Car-Regime in Luzern: Am Schwanenplatz nur noch aussteigen

TOURISMUS ⋅ Seit Mai 2015 gilt in Luzern das sogenannte Car-Regime. Jetzt läuft die Pilotphase aus. Laut Stadt hat sich das System bewährt. Dessen Zukunft hängt aber von anderen ab.

18. Oktober 2016, 06:47

Beim Schwanenplatz aussteigen und beim Löwenplatz wieder einsteigen – das sieht das Luzerner Car-Regime vor, das 2015 testweise eingeführt worden ist. Ende Monat läuft die Pilotphase nun aus. Wie geht es weiter? «Die Absicht der Stadt ist, dass das Regime weitergeführt wird», sagt Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen, auf Anfrage. Es soll «bis auf weiteres gelten», so Lütolf. Das heisst: bis alternative Lösungen wie eventuell das Parkhaus Musegg gefunden werden. Das Regime werde Teil eines städtischen Carparkierungskonzepts mit kurz-, mittel- und längerfristig umsetzbaren Massnahmen sein. Das Konzept befindet sich in Arbeit und soll noch dieses Jahr der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Gemäss dem Regime dürfen Cartouristen in der Hochsaison von Mai bis Oktober am Schwanenplatz von 17 bis 20 Uhr nur aussteigen. Zum Einsteigen müssen sie sich zu Fuss an den Löwenplatz begeben. «Das hat sich bewährt, der Schwanenplatz konnte abends dadurch massiv entlastet werden», bilanziert Lütolf. Über die Fortführung kann die Stadt aber nicht allein entscheiden. Schliesslich wird der Verkehrslotsendienst am Schwanen- und Löwenplatz vollständig von den dort ansässigen Geschäften finanziert. Diese müssen weiterhin bereit sein, sich zu betei­ligen. Die Kosten betragen 350 000 bis 450 000 Franken pro Jahr. «Entsprechende Gespräche werden wir nach Ablauf der Pilotphase Anfang November führen», so Lütolf.

Betroffene Geschäfte sind zufrieden

Die betroffenen Geschäfte sind mit dem Car-Regime grösstenteils zufrieden, wie eine früherere Umfrage unserer Zeitung gezeigt hat (Ausgabe vom 17. August). Das dürfte auch heute noch der Fall sein. Matthias Bachmann von der Confiserie Bachmann sagt denn auch: «Wir sind bereit, uns weiterhin zu beteiligen.» Dies trifft auch auf Bucherer zu. «Wir waren an der Entwicklung des Regimes mitbeteiligt und tragen diese Lösung weiterhin mit», sagt Marketingleiter Jörg Baumann. «Diese hat zu einer Entspannung der Situation am Schwanenplatz geführt. Die Frequenzen sind jetzt tiefer, Cars und Verkehr kommen besser aneinander vorbei.» Mit welchen Beträgen sich die einzelnen Geschäfte beteiligen, wird nicht bekannt gegeben. «Wir leisten aber sicher einen wesentlichen Anteil», sagt Baumann. Bei Gübelin konnte gestern auf Anfrage niemand Auskunft geben. Die Luzerner Kantonalbank werde eine Weiterzahlung prüfen, heisst es.

Deutlich weniger Cars im Winter

Ab November gilt am Schwanen- und Löwenplatz wieder der Winterbetrieb. «Das heisst, am Schwanenplatz darf man ein- und aussteigen, am Löwenplatz ganztags parkieren», erklärt Lütolf. «Das funktioniert, weil während der Wintermonate deutlich weniger Touristencars unterwegs sind.» Im Sommer registriert die Stadt jeweils bis zu rund 200 Carvorfahrten pro Tag am Schwanenplatz, im Winter sind es noch 50 bis 75. Kann das Car-Regime weitergeführt werden, tritt es im Mai 2017 wieder in Kraft.

Während der Pilotphase des Car-Regimes hat die Stadt einige Anpassungen vorgenommen. Das Trottoir und der Fussgängerstreifen beim Löwenplatz vor dem Hotel de la Paix wurden diesen Frühling verbreitert (Ausgabe vom 4. Mai). Zuvor war die Stelle zu eng, die Fussgänger wurden durch Wartende vor der Ampel blockiert. «Weiter wurden wettergeschützte Sitzgelegenheiten beim Löwen-Parkplatz installiert, das Angebot am Car-Anhalteplatz am Löwenplatz erweitert und der Reinigungsrhythmus beim WC erhöht», sagt Lütolf. Zudem dürfen Cars, die vom Lido oder Brüelmoos her in die Stadt fahren, die Busspur auf der Haldenstrasse nutzen.

Variante Bahnhofstrasse wurde verworfen

Erarbeitet wurde das Car-Regime von der Arbeitsgruppe Cartourismus. Diese besteht aus Vertretern der Stadt Luzern, der City-Vereinigung, des Quartiervereins Altstadt, von Gübelin, Bucherer und Luzern Tourismus.

Diese Gruppe hat ursprünglich weitere Möglichkeiten geprüft. Eine Option wäre etwa gewesen, die Cars künftig auf der Bahnhofstrasse halten zu lassen (wir berichteten). Diese Möglichkeit wurde jedoch verworfen. Auch weil die Bahnhofstrasse autofrei werden soll.

Stefan Dähler


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