Die Kleinsten sollen Deutsch lernen

SPIELGRUPPEN ⋅ Fremdsprachige Kinder werden intensiver auf den Schuleintritt vorbereitet. Gleich mehrere Gemeinden bauen ihr Sprachförderungsangebot aus. Horw geht mit einem Pilotversuch voran.
18. April 2017, 05:00

Gabriela Jordan

gabriela.jordan@luzernerzeitung.ch

Frühe Sprachförderung für Kinder ist derzeit in aller Munde: Seit der Teilrevision des kantonalen Volksschulbildungsgesetzes sind Gemeinden in der Pflicht, bis zum Sommer 2018 entsprechende Angebote einzurichten (siehe Kasten). Kinder mit mangelhaften Deutschkenntnissen sollen intensiver auf den Schuleintritt vorbereitet werden.

In manchen Luzerner Gemeinden gibt es solche Angebote bereits, vielerorts ist man momentan zudem um einen Ausbau bemüht. So etwa in Horw: Dort hat der Einwohnerrat jüngst einen Kredit von 119400 Franken für ein dreijähriges Pilotprojekt bewilligt, das im nächsten Schuljahr ein zusätzliches Sprachförderangebot in maximal vier Indoor-Spielgruppen vorsieht (Ausgabe vom 7. April). Ausserdem hat Horw einen weiteren Kredit von 139200 Franken für zusätzliche Stunden Deutsch als Zweitsprache (DAZ) in vier Kindergärten gesprochen.

«Wir möchten so noch mehr Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, erreichen und gezielt integrieren», sagt Gemeinderat Oskar Mathis (L20). Es handle sich um eine freiwillige Erweiterung des Angebots, den Auftrag des Kantons würde Horw grösstenteils schon jetzt erfüllen. «Von der Wirkung sind wir überzeugt.» Laut Mathis sind es aktuell 98 Kinder im Alter von drei oder vier Jahren, die eine Indoor-Spielgruppe besuchen; 38 davon sind fremdsprachig. Waldspielgruppen seien für die Sprachförderung weniger geeignet. «Schon jetzt melden 70 bis 80 Prozent der fremdsprachigen Eltern ihre Kinder für Spielgruppen an. Um dies zu steigern, schaffen wir nun noch die vier weiteren Spielgruppen», so Mathis. Diese werden, anders als andere mit Sprachförderangebot, nicht durchmischt sein. Sie sind lediglich für fremdsprachige Kinder gedacht.

Spielerischer Zugang zur deutschen Sprache

In den Spielgruppen mit Sprachförderung können sich statt einer zwei Leiterinnen den Kindern widmen. Spielerisch, etwa durch Geschichten, sollen sie an die deutsche Sprache herangeführt werden. Ein Teilnahmezwang ist nicht vorgesehen. Die Gemeinde empfiehlt betroffenen Familien jedoch, dass die Kinder wenn möglich dreimal pro Woche eine Spielgruppe besuchen. Der Gemeinderat stützt sich in seiner Empfehlung auf eine Studie der Hochschule Luzern, die besagt, dass vier von fünf fremdsprachigen Kindern beim Eintritt in die Spielgruppe nicht richtig Deutsch verstehen.

Die zusätzliche Sprachförderung will der Gemeinderat ab 2020 definitiv einführen. Einen Teil der Kosten – der genaue Betrag ist noch nicht bekannt – übernimmt der Kanton. Die Kosten, die von den Eltern getragen werden müssen, belaufen sich pro Kind und Schuljahr auf 350 Franken für zwei Spielgruppenbesuche pro Woche. Was die Einführung des Pilotprojekts begünstigt: Anders als in den meisten Gemeinden sind Spielgruppen in Horw nicht privat organisiert, sondern werden seit 2003 von der Gemeinde getragen.

Nebst Horw beschäftigen sich auch andere Gemeinden mit dem Thema, zum Beispiel Kriens. «Im Moment sind wir dabei, ein Frühförderkonzept aufzugleisen und dem Gemeinderat zum Entscheid vorzubereiten», sagt Oliver Kehrer, Leiter der Abteilung Familien- und Kulturdienste. Vereinzelte Angebote gibt es bereits. So die Spielgruppe Papagei, die vom Verein «Migration – Kriens integriert» geführt wird. Die Gemeinde hat mit diesem eine Leistungsvereinbarung abgeschlossen. Die Gemeinde diskutiert mit den Spielgruppenleiterinnen aber auch andere Modelle der Sprachförderung: «Verschiedene Studien belegen, dass durchmischte Gruppen von Kindern sinnvoller sind.» Ein entsprechendes Konzept müsse jedoch auch für die Spielgruppenleiterinnen stimmen – in Kriens sind die Gruppen privat organisiert. Im Herbst werde der Gemeinderat über das Konzept entscheiden.

Auch in Emmen finden derzeit Bemühungen statt, dem Auftrag des Kantons nachzukommen. Dies bestätigt der Emmer Kommunikationsbeauftragte Nikola Janevski. Ein Grossteil der Spielgruppen in Emmen biete Sprachförderung bereits an. Das Angebot werde von der Gemeinde gefördert, die Kosten müssten aber zum grössten Teil von den Eltern selbst getragen werden.

Auch die Stadt Luzern engagiert sich in der Sprachförderung. Dazu führte sie von 2013 bis 2015 ein Pilotprojekt durch und setzte es schliesslich definitiv um. Eine Massnahme ist etwa, dass die Stadt den Spielgruppenleiterinnen die ganze Weiterbildung für die Sprachförderung finanziert. Laut Monika Hürlimann, Bereichsleiterin Vorschulalter, steht diese Möglichkeit allen offen, rund ein Drittel aller städtischen Spielgruppen würden bereits am Programm teilnehmen. Eine andere Massnahme ist laut Hürlimann, dass sich die Gruppen dank den Geldern der Stadt zwei Leiterinnen leisten könnten.


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