Bürgenstock wird zum Politikum

PERSONAL ⋅ Der Manager des Resorts will vorwiegend ausländische Arbeitskräfte einstellen. Das stösst der Luzerner SP sauer auf – sie will nun das Darlehen fürs Shuttleschiff sistieren.

25. November 2016, 05:00

500 Meter über dem Vierwaldstättersee soll nächsten Sommer das Luxusresort Bürgenstock thronen. Die Bauarbeiten laufen derzeit auf Hochtouren: Vier Hotels, 68 Luxuswohnungen, eine riesige Wellnessanlage und Kur- und Konferenzsäle sollen dort realisiert werden.

Um das Resort auch via Vierwaldstättersee zu erreichen, baut die Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) ein eigenes neues Schiff. Kostenpunkt: 5 Millionen Franken. An den Kosten beteiligen sich der Bund und die Kantone Luzern und Nidwalden. Die Kantone werden dafür ein zinsloses Darlehen gewähren – von je 625000 Franken. Nun will der Luzerner SP-Präsident und Kantonsrat David Roth dieses Darlehen sistieren. Gestern hat er ein entsprechendes Dringliches Postulat eingereicht. Grund: Bruno Schöpfer, Manager des Resorts, hat gegenüber der «Rundschau» von SRF 1 gesagt, er werde vorwiegend ausländische Arbeitskräfte rekru­tieren müssen, weil es in der Schweiz zu wenig qualifizierte und motivierte Fachkräfte in der Gastrobranche gebe. Er weist aber auch darauf hin, dass er «mit allen Mitteln» versuchen werde, Schweizer Fachkräfte zu beschäftigen.

David Roth kann das Argument nicht nachvollziehen. Er sagt: «Gemäss Regionalem Ar­beitsvermittlungszentrum (RAV) sind allein im Kanton Luzern 500 Personen im Gastgewerbe auf Stellensuche.» Er ist überzeugt, dass es in der Zentralschweiz genügend qualifiziertes Personal gäbe. «Diesen Arbeitnehmern muss man aber anständige Löhne bezahlen.» Der SP-Präsident findet es stossend, wenn sich der Kanton Luzern finanziell an der Entwicklung des Resorts beteiligt, welches 600 von 800 Stellen mit importierten Arbeitskräften besetzen will.

«Die Branche wird an Akzeptanz verlieren»

«Die regionalen Arbeitgeber haben auch eine gewisse Verantwortung gegenüber der Bevölkerung», betont Roth. Würde diese den Nutzen für den Tourismus nicht sehen, «wird die Branche an Akzeptanz verlieren», ist sich Roth sicher. Er hat das Postulat dringlich überreicht und will damit vermeiden, dass das Geld gesprochen wird, bevor sein Vorstoss behandelt ist. Wird das Postulat als dringlich erklärt, wird es am 13. Dezember im Kantonsrat behandelt. Auch in Nidwalden plant man einen ähnlichen Vorstoss, wie der SP-Landrat Dino Tsakmaklis auf Anfrage sagt.

Beim Gesundheits- und Sozialdepartement (GSD) des Kantons Luzern will man auf Anfrage unserer Zeitung keine Stellung nehmen, wie Erwin Roos, Sprecher des Departements, sagt. Dies, obwohl Kurt Simon, Leiter Arbeitsmarkt bei der kantonalen Dienststelle für Wirtschaft und Arbeit, welche dem GSD unterstellt ist, gegenüber der «Rundschau» Auskunft gegeben hat.

In der Sendung betonte Kurt Simon, mit den Ankündigungen des Resortmanagers Bruno Schöpfer Mühe zu haben. Er sagt: «Erfahrungen zeigen, dass ansässige Unternehmen nicht immer zuerst bei den ansässigen Arbeitnehmern und Arbeitslosen suchen, wenn sie offene Stellen haben.» Auf die Frage, warum das so sei, antwortet Simon: «Ich kann es nicht beurteilen. Die einzige Erklärung, die ich dafür habe, ist, dass die Anforderungsprofile andere sind als bei den Personen, die bei uns auf dem RAV sind.»

Der Leiter Arbeitsmarkt sagt im Beitrag weiter, er könne sich nicht vorstellen, dass von den 500 Stellensuchenden im Kanton Luzern alle ungeeignet seien.

Yasmin Kunz

485 Millionen Franken investiert eine Gruppe aus Katar, um auf dem Bürgenstock zu bauen. Das neue Resort soll Ende 2014 eröffnet werden. Der Startschuss für die Vermittlung der ersten Bürgenstock-Wohungen ist gefallen.


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