Bunte Guuggen und spendable Zünfte

WILLISAU ⋅ Die Städtlifasnacht zog gestern rund 7000 Besucher an. Höhepunkt war der Einzug der 31 lauten und originellen Gruppen.
01. Februar 2016, 05:00

Yvonne Imbach

Die Fasnacht beginnt im Städtli Willisau bereits am Sonntag vor dem Schmutzigen Donnerstag mit der von der Karnöffelzunft Willisau organisierten Städtlifasnacht. Die 21. Durchführung wurde gestern mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Pfarrkirche gestartet, den die Schlössliruugger Willisau kakofonisch begleiten durften. Anschliessend gaben sich die zahlreich erschienenen Guuggenmusigen auf den drei Guuggerbühnen quasi das «Zepter» in die Hand – das mit riesigen Konfetti dekorierte Städtli erzitterte unter Pauken und Trompeten.

Willisaus älteste Guuggenmusig

Ein gewaltiger Knall wies Punkt halb zwei Uhr auf den Start des Einzuges der 31 Guuggenmusigen, Zünfte und Gruppierungen hin. Die Nummer 1 gehörte den Napfruuggern Willisau, die dieses Jahr ihr 75-Jahr-Jubiläum feiern und damit nicht nur Willisaus älteste Guuggenmusig sind, sondern die der ganzen Luzerner Landschaft. Die Karnöffelzunft Willisau schickte traditionell eine Horde «Enzilochmanne» auf den Weg. Die wilden Männer sind mit unzähligen, echten Weisstannenzweigen dekoriert und geben dank einer grimmigen Holzmaske und lauten Schellen um den Bauch ein «gfürchiges» Bild ab. Peter («ich bin ein Enzilochmaa und heisse einfach Peter») verriet vor dem Einzug, dass seine Enkelin Leonie (8) ihn dieses Jahr das erste Mal im gleichen Gewand begleitet. Wer von den beiden mehr Freude am gemeinsamen Fasnachtmachen hatte, liess sich schwer feststellen.

Petrus meinte es gut mit den rund 7000 Zuschauern: vom angekündigten Regen keine Spur. Dabei wäre man also gerüstet gewesen, wie Stefan Calivers, Umzugsspeaker und Medienverantwortlicher der Karnöffelzunft, verriet: «Wir haben extra einen gedeckten Bereich mehr gebaut.»

«Tage wie diese»

Nass wurde also niemand, und sollte jemand unter kalten Füssen gelitten haben, sorgten die auffällig grossen Guuggenmusigen mit imposantem Sound dafür, dass jede Zehe wieder warm getanzt werden konnte. Das «Mamma mia» der Hürntalschränzer Uffikon/Buchs ging sofort in die Beine. Die Dorfguugger Teret/Knutu und zufällig zwei Nummern später die Flueh-Fäger Luthern brachten ihren Eindruck musikalisch auf den Punkt: Beide Guuggenmusigen spielten «Tage wie diese» von den Toten Hosen, in dem es heisst: «Ich warte seit Wochen auf diesen Tag und tanz vor Freude über den Asphalt».

Zahlreiche Zünfte aus der Region wie auch aus Luzern, Horw oder Hünenberg gaben sich würdevoll – und spendabel. Orangen, Süssigkeiten und Kaffee Schnaps wurden fleissig verteilt. Und mit Kantonsratspräsident Franz Wüest, der mit der Mugge-Zunft Ettiswil mitmarschierte, kam auch ein bisschen politisches Flair ins Umzugsgeschehen.

Nach dem rund 90-minütigen Einzug verlagerte sich das Geschehen rund um die Essstände und vor die Guuggerbühnen. Auf die kleinen Besucher wartete das Narrenschiessen und Büchsenwerfen. «Gegen den frühen Abend wird die Heimkehr bei den meisten angetreten», wusste Stefan Calivers aus vergangenen Jahren zu berichten. Die Fasnacht steht ja vor der Türe, da will man parat sein.


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