Behinderte: Fachleute schlagen Alarm

LUZERN ⋅ Bei der Betreuung von Behinderten sieht der Kanton grosses Sparpotenzial. Fachleute warnen vor Qualitätseinbussen, dem Abbau von Betreuungsplätzen – oder gar der Schliessung einzelner Wohnheime.

01. Juni 2014, 05:03

Der Kanton will seine Ausgaben für die Betreuung von behinderten Menschen unter die Lupe nehmen. Für die sozialen Einrichtungen, die im Kanton Luzern Menschen mit Behinderungen betreuen, hätten Sparmassnahmen weitreichende Konsequenzen.

Klar ist für alle, wo gespart werden müsste: Nämlich beim Personal. Marta Bühler, Geschäftsleiterin von Traversa, einem Netzwerk für Menschen mit einer psychischen Erkrankung, sagt beispielsweise: «Das Wohnheim Sonnenbühl etwa wird mit 140 Stellenprozenten betreut. Wenn wir da eine Stelle streichen müssen, ist niemand mehr da, um unsere Klienten zu versorgen – wir müssten schliessen.»

Ferienplätze streichen

Luitgardis Sonderegger-Müller, Direktorin der Rodtegg, Stiftung für Menschen mit körperlichen Behinderungen, erklärt, wie sich der Qualitätsabbau bei ihr bemerkbar machen könnte. «Wir könnten beispielsweise keine Ferienplätze mehr anbieten, was Familien, welche ihr schwerstbehindertes Kind zu Hause betreuen, zusätzlich schwer belastet.»

Auch das bestehende Angebot der Stiftung Brändi wäre gefährdet: «Wir müssten allenfalls Plätze abbauen. Weniger Menschen mit Behinderungen hätten eine Stelle in einer geschützten Werkstätte, die Tagesstruktur fiele weg, sie könnten vermehrt von der Sozialhilfe abhängig werden. Dieses Abschieben der Menschen und Kosten kann nicht die Lösung sein», so Stiftungsleiter Pirmin Willi.

 

 


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