beruft sich auf eine Studie des kantonalen Berufsbildungszentrums Natur und Ernährung (Ausgabe vom 22. Februar).

Die Absicht dahinter: Familienbetriebe auf der Halbinsel sollen gestärkt werden. Doch die Aufteilung des Grämlis-Lands bringt viele Bauern in einen Interessenkonflikt: Zwar sind grössere Landflächen wegen der Direktzahlungen lukrativ, doch fehlt es oft an Kapazität, dieses Land zu bewirtschaften. Martin Villiger vom Hof Seeblick sagt: «Soll sich ein Betrieb laufend vergrössern müssen, weil die Direktzahlungen über die Fläche berechnet werden, wodurch mehr Arbeit anfällt, die im schlimmsten Fall in einem Burn-out des Bewirtschafters endet?»

«Wir müssten unseren Stall ausbauen»

Andere Landwirte stossen ins gleiche Horn. «Für uns würde das zusätzliche Land bedeuten, dass wir mehr Vieh bräuchten und dadurch unseren Stall ausbauen müssten. Die Kosten, die dafür anfallen würden, könnten bei dem tiefen Milchpreis nicht amortisiert werden», sagt Edith Buholzer von der Hofrüti. Komme hinzu, dass der Grämlis-Stall in gutem Zustand sei und es schade wäre, diesen unbenutzt zu lassen. «Ihn zu mieten, wäre für uns aber zu teuer. Zudem ist er zu weit weg von unserem Hof.» Buhol­zers Betrieb, der nördlich an das Grämlis-Land grenzt, umfasst 14 Hektaren. Ihr Sohn, der heute den Hof führt, habe Interesse an einem Teil des Landes angemeldet. Mit dem zusätzlichen Land müsste die Familie aber auf andere Tätigkeiten verzichten. «Wir würden beispielsweise die Gusti nicht mehr auf die Alp bringen», so Buholzer. Auch sie spricht von einer Burn-out-Gefahr, wenn Bauern zu viel Land bewirtschaften müssen. Für Edith Buholzer ist klar: «Der Grämlis-Hof ermöglicht eine Existenz – erst recht für junge Landwirte, die gut ausgebildet und innovativ sind.»

Er sei entsetzt gewesen, als er von der Aufteilung des Grämlis-Hofs gehört habe, sagt Walter Frei vom Hof Schwanden. «Bisher konnte eine Familie vom Betrieb leben, und jetzt soll das plötzlich nicht mehr möglich sein», wundert er sich. «In der Praxis können Kleinbetriebe überleben, wenn sie innovativ sind.» Für Freis Neffen, der den Hof Schwanden führt, komme zusätzliches Land im Moment nicht in Frage. Er habe erst kürzlich ein Stück Land von einem Nachbarn übernehmen können. Auch Werner Hocher vom Hof Unterwil, der einen 10 Hektaren grossen Betrieb führt, sieht nicht ein, warum der Grämlis-Hof aufgeteilt werden soll. «Das ist einer der grössten Betriebe auf der Halbinsel, er ist gut eingerichtet und rentiert», sagt er. Allerdings: Wenn das Land aufgeteilt wird, wäre Hocher auch an einem kleinen Teil davon interessiert.

Der Grämlis-Hof beschäftigt nun auch die Politik. Hannes Koch von der linken Partei L20 hatte dazu eine Dringliche Interpellation eingereicht, die an der Sitzung vom Donnerstag behandelt wurde. Auch für Koch ist unverständlich, warum der Gräm­lis-Hof aufgeteilt werden soll, zumal es sich um einen der grössten Höfe auf der Halbinsel handelt.

Weiterer Vorstoss ist in Planung

Die Exekutive will aber an ihrem Vorhaben festhalten. Der zuständige Gemeinderat Robert Odermatt (SVP) zeigt sich erstaunt über die Aussagen der Bauern. «Bei uns gingen Bewerbungen ein, die ausführlich begründen, weshalb die Gemeinde sie bei der Vergabe unbedingt berücksichtigen soll. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der sich intensiv um ein Stück Land bewirbt, gleichzeitig zum Ausdruck bringt, dass er es besser fände, wenn der Hof als Ganzes verpachtet würde.» An der Einwohnerratssitzung betonte Odermatt, dass die Gemeinde mit der Landverteilung andere Landwirte auf der Halbinsel stärken und rentable Betriebe ermöglichen wolle. Den Grämlis-Hof habe man bisher mit rund 4000 Franken pro Jahr unterstützen müssen.

Hannes Koch ist mit der Antwort des Gemeinderats nicht zufrieden. Er kündigt nun einen weiteren Vorstoss an.


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