Bollywood und eine alte Garde

EMMEN ⋅ Bunt, schräg, klerikal: Am Ämmer Omzog fehlte nur die Sonne. Nach zwei Stunden war der Spuk vorbei, und s Ämmali ging danach in Flammen auf.
08. Februar 2016, 05:00

Als kurz vor Umzugsstart eine Gruppe von etwa 40 orange-schwarz Gekleideten die Gerliswilstrasse hinuntermarschierte, hatte es selbst dem Speaker Kari Fischer die Sprache verschlagen. Die Gruppe war im Programm nicht vermerkt und lief erst noch in die falsche Richtung, was für ein Desaster.

  • Umzug Emmen
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Am Sonntag fand in Emmen der grosse Umzug statt.

Als sie jedoch auf Sichtnähe war, überschlug sich Fischers Stimme vor Freude. Denn zu sehen war die alte Garde der Gaugewäudler. Klammheimlich hatten sich ehemalige Aktive zusammengetan, um mit den aktiven «Gaugis» vereint den 39. Ämmer Fasnachtsomzog anzuführen. Die Gaugewäudler gibt es seit 40 Jahren, sie sind die älteste Guugge von Emmen. Ihr Sujet: «Der Züsler», das sind gruselige Gestalten und untote Wesen, die mit Feuer und Flamme ihr Unwesen treiben.

Zuerst Wilde, jetzt Offizielle

Rund 22 000 Zuschauer säumten die Umzugsroute. Zu sehen waren 34 Nummern. Die Sujets waren bunt verspielt oder auch mal gruselig. Dieses Jahr erstmals offiziell dabei sind die Göfeler mit der Nummer 8. Ihr Motto: «Circus». Bis anhin lief die Gruppe als wilde Teilnehmerin zwischen den offiziellen Nummern.

Ein «tragisches» Highlight zeigten die 10-köpfigen Ämmer Yäzzis. Mit dem Sujet «Die HEIMATlosen» nahmen sie das Einstellen der Regionalzeitung «Heimat» zum Thema und beklagten, dass seither ihr rasender Reporter Rowi ausgebremst ist. Bollywood-Flair brachte Fasnatic aus Sempach nach Emmen – samt ihrem auf Cadillac getunten Tuk-Tuk und ihrem einstudierten Bolly-Ballett.

Bereits Tradition hat der Auftritt der Krienser Wöschwyber mit ihren original Krienser Masken. Doch dieses Jahr legten Wöschwyber, Chrüterfraueli, Güggelipeter, Muuser, Chessel­flicker und Co. noch einen obendrauf und schleppten gleich ihre eigene Wäscherei mit an den Umzug. Als zweitletzte Nummer gingen die Gehörlosen mit ihrer Skihütte auf die Piste und zeigten dem Publikum, wie es sein könnte mit Sonne, Wind und viel Schnee.

Und kurz nach halb fünf war es dann so weit: Vor dem Zentrum Gersag ging die Regentin der Emmer Fasnacht, s Ämmali, auf dem Scheiterhaufen in Flammen auf und machte dem Winter den Garaus.

Sandra Monika Ziegler


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